26.06.2008 · Verbissen leisteten die Banken jahrelang Lobbyarbeit, damit Reits an den deutschen Börsen eingeführt werden. Nun scheint die Anlageidee tot zu sein. Nur zwei Werte haben bisher den Weg auf den Kurszettel gefunden. Die einstigen Fürsprecher sind leise geworden.
Die ersten börsennotierten Reits führen am deutschen Aktienmarkt ein Schattendasein. Lediglich zwei Werte sind bisher notiert, die Fair Value Reit AG (Isin: DE000A0MW975) und die Alstria Office Reit AG (Isin: DE000A0LD2U1) Alle anderen Immobilienunternehmen, die über die Gründung oder eine Umwandlung eines Reits öffentlich nachgedacht haben, verschoben ihre Pläne auf unbestimmte Zeit.
Vor allem die Aktie der Fair Value war im Vergleich zur Alstria mit hohen Vorschusslorbeeren an der Börse gestartet. Am 16. November vergangenen Jahres kam die Aktie an die Börse und wurde in der Spitze zu 10,10 Euro gehandelt. Bald jedoch holte der Titel die Alstria-Aktie ein und stürzte ebenso ab. Am Donnerstag verlor der Titel an der Frankfurter Börse weitere 6,9 Prozent auf 6,05 Euro. Dies ist ein Kursverlust von knapp 40 Prozent in rund einem halben Jahr.
Kursverluste geben Kritikern Recht
Ein Reit - die Abkürzung steht für Real Estate Investment Trust - ist nach amerikanischem Vorbild ein börsennotierte Investmentgesellschaft, die steuerbegünstigt ist und einen Großteil ihres Gewinns, in Deutschland mindestens 90 Prozent, als Dividende ausschüttet. Seit Mitte 2007 sind sie rückwirkend zu Anfang 2007 auch in Deutschland erlaubt, allerdings dürfen sie nicht in Wohnimmobilien investieren.
Die Kursverluste von Fair Value und Alstria scheinen die Befürchtungen der Kritiker dieser Anlageform zu bestätigen. So hatte beispielsweise Harald Plewka, Steuerexperte der Kanzlei Gleiss Lutz in Frankfurt, davor gewarnt, dass eine Geldanlage in Reits für viele Anleger steuerlich nachteilig sei (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30. Januar 2007): „Der Reit ist in vielen Konstellationen steuerlich ungünstiger al seine normale börsennotierte oder auch nichtbörsennotierte Immobilien-AG.“
Banken machten überzogene Prognosen
Die in der Initiative Finanzstandort Deutschland (IFD) zusammengeschlossenen Banken und Versicherer hatten bis Ende 2010 eine Marktkapitalisierung von 60 bis 130 Milliarden Euro voraus. Davon ist der Markt weit entfernt: Fair Value Reit ist an der Börse mit rund 59 Millionen Euro bewertet, Alstria mit etwa 577 Millionen Euro.
Auch den Investmentbanken brachten deutsche Reits nicht den erhofften Geschäftserfolg. „Größere Reit-Platzierungen wird es erst im nächsten Jahr geben“, sagten Frank Clemens von JP Morgan und Wolfgang Schäfers von Sal. Oppenheim übereinstimmend im vergangenen Jahr (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 5. Juli 1002).
Kaufempfehung für Alstria
Trotz dieser Kritik halten manche Analysten den deutschen Reits die Stange. Die Hamburger Privatbank M.M. Warburg hatte Ende Mai bei einem Kurs von rund 11 Euro die Alstria-Aktie zum Kauf empfohlen und ihr Kursziel bei 13,50 Euro gesetzt. Am Donnerstag stieg der Kurs der Aktie auf Xetra um 3,9 Prozent auf 10,23 Euro.
Die Begründung der Kaufempfehlung spiegelte auch keine überschäumende Euphorie: Das hohe Wachstum im ersten Quartal sei durch die erstmalige Konsolidierung früher erworbener Immobilien erreicht worden, hieß es bei Warburg. Alstria gehört über die Fondsgesellschaft Captiva Capital zur französischen Bank Natixis und ist auf Gewerbeimmobilien in deutschen Großstädten spezialisiert.
WestLB steht zu Fair Value Reit
Nun haben die Analysten der WestLB die Aktie der Fair Value Reit entdeckt und begonnen, den Wert regelmäßig zu beobachten. Mit einer Kaufempfehlung haben sie begonnen, die Entwicklung der Gesellschaft zu verfolgen. Allerdings liegt das Kurziel von 9 Euro um etwa die Hälfte über dem aktuellen Kursniveau.
Die Aktie notiere mit „einem erheblichen Abschlag auf ihren Buchwert“, begründen die WestLB-Analysten ihre Empfehlung. Den Buchwert sehen sie bei 10,10 Euro je Aktie. Angesichts der geringen Größe halten sie einen Abschlag von 16 Prozent auf den Buchwert für gerechtfertigt.
Fürsprecher in den Banken schweigen heute
Einzelne Analysten bemühen sich noch, den deutschen Reits ein zweites Leben einzuhauchen. Doch diese Anlagen scheinen zu den die ersten deutschen Opfer der amerikanischen Immobilienkrise zu sein.
Zumindest müssen die Anleger zu diesem Schluss kommen, wenn man die Popularität der Reits daran misst, wie schweigsam ihre früheren Fürsprecher in den Bankvorständen geworden sind. Damit bergen sie für interessierte Anleger das Risiko, dass der Börsenhandel mit Reits in Zukunft noch weniger liquide sein wird als heute.