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Sylvia Löhrmann Grüne Genießerin

10.05.2010 ·  Die NRW-Spitzenkandidatin der Grünen hat keine Berührungsängste mit der CDU: Anders als manche ihrer linken Parteifreunde hätte sich Sylvia Löhrmann auch ein Bündnis mit der Union vorstellen können, wenn es dafür am Sonntag eine Mehrheit gegeben hätte - ein ausgesprochen pragmatischer Politikansatz.

Von Reiner Burger
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Sylvia Löhrmann will Bildungsministerin in Nordrhein-Westfalen werden, daraus hat sie nie ein Geheimnis gemacht. Beharrlich beackert die 1957 in Essen geborene Politikerin die Schulpolitik. Ihr haben es die Grünen zu verdanken, dass sie heute nicht mehr nur als Öko-, sondern auch als Bildungspartei wahrgenommen werden. Auch mit Hilfe des großflächig plakatierten Themas Bildung errangen die Grünen bei der Landtagswahl am Sonntag mit ihrer Spitzenkandidatin Löhrmann 12,1 Prozent der Stimmen. Frau Löhrmann ist damit die große Siegerin der Wahl.

Sich mit dem Thema Bildung zu befassen lag für die Grüne nahe. Nach dem Abitur am katholischen Mädchengymnasium Beatae Mariae Virginis in Essen studierte sie von 1975 bis 1981 in Bochum Englisch und Deutsch. Nach ihrer Referendarzeit in Duisburg bekam Frau Löhrmann 1984 eine Stelle als Gesamtschullehrerin in Solingen. Ihre politische Karriere begann sie 1989 in der Solinger Kommunalpolitik. 1995 zog sie in den Landtag ein und erlebte die höchst angespannte Atmosphäre in der Koalition mit der SPD in wechselnden Funktionen: Als Parlamentarische Geschäftsführerin der Landtagsfraktion und Fraktionssprecherin und schließlich Fraktionsvorsitzende geriet sie mit Sozialdemokraten wie Mathiesen oder Clement aneinander.

Größtmöglicher kommunaler und regionaler Konsens

Während sich die grünen Minister Höhn und Vesper nach der Abwahl von Rot-Grün im Mai 2005 aus der Landespolitik verabschiedeten, blieb Frau Löhrmann Fraktionsvorsitzende und hatte keine Berührungsängste mit der CDU. Einen ausgesprochen unbefangenen Umgang pflegte sie mit Ministerpräsident Rüttgers. Dann und wann traf man sich im kleinen Kreis bei gepflegtem Essen und gutem Wein. Sylvia Löhrmann, die mit ihrem Lebenspartner in Solingen lebt, ist keine grüne Genuss-Verächterin.

Anders als manche ihrer linken Parteifreunde hätte sich die gläubige Katholikin, die dem Kuratorium der Jugendstiftung „hilfreich, edel und gut“ des Bundes der Katholischen Jugend (BDKJ) angehört, auch ein Bündnis mit der Union vorstellen können, wenn es dafür am Sonntag eine Mehrheit gegeben hätte. Sie steht für einen ausgesprochen pragmatischen Politikansatz. Zwar streitet die 1957 geborene Frau Löhrmann für längeres gemeinsames Lernen. Aber von oben verordnet soll den Eltern und Schülern die Gemeinschaftsschule nicht werden. Einen Schulkrieg wie in Hamburg will sie vermeiden. Ziel sei es zwar, einen klaren landespolitischen Rahmen zu schaffen. Entschieden werden müsse aber in größtmöglichem kommunalen und regionalen Konsens, sagt sie.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Realo-Grüne Löhrmann nur dann eine Chance hat, Bildungsministerin des einwohnerstärksten Landes zu werden, wenn ihre Partei an der Seite der SPD ein Bündnis mit der in Nordrhein-Westfalen ultralinken, antikirchlichen Linken eingeht. Denn nach dem Willen der Linkspartei sollen umgehend alle Haupt-, Real- und Förderschulen sowie Gymnasien abgeschafft werden.

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Jahrgang 1969, politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

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