14.09.2006 · Die Stimmung der deutschen Anleger ist so schlecht wie noch nie in diesem Jahr, zeigt das Investmentbarometer von JP Morgan. Dieser Index hinkt dem Markt eher hinterher, könnte aber als Kontraindikator dienen.
Die Stimmung der deutschen Anleger ist so schlecht wie noch nie in diesem Jahr: Der Anteil der Pessimisten beim Investmentbarometer von JP Morgan stieg von 11,4 Prozent im Juli auf 14,2 Prozent. Der Anteil der Optimisten lag mit 54,4 Prozent hauchdünn über dem Ergebnis vom Juni (54 Prozent), als sich die Kurskorrekturen zum ersten Mal in der Befragung widerspiegelten.
Somit hält also immer noch mehr als die Hälfte der befragten Privatinvestoren eine positive Entwicklung des deutschen Aktienmarktes im nächsten halben Jahr für wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich. Der Anteil derjenigen, die die Börsen seitwärts tendieren sehen, bleibt mit 31,6 Prozent auf fast gleichem Niveau. In Großbritannien sind die Privatanleger übrigens wesentlich skeptischer: 35,2 Prozent sind Pessimisten, nur 18,6 Prozent geben sich optimistisch.
Mittelwert gibt Gesamtstimmung im Markt an
Im Auftrag von JP Morgan befragt die GfK monatlich rund 2.000 Frauen und Männern ab 14 Jahren, die repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland sind. Die Studie erfaßt, unterteilt nach Fondsanlegern und Gesamtbevölkerung, die Einstellungen zu den Entwicklungen der Aktienmärkte und zum Investmentverhalten.
Für die Berechnung des Index werden die Antworten mit einem Faktor gewichtet (sehr wahrscheinlich: +20, wahrscheinlich: +10, weder wahrscheinlich noch unwahrscheinlich: 0, unwahrscheinlich: -10, sehr unwahrscheinlich: -20). Der Mittelwert dieser Antwortwerte soll die Gesamtstimmung im Markt widerspiegeln.
„Privatanleger zeigen sich etwas verunsichert“
„Nach mehreren turbulenten Monaten an den Börsen zeigen sich die Privatanleger nun etwas verunsichert“, sagt Jean Guido Servais, Marketing Director für den deutschsprachigen Raum bei JP Morgan Asset Management.
Im August sank analog zur Stimmung der Anleger auch der Gesamtindex: Dieser Mittelwert aus den einzelnen Antworten lag mit 4,4 um 0,4 Punkte unter dem Vormonatsergebnis und erreichte damit einen Jahrestiefstwert.
Nur jede Fünfte ist investiert
Der Anteil der Investmentbesitzer in Deutschland liegt im europäischen Vergleich sehr niedrig, schreibt JP Morgan: Lediglich 20,5 Prozent der Befragten besitzen bereits Aktien, Investmentfonds, Optionsscheine oder Rentenpapiere. Nach wie vor wird somit nur jeder Fünfte der rund 2.000 Befragten im Investmentbarometer erfaßt.
„Um ein umfassendes Stimmungsbild zu erhalten, ist somit auch ein zusätzlicher Blick auf die Gesamtbevölkerung aufschlußreich“, schreibt die Bank. Der Indexwert sank hier um 0,4 Prozentpunkte auf -1,9. Die Anzahl der Pessimisten übersteigt mit 32 Prozent nun wieder die der Optimisten (26,8 Prozent).
Als Kontraindikator geeignet?
Ein Blick auf die Entwicklung des Investmentbarometers im Vergleich zum Dax zeigt, daß sich beide Indizes streckenweise parallel entwickeln, was ja durchaus einleuchtet: Zeigen die Kurse nach oben, steigt die Stimmung.
Allerdings hinkt das Investmentbarometer der Marktentwicklung zeitlich eher hinterher, als Frühindikator taugt es daher wohl nicht. Eine These aber könnte der Index stützen: Wenn die Stimmung unter den Privatanlegern allzu optimistisch ist, sollte man sich vom Markt verabschieden. Wer im Mai, als der Index ein Hoch erreichte, seine Aktien verkauft hätte, hätte sich einige sehr schlechte Börsenwochen erspart.