21.08.2009 · Im Rating des Branchendienstes Map-Report schneidet die Debeka bei den Kapitallebensversicherungen am besten ab. Verluste gab es dagegen für diejenigen, die fondsgebundene Lebensversicherungen ohne Garantie abgeschlossen haben.
Von Philipp KronFrankfurt, 20. August. Eine vermeintlich langweilige Vorsorgeart erweist sich in der Finanzkrise als stabile Option: die Kapitallebensversicherung. Auf eine Sicht von 12 Jahren erwirtschafteten die deutschen Lebensversicherer 2008 aus ihren Kapitalanlagen eine Nettorendite zwischen 3,84 und 6,43 Prozent, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Rating des Branchendienstes Map-Report hervorgeht. Im Branchenschnitt konnten die Unternehmen 5,57 Prozent Rendite erzielen; im Vergleich zum Vorjahr ging sie damit um 31 Punkte zurück, erwies sich aber dennoch als verhältnismäßig stabil.
Sehr viel stärker hingegen traf die Finanzkrise Kunden, die fondsgebundene Lebensversicherungen ohne Garantien abgeschlossen haben. Diese Produkte erfreuten sich in Zeiten des Börsenbooms großer Beliebtheit, werden inzwischen aber deutlich seltener abgeschlossen. Nach Angaben des Dienstes sanken die Guthaben, die die Versicherer für diese Kunden in der Deckungsrückstellung lagern, bis Ende vergangenen Jahres von 41 auf 31 Milliarden Euro. Davon seien Millionen Kunden betroffen.
Verwaltungskostenquote sank um 10 Punkte
Das aktuelle Rating ist das 17. seiner Art. Dafür beurteilte Map-Report Kennzahlen aus drei Bereichen: der Bilanz der Unternehmen, dem Service (insbesondere mit der Stornoquote als Indikator) und den tatsächlichen Auszahlungen aus Verträgen der Vergangenheit. Maximal 100 Punkte konnten erreicht werden, wobei die Bilanzkennzahlen mit 43 möglichen Punkten am schwersten gewichtet wurden. Wie im vergangenen Jahr erreichten acht Versicherer eine hervorragende Bewertung, die jenseits von 70 Gesamtpunkten beginnt. Neu kam die Europa-Versicherung in diese höchste Stufe, die dem Branchendienst erstmals einen vollständig bewertbaren Datensatz zur Verfügung stellte. Der Volkswohl Bund hingegen stieg mit etwas weniger Punkten als im vergangenen Jahr ab und führt nun die Gruppe der Versicherer mit langjährigen sehr guten Leistungen an.
Über die gesamte Branche betrachtet, verschlechterten sich als Folge der Kapitalmarktturbulenzen die ermittelten Finanzdaten. Die Rückstellungen für Beitragsrückerstattung, aus denen die Unternehmen die über die Garantieverzinsung und Direktgutschriften hinausgehenden Leistungen finanziert, sanken von 20,92 Prozent der Beitragseinnahmen im Vorjahr auf nur noch 19,05 Prozent. Die Solvabilitätsquote der Versicherer, die die von der Aufsicht geforderten Eigenmittel misst, die zur Fortsetzung des Geschäfts notwendig sind, ging im Branchenschnitt von 217,5 auf 174,5 Prozent zurück. Sie ist damit noch weit von 100 Prozent entfernt - der Quote, von der an die Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin in das Geschäft eingreifen muss. Die Kennziffern, die den Aufwand der Unternehmen beschreiben, haben sich hingegen verbessert. So sank die Verwaltungskostenquote um 10 Punkte auf 3,29 Prozent der Beitragseinnahmen. Die Abschlusskostenquote verminderte sich von 5,3 auf 5,12 Prozent. Zudem konnten die Lebensversicherer ihre Stornoquote um 4 Punkte auf 4,91 Prozent senken.
Geringste Stornoquote wies die Hannoversche auf
Der Gesamtsieger Debeka erreichte als einziges Unternehmen in einem der drei Kriterien die volle Punktzahl. Für die Vertragskennzahl erhielt sie 33 Punkte, weil die neun verschiedenen Vertragstypen jeweils eine höhere Rendite auswiesen als für die Höchstwertung erforderlich. So erwirtschaftete etwa eine Kapitallebensversicherung mit Todesfallschutz und 30 Jahren Laufzeit für einen Mann, der bei Vertragsabschluss 30 Jahre alt war und jährlich 1200 Euro eingezahlt hat, eine Rendite oberhalb von 5,79 Prozent. Eine Sofortrente, die nach 20 Jahren gegen einen Einmalbeitrag von 50 000 Euro ausgezahlt wurde, lag monatlich oberhalb von 308 Euro.
Während zehn Anbieter in der Kategorie „langjährige sehr gute Leistungen“ landeten, gruppierten sich 27 Versicherer mit der Bewertung „gut“ oder „befriedigend“ ein. Die schlechteste Bewertung wurde an 16 Versicherer vergeben, die Map-Report nur unvollständige Daten übermittelten und deshalb als „Datenverweigerer“ klassifiziert wurden. Teilsieger wurden bei der Bilanz Asstel, beim Service die DEVK Allgemeine, die höchste Nettorendite in der Kapitalanlage erzielte Fortis Deutschland, die geringsten Verwaltungskosten hatte mit der Europa eine Direktversicherung, die geringste Stornoquote wies die Hannoversche auf.