19.08.2009 · Dass ein Wahlkampf weder von den Parteien genutzt wird, um sich neu zu profilieren, noch von den Bürgern in Anspruch genommen wird, die bisher vereinten Regierungspartner getrennt zur Rede zu stellen, ist in der Geschichte der Bundesrepublik ziemlich neu. Die von der Politik verabreichte Krisenmedizin wirkt.
Von Georg Paul HeftyDass eine große Koalition die Gegensätze in Parlament und Regierung, sogar in den beteiligten Parteizentralen bis auf ein Restprofil abhobelt, ist der gegenwärtigen oft genug vorgeworfen worden. Dass die Bürger den Streit innerhalb einer Partei wie zwischen den Parteien nicht mögen, war gleichfalls bekannt. Dass aber ein Wahlkampf weder von den Parteien genutzt wird, um sich neu zu profilieren, noch von den Bürgern in Anspruch genommen wird, die bisher vereinten Regierungspartner getrennt zur Rede zu stellen, ist in der Geschichte der Bundesrepublik ziemlich neu.
Noch dazu findet dieser Wahlkampf - wie Optimisten unermüdlich bekräftigen - in der Talsohle der größten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit statt. Gibt es da nichts zu fragen, weder rückblickend noch vorausblickend? Oder trauen die Bürger den Politikern keine bemerkenswerten Antworten zu?
Weiter wie bisher
Laut herrscht im Land keineswegs Krisenstimmung. Nur jeder Vierte befürchtet, dass ihn persönlich die Krise erwischen könnte. Das ist eine große Leistung der Politik. Die von ihr verabreichte Medizin - Kurzarbeitergeld, Abwrackprämie - wirkt termingenau. Doch nach dem Wahltag drohen viele Arbeitnehmer von der Wirklichkeit eingeholt zu werden. Jene an den Fließbändern und Fräsmaschinen ahnen es, fürchten es; jene in den besseren Jobs kümmert es weniger, sie halten sich und ihre Arbeit für krisenfest. Die Umfrage lässt vermuten, sie gingen in die Zukunft mit der Gewissheit: Weiter wie bisher.
Doch zwei Daten machen stutzig: Vierzig Prozent trauen der Bundeskanzlerin die Bewältigung der Krise zu, aber 36 Prozent weder ihr noch ihrem Herausforderer. Da öffnet sich ein weites Feld für das Wirtschaftswunderkind Guttenberg. Der Neuling, der erst nach den wesentlichen Beschlüssen zur Krisenbewältigung in Erscheinung trat, bekommt von den politisch Interessierten noch höhere Anerkennung als von der Bevölkerung insgesamt. Hat sich Frau Merkel mit dem langen Weg von der Wirtschaftsliberalen („Neue Soziale Marktwirtschaft“) zur Staatsinterventionistin eingeprägt, so scheint Guttenbergs Skeptizismus gegenüber Staatseingriffen geradezu vom Geiste Erhards beseelt zu sein. Und bei dessen Sozialer Marktwirtschaft ohne Zusätze haben sich die Deutschen stets gut aufgehoben gefühlt.
Vielleicht ein Irrtum!
Dirk Kampschäfer (dk26)
- 19.08.2009, 09:37 Uhr
Die Agonie der BRD
Peter Kronenberger (Peter-Kronenberger)
- 19.08.2009, 10:20 Uhr
"Skeptizismus gegenüber Staatseingriffen"
Fritz Müller (stundmanmike221)
- 19.08.2009, 11:40 Uhr
Apathie....
Lutz von Peter (LutzBrux)
- 19.08.2009, 12:13 Uhr
Wahlkampf ohne Fragen
Christian Roigk (Dubai1)
- 19.08.2009, 12:16 Uhr
Georg Paul Hefty Jahrgang 1947, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Zeitgeschehen“.
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