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Private Equity Schlechter als der Aktienmarkt

26.11.2007 ·  Studie für Europaparlament räumt mit Zerrbildern auf / Beteiligungsfonds verhelfen Unternehmen zu Wachstum

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Eine Untersuchung der französischen Wirtschaftshochschule HEC im Auftrag des Europäischen Parlaments stellt die öffentliche Wahrnehmung über die Beteiligungsbranche auf den Kopf. „Beteiligungsfonds gelten als Investoren, die Unternehmen schaden, um eine möglichst hohe Rendite zu erwirtschaften. Das ist ein Zerrbild“, sagt HEC-Wissenschaftler Oliver Gottschalg. Auf der einen Seite seien die Renditen weitaus niedriger, als von der Branche immer behauptet werde; auf der anderen Seite sei eine schädliche Wirkung für die von Beteiligungskapitalgebern (Private Equity) übernommenen Unternehmen kaum festzustellen.

Gottschalg forscht seit Jahren über die Beteiligungsbranche. Für das Europäische Parlament hat er Beteiligungsfonds seit dem Jahr 1980 untersucht, die schon voll investiert sind und somit aussagekräftige Ergebnisse liefern können. Die meisten der bislang von Wissenschaftlern veröffentlichten Untersuchungen zu diesem Thema waren methodisch umstritten oder galten als nicht unabhängig. Die HEC-Analyse der mehr als 5500 fremdfinanzierten Beteiligungskäufe und rund 1000 Private-Equity-Fonds ist noch nicht veröffentlicht, aber im Gespräch mit dieser Zeitung gibt Gottschalg einige Erkenntnisse aus seiner Studie preis.

Vorurteile nicht bestätigt

Demnach brachte die Branche den Investoren in den vergangenen 25 Jahren eine Rendite, die im Durchschnitt um 3 Prozent unter dem marktbreiten S&P 500 Index lag. „Die Renditen sind weitaus schlechter, als weithin angenommen wird“, sagt Gottschalg. Der Grund sind die hohen Gebühren, die Beteiligungsmanager von den Anlegern verlangen. Offiziell nehmen die Beteiligungsmanager Verwaltungsgebühren von rund 2 Prozent plus einer Gewinnbeteiligung von einem Fünftel. „Tatsächlich kassieren sie rund 6 Prozent im Jahr“, sagt Gottschalg. Anders als etwa bei einem Aktienfonds wird das Kapital nämlich nicht zu Beginn des Fonds eingezahlt, sondern erst abgerufen, wenn es tatsächlich für Investitionen benötigt wird. Das führt dazu, dass im Durchschnitt über die Fondslaufzeit nur rund die Hälfte des Kapitals investiert ist. Die Managementgebühren werden aber auf das gesamte Fondskapital erhoben. Daraus hat Gottschalg eine Verwaltungsgebühr von 4 Prozent im Jahr errechnet plus rund 2 Prozent Gewinnbeteiligung.

Die zweite Schlussfolgerung: Ohne die Gebührenlast schafft die Branche mehr Werte als der Aktienmarkt. Womit Gottschalg auch mit einem zweiten Irrglauben über die Branche aufräumen kann: „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Private Equity die gekauften Unternehmen langfristig schwächen würde.“

Wachstumsstrategien schaffen Mehrwert

Zwar seien 54 Prozent der von ihm untersuchten Unternehmen von den Beteiligungsgebern restrukturiert worden, was nicht selten einen Stellenabbau einbezieht. „Aber nach der Restrukturierung schaffen die Investoren durch Wachstumsstrategien einen Mehrwert.“ In 91 Prozent der von ihm untersuchten Fälle hätten die Beteiligungsfonds erfolgreich neue Wachstumsinitiativen angestoßen, sagt der Wissenschaftler. In sämtlichen untersuchten Kennziffern hätten diese Unternehmen anschließend deutlich besser abgeschnitten. Das Vorurteil, die Firmen würden ausgesaugt und deren Investitionen gesenkt, habe sich gleichfalls als falsch erwiesen. „Auch dafür gibt es keine Anzeichen.“ Das Gleiche gelte für die Haltezeiten, die laut Gottschalg bei Beteiligungsfonds mit im Durchschnitt vier bis fünf Jahren deutlich länger sind als bei großen Investoren auf den Aktienmärkten. Auch habe er keinerlei Hinweise für die häufige These gefunden, dass Beteiligungsgesellschaften die Stabilität der Finanzmärkte gefährden könnten.

Als Konsequenz der Analyse fordert der Wissenschaftler strengere Anforderungen an die Transparenz der Beteiligungsfonds gegenüber ihren Anlegern - zumeist Stiftungen, Pensionsfonds, Versicherungen und Banken. Denn die branchenüblichen Renditekennziffern erlaubten es den Investoren nicht, die besten Beteiligungsfonds herauszufiltern.

Quelle: F.A.Z., 27.11.2007, Nr. 276 / Seite 27 / da.
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