08.05.2009 · Alles spricht vom „Kanzlerduell“. Doch wenn es kommt, wie die Wahlkampfberater von SPD und Union und die Sender planen, gibt es kein Duell. Es gibt nur eine Wahlsendung mit der Bundeskanzlerin und ihrem Stellvertreter.
Von Michael HanfeldEs ist schon verblüffend. Dieser Gleichklang. In Gestik und Mimik, im Temperament. Wie Brüderchen und Schwesterchen oder wie ein altes Ehepaar. Man kennt sich, man neckt sich, man koaliert. Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier. Gemeinsam treten sie in den Kabinettssaal, sie vorneweg, er einen Schritt dahinter. Sie legen die Aktenmappen ab und rücken die Stühle zurecht. Sie gibt ihm einen Fingerzeig, er hört zu. Dann werden die Fotografen nach draußen gebeten. Wer war noch dieser Herr Sauer? Hat schon einmal jemand Frau Steinmeier gesehen?
Es ist selbstverständlich ein Trugbild. Das Trugbild einer politischen Vernunftehe, die angeblich niemand will. Doch die Szenen dieser Ehe sind schon verblüffend. Wahlplakattauglich. Wir packen’s an! Gemeinsam sind wir stark! Ihre Spezialdemokraten! Vielleicht suchen die Fotografen ja auch die Gelegenheiten, die ihnen geboten werden, und haben längst vergessen, dass sie ihnen in der ersten Stufe des Wahlkampfs nur präsentiert werden, um vor dem Hintergrund der dunklen Globalwirtschaftskrise eine kleine, heile Kabinettswelt abzulichten. Und irgendwann, wenn die Umfragen danach sind, wird umgeschaltet auf eisige Mienen und abweisende Gesten. Je nachdem, was mehr Wählerstimmen verspricht.
Die Sender sind heiß
Irgendwann in diesem Sommer aber sollen sich Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier zur Bundestagswahl im Fernsehen „duellieren“. Man mag es sich kaum ausmalen, doch die Sender sind schon ganz heiß darauf. Anfang des Jahres haben die Chefredakteure ihre Bittbriefe geschrieben. Seither warten sie darauf, dass sich die Wahlkämpfer endlich entscheiden, wann und wie sie es denn gerne hätten, das „Kanzlerduell“, das in diesem Jahr besonders langweilig zu werden droht. Schließlich „duellierte“ sich darin die Kanzlerin mit ihrem Stellvertreter: Angela Merkel gegen Frank-Walter Steinmeier.
Nicht nur ob des Temperaments der beiden droht die Veranstaltung in Langeweile zu ersticken. Sie verstellt den Blick auf das, worauf es ankommt – die politischen Lager, die mit ihnen eigentlich zur Wahl stehen. Und die sofort wieder durcheinandergeworfen und großkoalitionär vereinigt werden, wenn der Wähler es so will. Die Konstellation beerdigt viele Konflikte im Keim, schließlich müssten sich die beiden, worauf der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle in unserem Interview verweist, über ihre gemeinsam vertretene Regierungspolitik in die Haare geraten, die Fehler des einen sind die der anderen. Die Unlust, den Wählern vor laufenden Kameras zu erklären, wer denn die bessere Wahl sei, ist – vor allem bei der Union – so groß, dass es nur für ein Zusammentreffen reichen könnte. Aber auch das wäre ja vielleicht schon eines zu viel.
Will oder Plasberg
Die Politiker der anderen Parteien werden vom Fernsehen in eine andere Sendung verbannt. Das ZDF lädt, auf Initiative des Chefredakteurs Nikolaus Brender hin, die Spitzenkandidaten aller Bundestagsparteien ein, nur hier können wir Merkel, Steinmeier, Westerwelle, Seehofer, Lafontaine und Trittin im Infight erleben – falls SPD und CDU zusagen, Angie und Frankie zieren sich noch.
Die Sender bewegt bei diesem Thema im Augenblick vor allem die Frage, wer das Duell übertragen wird und wer den beiden entgegentritt. Der Chefredakteur Peter Kloeppel von RTL läuft sich schon einmal bei einem „Townhall Meeting“ am 17. Mai warm, einer großen Fragerunde von und mit und für – Angela Merkel. Die Bundeskanzlerin hatte schon einen beachtlichen Auftritt bei Anne Will, Steinmeier war zum Stelldichein bei Reinhold Beckmann. Nicht Will oder Beckmann, sondern Will oder Plasberg lautet derweil bei der ARD die Frage nach dem, der die Kanzlerin und ihren Stellvertreter befragen darf. Wenn Frank Plasberg in seiner Talkshow so weiterzappelt wie zuletzt, dürfte sich die Frage erledigen. Beim ZDF ist Maybrit Illner gesetzt.
Doch das ist in Wahrheit einerlei. Wenn es kommt, wie die Wahlkampfberater von SPD und Union und die Sender planen, gibt es kein „Duell“. Es gibt nur eine Wahlsendung mit der Bundeskanzlerin und ihrem Stellvertreter.
Die Bundeskanzlerin sollte
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 08.05.2009, 21:19 Uhr
Rettungsversuch der Koalitionäre
Alex Merck (AlexM3)
- 08.05.2009, 22:00 Uhr
Eine solche Sendung wäre nur peinlich
Alex Merck (AlexM3)
- 08.05.2009, 22:17 Uhr
The Show must go on! Zuschauerdemokratie statt Einbeziehung der Bevölkerung!
Helmut Schallock (Helmut.Schallock)
- 15.05.2009, 15:04 Uhr