Die Vereinigten Staaten nehmen zwar für sich in Anspruch, Hort der Marktwirtschaft und des Kapitalismus zu sein. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit gibt es starke Unterschiede.
Das zeigt sich nicht nur an den massiven Subventionen, mit welchen einzelne Unternehmen oder ganze Sektoren wie die Äthanolhersteller beglückt werden, sondern auch in Form von staatlichen Garantien für die Hypothekenfinanzieren Freddie Mac und Fannie Mae und von Restriktionen beim Leerverkauf von Wertpapieren.
Wieso nicht gleich die Börsenkurse per Dekret festlegen?
Mit den Garantien hülfen die Repräsentanten der amerikanischen Zentralbank und der Regierungen auf Kosten der Steuerzahler ihren Freunden an der Wall Street aus der selbst verschuldeten Patsche, lästert Investmentlegende Jim Rogers. Gewinne würden privatisiert, Verluste dagegen sozialisiert. Auch die Einschränkung von Leerverkäufen stellt die Frage nach dem Prinzip. Solle das ein Markt sein, in dem Preise nur steigen und nicht fallen könnten? Denke man diesen Ansatz konsequent zu Ende, dann könne die Regierung gleich die Börsenkurse per Dekret festlegen, erklären Zyniker in verschiedenen Blogs.
Immerhin scheint die amerikanische Börsenaufsicht SEC inzwischen etwas zurückzurudern. Sie hat in den vergangenen Tagen zwar den Verkauf von ungedeckten Leerverkäufen von Finanzaktien in der kommenden Woche eingeschränkt (siehe Liste). Allerdings soll es nun doch Ausnahmen für professionelle Händler geben. Börsenbetreiber und Broker hatten diese Änderung gefordert.
Eine am 15. Juli angekündigte Notmaßnahme der SEC, die am 21. Juli in Kraft treten soll, sieht vor, dass bei den Aktien der beiden halbstaatlichen Realkreditinstitute Fannie Mae und Freddie Mac sowie von 17 an der Wall Street gehandelten Banken sogenannte ungedeckte Leerverkäufe verboten werden. Bei diesen Transaktionen verkaufen Anleger die Aktien, ohne sie sich zuvor geliehen zu haben, und können so mehr Verkaufsorders platzieren, als Aktien im Umlauf sind. Das hatte zu Vorwürfen geführt, mit ungedeckten Leerverkäufen könnten Aktienkurse künstlich nach unten getrieben werden.
Die Forderung nach den Erleichterungen für so genannte Market Maker kam laut informierten Kreisen von Optionsbörsen. Ohne die Ausnahme für diese „Marktmacher“ hätten diese Probleme, für einen liquiden Markt zu sorgen, was wiederum die Kosten für die Investoren erhöhen dürfte, erklärten Vertreter der Börsen. „Die Mitarbeiter der SEC empfehlen, die „Marktmacher“ von der Leerverkaufsregelung bei den 19 Aktien und den darauf basierenden Derivaten auszunehmen, soweit es ihre Marktmachertätigkeit und damit zusammenhängende Absicherungen betrifft. Die Liquidität der Marktmacher soll nicht eingeschränkt werden“, sagte SEC-Sprecher John Nester. Eine Entscheidung könne bereits am Freitag fallen.
Was sollte Anleger daran hindern, indirekt über die Optionsbörsen auf fallende Kurse zu wetten?
„Marktmacher“ sind verpflichtet, jederzeit Kurse für die von ihnen betreuten Aktien zu stellen. Um ihr Risiko bei der Zusammenführung von Kaufs- und Verkaufsorders zu verringern, verkaufen sie Aktien leer und müssen dies rasch tun. Der Zwang, die Aktien vorher zu leihen, könnte ihnen den Handel erschweren und die Kosten für Investoren steigern, warnte Peter Bottini, ein ehemaliger Marktmacher bei der Chicago Board Options Exchange und jetzt Executive Vice President bei dem Online-Broker OptionsXpress Holdings. „Für unsere Kunden würde es schwieriger, auf Kursverluste bei bestimmten Unternehmen zu setzen.“
Auch für die Liquidität am Markt hätte ein Verbot Folgen, erklärten „Marktmacher“. „Ohne eine Ausnahmeregelung für die Marktmacher könnte ich massive negative Auswirkungen für die Liquidität bei Aktien und Derivaten sehen“, sagte Steve Sosnick, Manager Aktienrisiken für Timber Hill LLC in Greenwich, Connecticut der Nachrichtenagentur Bloomberg. Timber Hill ist einer der größten „Marktmacher“ für Optionen in den Vereinigten Staaten.
Allerdings würden solche Ausnahmen den angestrebten, planwirtschaftlichen Effekt verwässern. Denn was sollte Anleger, die auf fallende Kurse setzen wollen, daran hindern, das indirekt über die Optionsbörsen zu tun, statt über den Aktienmarkt selbst? Kaufen sie Verkaufsoptionen in größerem Stile, so sind die „Marktmacher“ automatisch gezwungen, die dahinter stehenden Wertpapiere leer zu verkaufen. Denn der Kauf eines Puts ist nichts anderes, als ein „verkappter“ Leerverkauf.
Es ist ...
Peter horrex (Eysel)
- 18.07.2008, 14:45 Uhr
Ungedeckte Leerverkäufe
Karl-Heinz Andresen (khaproperty)
- 19.07.2008, 18:42 Uhr
