06.08.2010 · Viele in der nordrhein-westfälischen CDU wünschen sich, dass ihr neuer Vorsitzender aus der Landespolitik kommt, nicht aus Berlin. Dafür bündeln drei Männer ihre Kräfte: Karl-Josef Laumann, Armin Laschet und Andreas Krautscheid. Ihr Gegner ist Bundesumweltminister Norbert Röttgen.
Von Reiner Burger, DüsseldorfAndreas Krautscheid setzt am Freitag sein erstes Zeichen schon, bevor er das erste Wort sagt. In sandfarbenem Sommeranzug und ohne Krawatte erscheint der Generalsekretär der nordrhein-westfälischen CDU am Freitagmorgen im Landtags in Düsseldorf betont locker. Seine Parteifreunde Armin Laschet und Karl-Josef Laumann haben dunklen Zwirn gewählt und auch auf den Binder nicht verzichtet für die Pressekonferenz, auf der sie das mitteilen wollen, was sie die „Landeslösung“ nennen. Alle drei wünschen sich, dass der Rüttgers-Nachfolger im Amt des CDU-Landesvorsitzenden aus der Landespolitik kommt.
Es ist ein Pakt „drei gegen einen“. Denn auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen hat Interesse an dem Posten. Und nun rechnen sich Laumann, Laschet und Krautscheid bessere Chancen für ihre „Landeslösung“ aus, wenn sie ihre Kräfte bündeln. Krautscheid, der vor ein paar Wochen schon nicht zur Wahl des CDU-Fraktionsvorsitzenden angetreten ist, stellt auch diesmal eigene Ambitionen zurück. Noch am Donnerstagmorgen hatte Krautscheid seinen Parteifreund Laschet mit einem Interview in der „Bild“-Zeitung verunsichert. Und in der Deutschland-Ausgabe der Boulevard-Zeitung war ein Artikel unter der Schlagzeile „Wird Krautscheid der neue starke Mann der CDU im Westen?“ erschienen.
Rüttgers war nicht an der Entscheidung beteiligt
Bis spät in den Donnerstagabend hinein hat Krautscheid dann mit Laschet verhandelt. Schließlich waren sich die beiden einig: Laschet kandidiert. Und im Erfolgsfall bleibt Krautscheid sein Generalsekretär. Vor ein paar Wochen erst unterlag der frühere Integrationsminister Laschet nur knapp dem früheren Sozialminister Laumann im Ringen um den Fraktionsvorsitz. Damals war viel davon die Rede, Laumann sei der Wunschkandidat des am 9. Mai abgewählten Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers. Unbedingt wolle dieser Laschet verhindern. Nun aber macht sich Laumann für Laschet stark. Den amtierenden Parteivorsitzenden, der derzeit im Frankreich-Urlaub weilt, haben die drei nur noch über ihr Verhandlungsergebnis informiert; eingebunden war Rüttgers nicht mehr in den Entscheidungsprozess.
Bevor die drei Spitzenleute der des größten CDU-Landesverbandes in Deutschland jedoch ihre eigentliche Nachricht verkünden, sprechen sie freilich erst einmal ausführlich über die rot-grüne Minderheitsregierung. Kaum sei Rot-Grün im Amt, streite sich das Bündnis schon wieder wie vor 2005, ätzt etwa Laumann. Der Fraktionsvorsitzende verweist auf das Kohlekraftwerk Datteln, das die Grünen nicht fertig bauen, sondern wieder abreißen lassen wollen, während die SPD sich im Wahlkampf stets für das Vorhaben einsetzte. Ob Rot-Grün fünf Monate oder fünf Jahre halte, könne niemand wissen.
