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Guido Westerwelle Nun ist er angekommen

28.09.2009 ·  Schon bald wird Guido Westerwelle als Außenminister vereidigt werden. Dass er die Parteipolitik beherrscht, hat der künftige Vizekanzler bewiesen. Nun muss sich der einstige liberale Spaßpolitiker in seinem ersten Staatsamt bewähren.

Von Majid Sattar
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Der Wahltag begann für Guido Westerwelle mit dem gemeinsamen Dauerlauf mit seinem Partner Michael Mronz. Sodann ging er in Bonn zur Wahl und bestieg das Flugzeug nach Berlin. Am Sonntagnachmittag tagte das FDP-Präsidium in den Römischen Höfen, wohin die Partei wegen des erwarteten großen Andrangs ihre Wahlparty verlegt hatte.

Als ihm die ersten Prognosen ins Ohr geflüstert wurden, betrat Westerwelle mit Hans-Dietrich Genscher, dem Ehrenvorsitzenden der Partei, den Balkon im vierten Obergeschoss. Gemeinsam blickte man auf die Prachtmeile Unter den Linden. Es war ein langer Weg für den 47 Jahren alten Mann von jener Geburtstagsparty einer befreundeten Jungen Liberalen im Sommer 1982, bei der sich Westerwelle mit Genscher bei Erdbeerkuchen mit Schlagsahne über das politische Schicksal Helmut Schmidts unterhielt, bis zu diesem Sonntag. Er hat die FDP nach elf Jahren wieder zurück in die Regierung geführt – mit dem besten Ergebnis in der Parteigeschichte und mit dem Wunschpartner Union. Viele haben ihm das lange Zeit nicht zugetraut – einer von ihnen war Genscher.

Auf dem Teppich bleiben, nicht abheben, Verantwortung übernehmen – diese Worte richtete Westerwelle am Wahlabend immer wieder an seine Partei und er wird sie nun ebenso an seine fast einhundert Mitglieder starke Bundestagsfraktion richten. Es handelte sich aber auch um ein mahnendes Selbstgespräch. Die Ernsthaftigkeit, die er sich in den vergangenen Jahren als Oppositionsführer erarbeitet hat, solle nun bloß nicht in der Stunde des großen Triumphes verspielt werden.

Revitalisierung einer alten Freundschaft

Er hatte in den ersten Jahren nach Übernahme des Parteivorsitzes 2001 sein Lehrgeld zahlen müssen. Nun ist er angekommen. Westerwelle wird im Oktober als Außenminister und Vizekanzler der Bundesrepublik vereidigt werden und hat damit die Chance, in die Reihe der „Denkmäler der FDP“ (Westerwelle) aufgenommen zu werden.

Vorher wird er Koalitionsverhandlungen führen müssen – mit Angela Merkel und Horst Seehofer. Mit der CDU-Vorsitzenden verbindet ihn eine alte Freundschaft, die zuletzt ein wenig gelitten hat und nun zur Revitalisierung womöglich einer abermaligen Cabrio-Fahrt durch die Herbstsonne der Hauptstadt bedarf. Schwieriger wird es mit dem CSU-Vorsitzenden, dessen Partei am Sonntag Verluste hinnehmen musste.

Außenminister Westerwelle – morgens Berlin, mittags Brüssel, abends Jerusalem; Verhandlungen über eine gemeinsame europäische Außenpolitik, das iranische Atomprogramm und über den Krieg in Afghanistan, den auch Westerwelle künftig einen militärischen Friedenseinsatz zu nennen haben wird. Er weiß, dass es Bedenken gegen ihn gibt, unter den Diplomaten im Auswärtigen Amt, hier und da sogar in seiner eigenen Partei. Diese stammen aus der Zeit des schillernden Spaßpolitikers Guido. Sie hängen allerdings auch mit seiner Abneigung zusammen, Akten zu lesen und sich in außenpolitische Dossiers zu vertiefen. Dass Westerwelle die Parteipolitik beherrscht, hat er bewiesen. Nun muss er sich in seinem ersten Staatsamt bewähren.

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Jahrgang 1970, politischer Korrespondent in Berlin.