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Angela Merkel Abwrackprämie statt Weltbühne

 ·  Als Gastgeberin stand die Kanzlerin in Baden-Baden am Freitagabend im Mittelpunkt. Ihr politisches Schicksal entscheidet sich aber nicht auf der Weltbühne. Auch Angela Merkel weiß: Pendlerpauschale oder Abwrackprämie berühren die Bürger mehr als Gipfelbeschlüsse.

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Die große weite Welt ist der Lieblingsarbeitsplatz der Bundeskanzlerin Merkel. Es schmeichelt ihr, wenn beim Gipfelessen der zwanzig wichtigsten Staats- und Regierungschefs der amerikanische Präsident ihr zur Linken und der japanische Ministerpräsident ihr zur Rechten plaziert werden. Dass diese Aufmerksamkeit zur Hälfte ihrem Land geschuldet ist, versteht sich von selbst, aber die andere Hälfte ist ihrer Person zuzuschreiben - und welche Dame genießt solche Beachtung nicht?

Am Freitagabend in Baden-Baden stand sie gar als Gastgeberin im Mittelpunkt der Honneurs. Wenn zu Recht vermutet wird, dass trotz der Häufigkeit von Gipfelaufnahmen die Fernsehbilder der umworbenen und Deutschland ebenso charmant wie zielsicher repräsentierenden Bundeskanzlerin nachhaltigen Eindruck auf die Bürger machen, dann darf zu Recht vermutet werden, dass die Hauptdarstellerin selbst ebenso nachhaltig von ihren Erlebnissen inmitten der Großen beeindruckt sei.

Wählerstimmen für Gipfelerfolge?

Ob sich aber ihr politisches Schicksal tatsächlich auf der Weltbühne entscheidet, ist mehr als fraglich. Zwar haben die höchsten Außenpolitiker der Bundesrepublik sich stets großer Beliebtheit erfreut - Bundeskanzler Brandt und Außenminister Scheel, die Kanzler Schmidt und Kohl mit ihrem Minister Genscher, Kanzler Schröder und Minister Fischer -, aber die Gegenwart gibt doch zu denken: Wenn Außenminister Steinmeier seine rege Tätigkeit als Spitzendiplomat nicht in Zustimmungsquoten für seine SPD umsetzen kann, was gibt dann die Gewissheit, dass die Kanzlerin ihre Gipfelerfolge punktgenau in Wählerstimmen für die CDU umzumünzen vermag?

Angela Merkel hat in bald zwanzig Jahren der Zugehörigkeit zur Bundesrepublik verinnerlicht, dass ihre Wahlen nicht in den Weltmetropolen, sondern in der deutschen Provinz entschieden werden. Daher legt sie Wert darauf, dass ihre Ausflüge in die internationale Politik eingerahmt werden von Bildern des kraftvollen Regierens zu Hause. Der gerade wegen seiner Waghalsigkeit unvergessliche Auftritt als Garantin der deutschen Spareinlagen im Oktober oder die Rede vor den Opel-Mitarbeitern in dieser Woche sind für die Bundestagswahl wichtiger als die flüchtigen Szenen aus dem globalen Zirkus.

Der Alltag heißt Abrwrackprämie

Es kommt der Dauerwahlkämpferin Merkel zupass, dass ihr politischer Aufstieg innenpolitisch fundiert ist. Als sie 1990 im Alter von nicht einmal 36 Jahren Ministerin für Frauen und Jugend und vier Jahre danach Umweltministerin wurde, hatte sie sich mit dem zu befassen, was die Leute in ihrem Alltag umtreibt.

Davon ist einiges übrig geblieben, auch wenn sie in ihren ersten Jahren als CDU-Vorsitzende mehr dem nachging, was die deutsche Wissenschafts- und Wirtschaftselite für sinnvoll erachtete. Doch seit dem Unfall mit der Pendlerpauschale weiß die Kanzlerin, dass eine Klarstellung im Disput über die Abwrackprämie mehr Bürger berühren wird als die Gipfelbeschlüsse der G 20 und der Nato.

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