An guten Ratschlägen und „neuen Freunden“ wird es Philipp Rösler nicht mangeln. An seinem ersten Arbeitstag an der Friedrichstraße in Berlin warnte ihn seine Vorgängerin Ulla Schmidt vor dem großen Einfluss von Lobbyisten. Der Präsident der Freien Ärzteschaft gab seinen Hinweis diskret - als erster Arzt an der Spitze des Bundesgesundheitsministeriums kenne Rösler ja die urärztliche Maxime des Nihil nocere, nicht schaden. Wenn der 36 Jahre alte Liberale sich abschirmen möchte, weiß er das mit der ihm eigenen Verbindlichkeit zu tun, mit Schalk gepaart. Zu den Koalitionsverhandlungen kam er als Jogger mit Stöpseln im Ohr - mit der angenehmen Nebenwirkung, nicht erwünschte Fragen zu meiden. Nach seinem von ihm weder erwarteten noch angestrebten Wechsel aus Hannover - dort war er erst seit Februar Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident - kommt der Schnelldenker mit seiner neuen Welt mit der für ihn typischen Mischung von Schüchternheit, Verspieltheit und keckem Wort zurecht.
Mehr als andere Glückwünsche mag ihn ein unerwarteter gefreut haben: Am Ende des Sonderparteitages der FDP am Sonntag - dort bedachten die Delegierten ihn als Einzigen mit „stehendem Beifall“ - kam ein afrikanischer Kellner auf ihn zu und sagte, er sei stolz, dass es nun „einer von uns“ so weit geschafft habe. Afrikaner ist Rösler zwar nicht - wiewohl er an diesem Sonntag die Zelle seines politischen Vorbildes Nelson Mandela auf der Robbeninsel vor Kapstadt zum Auftakt einer Südafrika-Reise besuchen wollte. Ein Gespür für Integrationsnöte von Ausländern, für Minderheiten und für Fürsorge hat das Mitglied des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken indes.
Flinkes Wort, rascher Aufstieg
Er wurde als Kleinkind adoptiert, aus einem katholischen Waisenhaus nahe Saigon, und hat das seinem Vater und Vorbild, einem Berufsoffizier, gedankt. Neben seiner Jugend - stets war er der Jüngste, auch im Bundespräsidium der FDP und im Bundesrat -, seinem flinken Wort und seinem raschen Aufstieg ist dies „exotische Element“ ein Grund, warum viele ihn am Start einer Beliebtheitswelle sehen. Dass Wellen auch nach unten führen, weiß der Vater von Zwillingstöchtern.
Jonglieren und Brückenbauen kennt Rösler in seiner Gedankenwelt. Viele sehen ihn als neoliberalen Vordenker. Zugleich verwies er aber deutlicher und früher als andere in der FDP darauf, dass seine Partei bei aller Betonung der Eigenverantwortung auf Sympathie setzen müsse und auf Hilfe für Schwache. Als er eine Fortschreibung des Parteiprogramms anregte, hielt sein Parteivorsitzender Westerwelle ihn zurück. Anfangs sah er Rösler eher als Rivalen der nächsten Generation, nun aber als Verbündeten, der jenen Glanz, den er laut dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff (CDU) ins Kabinett an der Leine gebracht hatte, überregional mitbringt. Die Erwartungen an den neuen Bundesgesundheitsminister sind groß, aber auch die Fallstricke in einem Ressort, das als das schwierigste und als Schleudersitz gilt. Schon daher hütet der Jungstar der Bundespolitik seine Wurzeln - seine Familie bleibt im nahen Hannover.
Wie wissen Sie es, Herr Dufner?!
Sophia Orti (rum)
- 30.10.2009, 09:11 Uhr
@Dufner von den Apothekern hat er sich schon "über den Tisch ziehen" lassen
Paul Rabe (heidelpaul)
- 30.10.2009, 10:28 Uhr
@Dufner
Sophia Orti (rum)
- 31.10.2009, 06:19 Uhr
