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Die Parteien im Miniatur-Wunderland Modellbauer als Guerilleros

 ·  Jetzt dürfen die politischen Parteien im Miniatur-Wunderland ihre Visionen darstellen. Beinahe wären ihnen die Modellbauer dazwischen gekommen. Die setzten der FDP einen Finanzhai in die Rabatten und machten der Linken ihr Sauberimage kaputt.

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Die Idee wurde im Hamburger „Miniatur-Wunderland“ nach der Europawahl geboren. Wenn so wenige Leute zur Wahl gehen, müssen wir etwas gegen Wahlmüdigkeit tun, sagten sich Sebastian Drechsler, Stefan Heinrichs und Frederik Braun, die Betreiber des „Wunderlands“ in der Speicherstadt. Sie stellten den im Bundestag vertreten Parteien jeweils einen Quadratmeter Fläche zur Verfügung, um darauf ihr spezielles Wunderland, ihr Utopia, zu entwerfen. Fünf Mails schickten die Hamburger an die im Bundestag vertretenen Parteien los. Sechs Antworten bekamen sie, denn die CSU wollte unbedingt mit dabei sein.

Beim „Wunderland“ sah man die Gefahr: Da alle Parteien ein modernes Deutschland wollen, könnten sich am Ende die Dioramen gleichen. Sie tun es aber nicht. Jede Partei fand nicht nur ihren Stil. Die Parteien konnten auch erleben, wie es ist, wenn ihre Ideen auf das Wahlvolk treffen, in diesem Fall die Modellbauer aus dem „Wunderland“. Die Modellbauer sind es gewohnt, ihre eigene Wirklichkeit zu bauen und lassen sich ungern etwas vorschreiben. Bei den Parteien aber war alles genau geplant. Da konnten die Miniaturbauer nur ein bisschen nach der Guerillataktik verfahren.

Modellbauer mit Mogelmethoden

Die Linkspartei etwa zeigt auf ihrem Diorama einen großen Demonstrationszug, der friedlich abläuft, aber doch von zwei Polizeihundertschaften bewacht wird. Die Modellbauer mogelte Steine werfende Jugendliche mit hinein und Demonstranten mit erhobenen Fäusten. Die Linkspartei merkte es, die Figuren verschwanden. Allerdings verfuhren die Genossen nach einer ähnlichen Mogelmethode, als sie zur Eröffnung am Mittwoch vor laufenden Fernsehkameras ihren Hamburger Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl, Jan von Aken, eine Fahne schwenkend, an die Spitze des Demonstrationszuges setzten.

Modellbauer als Guerilleros im Miniatur-Wunderland

Ähnlich wachsam musste die FDP sein. Der Finanzhai tauchte mehrmals unabgesprochen auf „Kalles Fischbude“ am Platz der Freiheit auf. Und einen Champagnerbrunnen hatten die Hamburger auch mitten in die liberale Welt gesetzt. Gerhard Lauscher, der Leiter der Modellbauer im „Wunderland“, übernahm die FDP am Ende selbst, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. Enttäuscht wurde FDP jedoch durch einen anderen Umstand. Am Ende ihrer Welt steht ein Schild: „Sie verlassen den demokratischen Sektor.“ Und dort sollte dann das Diorama der Linkspartei folgen. Bei der Präsentation standen aber CDU und FDP dicht beieinander.

Mit den Farben ist es genau umgekehrt

Die größten Schwierigkeiten hatten die hanseatischen Modellbauer erwartungsgemäß mit der CSU, die eine bayerische Welt unterm Brandenburger Tor mit Bavaria drauf in Berlin inszeniert hat. Das große Bierzelt in Blau-Weiß war schon gebaut, da stellten die Bayern fest: Mit den Farben ist es genau umgekehrt. Und auch der Biergarten war nicht ganz stimmig, die Trachten ungenau, und Sudentendeutsche fehlten zunächst ganz. Auch das wurde alles repariert, so dass Dorothee Bär, die stellvertretende CSU-Generalsekretärin, laut lachen musste, als sie die heile Welt der CSU vor ein paar Tagen erstmals sah.

Die Wahlkampf-Dioramen sind nun im „Wunderland“ zu sehen. Es gibt ein erklärendes Beiheft. Im Internet erläutern Ronald Pofalla für die CDU, Kajo Wasserhövel für die SPD, Gregor Gysi für die Linkspartei, Dirk Niebel für die FDP, Krista Sager für die Grünen und Horst Seehofer für die CSU ihre Welten in einem Blog.

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Jahrgang 1958, politischer Korrespondent für Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.

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