20.09.2009 · SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier erreicht weniger Zustimmung als seine Partei, geschweige denn als das Spektrum, das er für eine Regierungsmehrheit bräuchte. Kanzlerin Merkel (CDU) hingegen bekommt mehr Zustimmung als die Union, fast so als stünde bereits eine Koalition hinter ihr.
Das Institut für Demoskopie Allensbach hat in diesem Jahr bei der Frage nach der Kanzlerpräferenz noch kein einziges Mal eine der exorbitanten Zahlen für die Bundeskanzlerin gemessen wie sie aus anderen Quellen berichtet wurden. Bei Allensbach war der Unterschied zwischen Angela Merkel und ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier seit Januar nie größer als 33 Prozentpunkte. Der Abstand zwischen den beiden Spitzenpolitikern wurde jedoch auch nie kleiner als 19 Prozentpunkte.
Dies ließ sich lange mit dem Umstand erklären, dass ein Vizekanzler es schwer hat, als der bessere Kanzler zu erscheinen, zumindest solange der Zweite Mann nicht viel jünger und dynamischer aussieht und nicht eindrucksvoller herumwirbelt als die Erste Frau im Staate. Um den unmittelbaren Vergleich zu verhindern, hat die Bundeskanzlerin nach Möglichkeit gemeinsame Auftritte mit ihrem Stellvertreter gemieden; Szenen wie früher mit dem damaligen Vizekanzler Müntefering kamen mit Steinmeier seit seiner Kanzlerkandidatur nicht mehr vor - bis zum 13. September abends, dem Zeitpunkt des Duells der Kanzlerkandidaten in den vier großen Programmen.
Durch das Fernsehduell konnte Steinmeier nichts bewegen
Steinmeier stand da gleichberechtigt neben seiner Kabinettschefin, sie redeten aus je eigenem Recht, waren auf gleicher Augenhöhe. Wann wenn nicht dann hatte der SPD-Kanzlerkandidat die Möglichkeit, seine Vorteile auszuspielen, seine Überlegenheit zu zeigen, seine größere Eignung für das Amt zu beweisen. Seine Helfer gaben sich nach der Sendung alle Mühe zu behaupten, dass dies alles geschehen sei.
Doch die Umfrage des Instituts für Demoskopie, die nicht allein den unmittelbaren Eindruck des Sonntagabends erfasste, sondern erst vier Tage später, am 17. September abgeschlossen wurde, belegt, dass sich zugunsten des Herausforderers nichts bewegt hat: wie im vorherigen Zeitraum sehen nur 18 Prozent der Bürger in ihm den geeigneteren Kanzler. Die Amtsinhaberin aber hat sogar noch zwei Prozentpunkte zugelegt. Der Abstand beträgt wieder 29 Punkte.
Fazit: Der SPD-Kanzlerkandidat erreicht weniger Zustimmung als seine Partei, geschweige denn als das Spektrum, das er für eine Regierungsmehrheit bräuchte. Die CDU-Kanzlerin hingegen bekommt mehr Zustimmung als die Union, fast so als stünde bereits eine Koalition hinter ihr.
Zahlenspiele zugunsten der Macht
Ulf Steinvorth (DerGurkenkoenig)
- 21.09.2009, 21:57 Uhr