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Rußland/Osteuropa „Rußlands Börse hat noch viel Raum für eine Neubewertung“

26.05.2003 ·  Wer als Anleger in Osteuropa und besonders in Rußland investiert ist, darf sich seit einiger Zeit über schöne Kursgewinne freuen. Und laut Fondsmanager Peter Elam Hakansson von East Capital soll das so weitergehen.

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Beflügelt von Fusionsphantasie im Ölsektor und interessanten Restrukturierungsstories in der Versorgerbranche ging es am russischen Aktienmarkt in den vergangenen Wochen deutlich bergauf. Aber auch andere osteuropäische Börsen schnitten zuletzt vergleichsweise gut ab.

Da zudem die Ausgangslage für eine weiterhin aufwärts gerichtete Entwicklung einen konstruktiven Eindruck hinterläßt, schien es angebracht, bei einem ausgewiesenen Experten um Rat hinsichtlich der für diese Märkte richtigen Anlagestrategie zu fragen. Wir interviewten dazu Fondsmanager Peter Elam Hakansson von der schwedischen Fondsgesellschaft East Capital.

Hakansson tummelt sich inklusive der russischen Börse in allen osteuropäischen Märkten. Und zwar erfolgreich, wie nicht zuletzt seine bisherige Jahresbilanz unterstreicht. Denn seit Jahresanfang hat es Hakansson mit dem Russian Fund auf ein Plus von 14,3 Prozent gebracht. Beim Eastern European Fund steht ein Wertzuwachs von 10,5 Prozent zu Buche und beim Baltic Funds sogar ein Anstieg von 28,9 Prozent.

Herr Hakansson, Sie waren kürzlich mit einigen Kunden in Rußland auf einem Investorentrip. Wie war die Reise?

Das, was unsere Anleger bei den Besuchen der russischen Unternehmen gesehen haben, hat sie sehr beeindruckt. Ich kann mir gut vorstellen, daß etliche der Anleger nach dieser Reise am russischen Aktienmarkt investieren werden. Viele hatten graue, alte Manager nach kommunistischer Machart erwartet, aber was sie stattdessen angetroffen haben, waren junge, dynamische Managementteams, die auch gemessen an westlichen Standards die richtigen Dinge tun.

Welche Präsentation hat sie am meisten beeindruckt?

Das war eindeutig Unified Energy Systems (UES). Der Kurs ist seitdem auch um rund 15 Prozent gestiegen. Hier gibt es Spekulationen, daß es mit der seit langem geplanten Aufspaltung des Unternehmens und der Liberalisierung des gesamten Versorgersektors nun endlich vorangeht. Hier sehe ich noch weiteres Kurspotenzial.

Ähnliches ist auch immer wieder zu Gazprom zu hören. Was halten Sie von diesem Wert?

Auch hier sieht es ganz gut aus. Auch Gazprom profitiert davon, daß derzeit alle Aktien, die sich in einem Restrukturierungsprozeß befinden, derzeit sehr stark nach oben bewegen. Wir sind hier weiter engagiert. Vielleicht ist Gazprom unter Bewertungsgesichtspunkten sogar der interessanteste Wert am russischen Aktienmarkt. Zumindest gilt diese Einschätzung für den Fall, daß die Gesellschaft in Zukunft besser gemanagt wird als in der Vergangenheit.

Sehen Sie allgemein für den zuletzt sehr gut gelaufenen russischen Aktienmarkt weiteres Aufwärtspotenzial?

Ja, auf jeden Fall. Das was jetzt passiert, ist nur eine Reaktion auf die deutlich gefallenen Renditen am Rentenmarkt. Daran gemessen hat der Aktienmarkt noch Nachholpotenzial. Dem russischen Aktienindex RTS trauten wir zum Jahresanfang in den nächsten zwei Jahren eine Kursverdoppelung zu. Nachdem der RTS inzwischen um 26 Prozent gestiegen ist, halten wir auch weiterhin an dieser Vorgabe fest. Eventuell kann es sogar noch etwas mehr werden. Es gibt hier noch viel Raum für eine Neubewertung des Marktes. Wo man auf Ebene der Einzelwerte positioniert sein sollte, sind alle Unternehmen, die eine Restrukturierung durchlaufen. Die Russen sind in Sachen Liberalisierung des Versorgersektors gezwungen, in diesem Bereich etwas zu unternehmen. Denn dieser Punkt ist einer der Voraussetzungen für die Aufnahmeverhandlungen in die Welthandelsorganisation.

Die Märkte in Lettland und Litauen sind zuletzt ebenfalls sehr gut gelaufen. Wie wird es hier weitergehen?

Die Kurse dürften auch wegen günstiger konjunktureller Entwicklungen und der liquiditätsfördernden Pensionsreformen weiter steigen, wobei mir das Potenzial in Lettland kurzfristig etwas begrenzter erscheint. Für Litauen bin ich sehr optimistisch, dort hat sich an der Börse lange Zeit nichts getan, während die Wirtschaft über Jahre hinweg einen erfolgreichen Transformationsprozeß durchlaufen hat. Das Bruttoinlandsprodukt ist dort im ersten Quartal immerhin um 9,1 Prozent gestiegen. Das ist höher als in allen anderen Ländern der Region. Unter den Einzeltiteln an der litauischen Börsen haben wir zuletzt die Kursschwäche bei Lietuvas Telekomas zum Nachkaufen genutzt. Hier bin ich weiter optimistisch und kann mir langfristigen einen Kurs von zwei Litas vorstellen (Anm. der Red.: aktuell kostet die Aktie 1,14 Litas)

Wo wittern Sie noch besonders große Kurschancen in Osteuropa?

In Kroatien. Die Aktien dort sind sehr günstig bewertet und sie haben den Renditeabstieg am kroatischen Rentenmarkt noch nicht mitgemacht. Da das Land noch nicht in der nächsten Runde der EU-Osterweiterung teilnimmt, wird es von vielen Investoren noch links liegen gelassen. Eine phantastische Gesellschaft ist beispielsweise der Pharmawert Pliva, der alleine schon durch eine Dividendenrendite von fünf und sechs Prozent glänzt. Das Land wird auch stark vom Tourismus profitieren. Es kann hier ähnlich laufen wie in Estland, zmal sich auch die volkswirtschaftlichen Rahmendaten vorteilhaft gestalten. Um einen sehr interessanten Wert aus dem Tourismussektor handelt es sich bei Istraturist.

Im Chart sehen Sie die Entwicklung des russischen RTS-Index.

Das Gespräch führte Jürgen Büttner

Quelle: @JüB
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