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Kreditmarkt Neue Liquidität für Übernahmekredite

28.09.2007 ·  Zwar haben sich die meisten großen Investmentbanken von der Finanzkrise ein wenig erholt und haben wieder neue Liquiditätsmittel. Die Nachfrage nach Übernahmefinanzierungen bleibt aber verhalten. Unterdessen pochen die Banken auf schärfere Kreditklauseln.

Von Bettina Schulz, London
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Den großen Investmentbanken ist es diese Woche gelungen, einen Teil ihrer vor der Finanzkrise zugesagten Kredite für Übernahmefinanzierungen an andere Marktteilnehmer zu verkaufen. „Der Markt öffnet sich langsam. Es werden wieder mehr Kredittranchen an den Markt abgegeben, als dies noch vor zwei Wochen der Fall war“, sagte ein in diesem Geschäft tätiger Banker einer der großen finanzierenden Institute. Es sei langsam auch wieder Liquidität für neue Übernahmefinanzierungen vorhanden. „An kleineren Transaktionen hätten wir sogar wieder Interesse. Es gibt Banken und Mezzanine-Fonds, die Liquidität haben, aber die Übernahmetransaktionen fehlen derzeit.“

Es herrscht jedoch eine nur geringe Nachfrage nach Finanzierungen. Dies wird in Bankenkreisen damit erklärt, dass Unternehmen mit der Kreditaufnahme abwarten, bis sich die Lage am Kreditmarkt noch mehr entspannt hat und sie wieder günstigere Finanzierungskonditionen aushandeln können. Beteiligungsgesellschaften (Private-Equity-Gesellschaften) indessen müssten für Transaktionen jetzt deutlich härtere Finanzierungskonditionen akzeptieren und länger auf die Bereitstellung von Finanzierungen warten als vor der Finanzkrise. Dies verteuert ihr Übernahmegeschäft.

„Wir arbeiten wieder zu Konditionen wie 2004“

„Wir haben jetzt einen Kreditmarkt, an dem die Konditionen nicht mehr von den Private-Equity-Gesellschaften, sondern von den Banken diktiert werden. Wir arbeiten wieder zu Konditionen, wie sie am Markt im Jahr 2004 geherrscht haben“, heißt es bei Bankern, die in der Übernahmefinanzierung tätig sind. Nach einer Umfrage der Anwaltskanzlei Norton Rose LLP unter mehr als 100 Bankern, Private-Equity-Gesellschaften und Hedge-Fonds glaubt mehr als die Hälfte, dass es sechs bis neun Monate dauern wird, bis am Kreditmarkt wieder ausreichend Liquidität vorhanden sei und die Übernahmefinanzierung für Beteiligungsgesellschaften wieder floriere.

Es werde allerdings zwölf Monate dauern, bis die Aktivität in dem Marktsegment wieder so intensiv sei wie im Juli dieses Jahres. „Es ist unwahrscheinlich, dass diese Finanzkrise gravierende, langfristige Auswirkungen auf Übernahmefinanzierungen haben wird. Es handelt sich hier eher um eine Korrektur und Anpassung der Konditionen an diesem Markt“, sagt Tomas Gärdfors, Banking Partner von Norton Rose.

Endfällige Kredite kehren erst mittelfristig zurück

Gerade weil viele Banken erkennen mussten, dass sie einen Teil ihrer zugesagten Finanzierungen plötzlich nicht mehr syndizieren und abverkaufen konnten, achten sie nun darauf, dass die von ihnen gewährten Konditionen im Notfall einen Abverkauf von Kredittranchen erleichtern würden. Schnelle Brückenfinanzierungen, die gewährt werden, bis die Dokumentation für die endgültige Finanzierung vollends ausgehandelt worden ist, werden nach der Umfrage von Norton Rose LLP voraussichtlich vollends vom Markt verschwinden.

Marktteilnehmer vermuten zudem, dass endfällige Kredite (PIK) erst mittelfristig an den Markt zurückkehren werden. Diese Kredite wurden vor der Finanzkrise vor allem dann erteilt, wenn der Geldnehmer die Zinsen aus dem laufenden Geschäft zunächst nicht zahlen konnte, die Geschäftsentwicklung aber die künftige Rückzahlung des Kredites und der Zinsen sicherstellte.

Banken setzen künftig verstärkt auf Kreditklauseln

Auch „Second-Lien-Tranchen“ dürften weniger als zuvor eingesetzt werden. Dies sind Finanzierungen, die zwischen vorrangigen und nachrangigen Schulden eingeflochten werden. Mezzanine-Finanzierung, eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital, dürfte allerdings Bestand haben.

Da sich die Banken in dieser Finanzkrise sehr die Finger verbrannt haben, werden viele Institute künftig verstärkt Kreditklauseln in die Kreditverträge aufnehmen, die ihnen im Nachhinein gestatten, die Konditionen der Finanzierungen anzupassen. Im Gegenzug werden sich Banken mit Erfolg gegen Klauseln wehren können, die dem Schuldner erlaubten, bestimmte Konditionen der Finanzierung im Nachhinein zu adjustieren.

Quelle: F.A.Z., 29.09.2007, Nr. 227 / Seite 19
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