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Bundespräsidentenwahl im Fernsehen Wo ist Lammert?

24.05.2009 ·  „Spannend“ wird es vor der Bundesversammlung, zur Eröffnung, beim Beginn des Wahlgangs, vor, während und nach der Auszählung - und als Horst Köhler wiedergewählt ist, folgt die spannende Frage, was das nun für die Bundestagswahl bedeute. Live-Fernsehen ist seiner Zeit stets voraus.

Von Stefan Niggemeier
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Es muss eine Zeit gegeben haben, in der das Aufregende an Live-Fernsehen war, dass man sehen konnte, was gerade passiert. Aber früher war man ja auch mit Schwarzweiß zufrieden. Das moderne Live-Fernsehen begnügt sich selbstverständlich nicht mit Gleichzeitigkeit, sondern ist seiner Zeit immer voraus. Es fragt ohne Pause: Was wird gleich passieren? Und was dann? Und was, wenn nicht? Es ist vollauf damit beschäftigt, Prognosen anzustellen und Hellseher zu sein. Die Gegenwart schlüpft nur in Form des Wortes „spannend“ in die Berichterstattung.

„Spannend“ wird es vor der Bundesversammlung, zur Eröffnung, beim Beginn des Wahlgangs, vor, während und nach der Auszählung - und als Horst Köhler wiedergewählt ist, wird es spannend, was das nun für die Bundestagswahl bedeute. „Wie stark ist die Spannung angestiegen“, fragen die N24-Moderatoren zwischendurch ihren Korrespondenten vor Ort. ZDF-Mann Peter Hahne erklärt, es gebe mehrere Möglichkeiten: Entweder gewönne Köhler mit großem Abstand, oder es werde spannend. Vor dem Brandenburger Tor stehen Reporter und erklären vor versprengten Grüppchen sehr entspannt wirkender Menschen, dass man die Spannung förmlich fühle.

Es wäre so reizvoll gewesen, einfach zu sehen, wie die Politiker und Prominenten in dieser ungewohnten Runde zusammenstehen, die Körpersprache von Klaus Wowereit zu lesen, der eng neben Gregor Gysi sitzt, über die schwungvolle Art zu staunen, wie man einen Stimmzettel in eine Urne befördern kann, wenn man Claudia Roth ist, Wolfgang Tiefensee zu beobachten, der mit aufgesetztem Lächeln durch die Grüppchen geht, als wollte er überspielen, dass keiner mit ihm zusammenstehen wollte, und den Worten von Norbert Lammert nachzulauschen, der dem Wahlvolk zuruft: „Nach meiner Kenntnis der Räumlichkeiten empfiehlt es sich, nicht allzu tief in den Tiergarten vorzudringen.“ Stattdessen muss man sehen, wie einer nach dem anderen aufgefordert wird, eine Stunde in die Zukunft zu blicken - außer natürlich auf den Nachrichtensendern, die ihre Kernkompetenz ausspielen und während der Abstimmung die Reportagen „Die Sperrmüllprofis - Schatzsuche am Straßenrand“ (N24) und „Geblitzt, notiert und abkassiert“ (n-tv) zeigen.

Doch dann! Wo ist Norbert Lammert? Er hätte längst im Plenarsaal zurück sein sollen! Bei ARD und ZDF sieht man ihn vor dem Eingang stehen und auf Horst Köhler warten, aber das hat natürlich keiner dem n-tv-Experten Heiner Bremer gesagt. „Der Herr Lammert gilt eigentlich als sehr pünktlicher Bundestagspräsident“, redet er und fügt hinzu, dass es „keine plausible Erklärung“ dafür gebe, warum er noch nicht im Saal sei. Außer der, dass Lammert es noch einmal spannend machen wollte, natürlich.

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