Laschet will nun alle 54 Kreisverbände bereisen
„Deshalb ist es wichtig, dass die CDU die Oppositionsrolle hat und ganz schnell personell wie inhaltlich eine gute Alternative ist.“ Das bedeutet nach Einschätzung von Krautscheid in den kommenden Wochen viel Arbeit, die zwischen „Herford und Heinsberg“ geleistet werden müsse. „Unser Projekt heißt, die CDU wieder an die Macht zu bringen.“ Und Laschet sagt, die CDU müsse auch organisatorisch sehr schnell wieder in die Lage versetzt werden, wieder Wahlen zu gewinnen. In Anspielung auf parteiinterne E-Mail-Intrigen fügt Laschet lächelnd hinzu, die Landesgeschäftsstelle solle künftig den Wahlkampf unterstützen, statt ihn zu behindern. Noch am Freitag wollte Kandidat Laschet damit beginnen, nach und nach alle 54 Kreisverbände der Partei zu bereisen.
Laschet, Krautscheid und Laumann beteuern am Freitag, dass sie auch menschlich gut miteinander auskommen. Aktuell schweißt sie freilich besonders die Überzeugung zusammen, dass die personelle Erneuerung der Landes-CDU „aus dem Blick der Landespolitik“ geschehen müsse, wie Laumann formuliert. Unisono erinnern sie daran, die Landes-CDU habe schon einmal keine guten Erfahrungen mit einem Bundespolitiker an ihrer Spitze gemacht. „Norbert Blüm war der beliebteste Minister in Kohls Kabinett. Aber das hat nicht dazu beigetragen, dass die CDU in Nordhrein-Westfalen Wahlen gewonnen hätte“, meint Laschet.
Eine Vorentscheidung über die Spitzenkandidatur für die nächste, wann auch immer stattfindende Landtagswahl sehen die drei CDU-Musketiere in ihrem Pakt nicht. „Zum Zeitpunkt X soll der antreten, der die besten Chancen hat“, beteuert Laschet. Dass Laschet gerne gegen Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) herausfordern würde, steht allerdings außer Frage. Laschet ist tatendurstig. Als Integrationsminister erwarb er sich auch überregional einen so guten Ruf, dass er sich Hoffnungen machten durfte, nach der Bundestagswahl ins Bundeskabinett berufen zu werden. Die Niederlage im Ringen um den CDU-Fraktionsvorsitz im nordrhein-westfälischen Landtag hat ihn mehr geschmerzt, als er öffentlich zugeben würde.
Alle drei gehörten der Pizza-Connection an
Laschet, Röttgen und Krautscheid verbindet manches. 1994 zogen sie gemeinsam in den Bundestag ein. In Bonn gehörten sie der Pizza-Connection an, einem lockeren Gesprächskreis junger Politiker der Grünen und der CDU. Allerdings ist die einstmals enge Freundschaft zwischen Röttgen und Krautscheid mittlerweile zerbrochen. Krautscheid könnte nicht damit rechnen, unter einem Landesvorsitzenden Röttgen Generalsekretär zu bleiben. Auch das spielt bei Krautscheids Lockerheit beim Verzicht auf die eigene Kandidatur eine wichtige Rolle. Laschet und Röttgen pflegten bisher einen unkomplizierten Umgang. Am Donnerstag überraschte Laschet seinen Parteifreund Röttgen dann allerdings im Urlaub telefonisch mit der Nachricht von der Vorentscheidung am Rhein.
Sollte Röttgen bis zur Frist am 30. August seine Kandidatur bekannt geben, wird es neben acht Regionalkonferenzen auch eine Mitgliederbefragung in der CDU zwischen Rhein und Weser geben. Bisher werden Röttgen dafür wegen seiner bundespolitischen Prominenz die besseren Aussichten zugeschrieben. Doch das Düsseldorfer Triumvirat sammelt schon die Truppen für Laschet: Krautscheid bringt die Unterstützung der Jungen Union mit in das Bündnis. Und dass auch wichtige Leute aus der Landesgruppe in Berlin wie Peter Hintze, Kanzleramtsminister Ronald Pofalla und Generalsekretär Hermann Gröhe gegen Röttgen sind, ist auch kein Geheimnis.
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