27.09.2009 · Mit der FDP in München und in Berlin zu regieren werde das koalitionäre Kompromissgeschäft erleichtern, lautete ein freudiges Fazit des Wahlabends aus Sicht der CSU - ein Fazit, über das sich aber vor allem für Seehofer ein fast übermächtiger Schatten legte. Für die CSU ist das Ergebnis ein Debakel.
Von Albert Schäffer, MünchenIn der Kunst, gleichzeitig zu jauchzen und zu klagen, haben sich die CSU-Anhänger üben müssen, die sich am Wahlabend in der Hanns-Seidel-Stiftung versammelt hatten. Sie konnten sich nach den Hochrechnungen darauf einstellen, dass die gespaltene Farbenlehre, mit der die CSU seit einem Jahr zurechtkommen muss - in München mit der FDP, in Berlin mit der SPD zu regieren -, der Vergangenheit angehört. Mit der FDP in München und in Berlin zu regieren werde das koalitionäre Kompromissgeschäft erleichtern, lautete ein freudiges Fazit des Wahlabends aus Sicht der CSU - ein Fazit, über das sich aber ein großer, ein fast übermächtiger Schatten legte.
Dass die CSU in Bayern nach den Hochrechnungen weit entfernt von ihren lange gewohnten Ergebnissen blieb, verschlug vielen in der Seidel-Stiftung die Sprache. Mit jeder Hochrechnung, die für die CSU ein Ergebnis knapp über der Vierzig-Prozent-Marke auswies, wurde die Befürchtung Gewissheit, dass die Partei ihre einstige Stärke noch lange nicht wiedergewonnen hat. Das schlechteste Ergebnis seit 1953 - dafür fand der frühere CSU-Vorsitzende Huber nur ein Wort: „Desaster.“
Erstmals führte die CSU eine Zweitstimmenkampagne
Generalsekretär Dobrindt wählte pflichtgemäß eine andere Interpretation. Er sprach von einem „Stimmensplitting“ zwischen der CSU und der FDP im bürgerlichen Lager, einer Aufteilung der Erst- und Zweitstimmen - und ganz fernliegend war diese Diagnose nicht angesichts der Hochrechnungen, die der FDP in Bayern rund fünfzehn Prozent zuwiesen - in einem Land, in dem sie über lange Jahre marginalisiert gewesen war.
Die Angst, dass sich das Schicksal, in der großen Koalition der kleinste Partner zu sein, auch unter schwarz-gelben Vorzeichen fortsetzen könnte, hatte zu einer Novität im CSU-Wahlkampf geführt: Erstmals in ihrer Geschichte führte die CSU eine Zweitstimmenkampagne, die sich vor allem gegen die FDP richtete. In der Partei war diese Strategie, die gepaart mit allerlei Unfreundlichkeiten gegen den Münchner Regierungspartner war, nicht unumstritten. Doch der Parteivorsitzende und bayerische Ministerpräsident Seehofer hatte erst auf der letzten Wegstrecke einen Kontrapunkt zu diesem Konfrontationskurs gesetzt, indem er im Hundert-Tage-Programm seiner Partei herausstellte, was nur in einem Bündnis mit der FDP zu verwirklichen sei.
Seehofer war einer der großen Verlierer dieses Wahlabends. Er hatte im Wahlkampf zwar sorgsam die Festlegung auf ein prozentuales Ziel vermieden - im vergangenen Jahr vor der Landtagswahl, als er noch in der zweiten Reihe stand, hatte das noch zu seinen Lieblingsbeschäftigungen gehört. In diesem Jahr hatte er sich an ein eisernes Mantra gehalten: „Ich führe keine Prozentdiskussionen.“ Doch selbstverständlich hatte in den CSU-Führungszirkeln die Erwartung geherrscht, ein Ergebnis zu erreichen, das deutlich über den für die erfolgsgewohnte Partei demütigenden 43,4 Prozent der Landtagswahl liegen sollte - so unterschiedlich Wahlgänge im Bund und im Land auch sind. Nach und nach brach sich am Wahlabend in der Seidel-Stiftung die bittere Erkenntnis Bahn, dass die Dominanz der CSU in Bayern gebrochen ist.
Mit dem Wahlausgang stand in der CSU aber auch eines fest: Nach den personellen Turbulenzen der vergangenen Jahre stellt sich die Partei auf eine längere Periode mit ihrem Vorsitzenden und Ministerpräsidenten Seehofer ein - trotz des Wahldebakels. Mit einem Seehofer freilich, der sich am Wahlabend sichtlich angeschlagen präsentierte. Nicht nur, dass er, der sonst die freie Rede liebt, bei der Kommentierung des Wahlergebnisses immer wieder auf den vorbereiteten Sprechzettel blicken musste. Er bot auch das Schauspiel einer Wort-Bild-Schere: „Höchst erfreulich“ seien die Koalitionsperspektiven - das sagte er mit dem gleichen bitteren Mienenspiel, mit dem er von einem „insgesamt enttäuschenden“ Abschneiden seiner Partei sprach.
Die CSU nähert sich in Politikqualität und Wahlergebnis der CDU an
Horst Trummler (Vandale6906)
- 28.09.2009, 01:19 Uhr
Selber schuld
Marvin Parsons (mapar)
- 28.09.2009, 03:24 Uhr
Dunkle Schatten können sehr lang sein
Wolfgang G. Runte (Wolluc)
- 28.09.2009, 07:34 Uhr
CSU bei 6 %
Ralf Schneider (ralf61)
- 28.09.2009, 09:18 Uhr
Die Wählerquittung .....
Bernd Sauter (besa)
- 28.09.2009, 10:34 Uhr