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Interview „Wir sind optimistisch für thailändische Aktien“

08.02.2005 ·  Eine durchschnittliche Rendite von 21 Prozent spricht für den Thailand-Hedgefonds von Quest Management. Fondsmanager Doug Barnett im Interview über die Präsidentschaftswahl, die Börse und den Tsunami.

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Nach einer phantastischen Performance im Jahr 2003 zählte die thailändische Börse im vergangenen Jahr zu den schlechteren Märkten weltweit. Der Set-Index verlor im Jahresverlauf vom Hoch zum Tief etwas mehr als 28 Prozent. Seit einigen Wochen zeigt der Markt aber wieder eine gewisse Dynamik nach oben.

Nun stellt sich die Frage, wie es weitergehen wird. FAZ.NET unterhielt sich mit Fondsmanager Doug Barnett. Er dürfte die Lage einschätzen können, denn er erzielte mit seinem Hedge Fonds in den vergangenen 14,7 Jahren bis Ende des vergangenen Jahres eine Gesamtrendite von 1.763 Prozent. Das sind umgerechnet etwas mehr als 21 Prozent pro Jahr.

Wie würden Sie die Lage in Thailand gegenwärtig beschreiben?

Ich denke, die Leute sind zunächst froh darüber, daß Premierminister Thaksin Shinawatra die Wahl mit einem Erdrutschsieg gewonnen hat. Zumindest die Geschäftsleute sind positiv gestimmt. Mitglieder der demokratischen Partei dürften weniger glücklich sein.

Wo sind die Gründe dafür zu suchen?

Er versucht die heimische Wirtschaft zu stimulieren über den Konsum, statt auf den Export zu setzen. Er hat diese Politik eingeleitet und es gibt noch einiges in diese Richtung zu tun. Solange Thaksin an der Regierung ist, dürfte er diese Politik fortsetzen.

Welche Branchen können davon profitieren, worauf setzen Sie?

Wir sind nach wie vor an Unternehmen interessiert, die mit Rohstoffen und mit der Schiffahrt zu tun haben. Das hat nicht unbedingt mit Thailand zu tun, sondern vor allem mit dem Blick nach China. In Thailand selbst setzen wir vor allem auf Konsumfinanzierer und auf Mobiltelefonunternehmen.

Sind die Aktien solcher Unternehmen vernünftig bewertet oder wachsen sie einfach stark?

Sie wachsen deutlich und sie werden gut gemanaged. Dazu gehören beispielsweise Siam Panich Leasing, ein Unternehmen, das Leasing- und Autovermietungswagen finanziert und Krungthai Card, das im Kreditkartengeschäft tätig ist.

Im Zusammenhang mit der Präsidentschaftswahl gibt es hier in Europa Berichte, die die Art und Weise kritisieren, mit der Thaksin Shinawatra seine Wahlsiege errungen hat. Es gibt auch Vorwürfe, er nutze seine Macht zum eigenen Vorteil. Was sagen Sie dazu?

Grundsätzlich unterscheidet sich die Politik in Thailand davon, wie sie in Europa und Amerika gemacht wird. Und hier wird sie eben so gemacht: Die Leute wählen ihre Repräsentanten und die kümmern sich dann um das, was ihre Wähler wollen. Politik ist beinahe überall ein schmutziges Geschäft. Wer sonst nichts auf die Beine bringt, geht in die Politik. Im Gegensatz dazu war Thaksin geschäftlich hoch erfolgreich, bevor er sich politisch engagierte.

Ihr Fonds hat eine phantastische Performance und schneidet deutlich besser ab als der Index und als jede einzelne Aktie. Wie ist das möglich?

Wir kaufen nicht nur Aktien, um sie zu halten. Sondern wir nutzen Kursschwankungen auch aus und handeln. Dabei werden wir auf Grund unserer Größe nie unsere ganzen Positionen kaufen oder verkaufen, sondern unter normalen Umständen immer nur aufstocken oder reduzieren.

Wie schätzen Sie den thailändischen Markt gegenwärtig ein?

Wir sind optimistisch, aber nicht voll investiert und haben ein paar Shorts. Das sagt eigentlich schon alles darüber, was wir denken.

Wie würden Sie den Optimismus begründen?

In erster Linie ist die Wiederwahl Thaksin Shinawatras positiv. Gleichzeitig dürften aber auch die Unternehmen, in die wir investiert haben, in den kommenden 15 bis 18 Monaten sehr, sehr gute Ergebnisse vorlegen. Und davon wollen wir natürlich profitieren.

Denken Sie nicht, die Erwartungen könnten zu hoch sein?

Dazu sage ich nur, das durchschnittliche Kurs-Gewinnverhältnis der Aktien unserer Unternehmen liegt bei 8,3 und das durchschnittliche Gewinnwachstum bei 30, 31 Prozent. Das spricht für sich.

Wie erklären Sie sich die Stagnation des Marktes im vergangenen Jahr?

In den ersten Monaten waren das Gewinnmitnahmen nach einem starken Jahr 2003. In der zweiten Jahreshälfte etablierte sich ein leichter Aufwärtstrend, der mit dem Näherrücken des Wahltermins dynamischer wurde. Das ist beinahe schon ein normales Phänomen in Thailand. In den vergangenen Tagen sahen wir täglich Käufe von ausländischen Anlegern. Sie dürften indirekt auch auf die früher oder später anstehende Aufwertung der chinesischen Währung spekulieren.

Gibt es Risiken für das positive Szenario?

Das größte Risiko besteht darin, daß China „stolpern“ könnte. Wenn dort das Wachstum etwas zurückginge, wäre das kein Problem. Sollte es jedoch zu einer wirtschaftlichen Kontraktion kommen, würde es die Rohstoffpreise und auch die Entwicklung im Schiffahrtsbereich deutlich dämpfen. Aus diesem Grund sind wir diesbezüglich sehr aufmerksam und beobachten die Entwicklung genau.

Wie wird die weitere Wirtschaftspolitik voraussichtlich aussehen?

Thaksin hat begonnen, Staatsmonopole aufzubrechen und zu privatisieren. Das führte beispielsweise dazu, daß der Zugang zum Internet leicht möglich ist und daß die Gebühren für Telefongespräche deutlich gesunken sind. Als ich vor Jahren nach Thailand gekommen bin, kostete ein Ferngespräch nach Amerika zwei Dollar je Minute, heute sind es etwa 20 Cents. Die Regierung hilft auch bei der Gründung kleiner Firmen. So eine Politik macht die Wirtschaft dynamischer, was von den Vorgängerregierungen so nicht gesehen wurde. Die Entwicklung scheint nachhaltig zu sein und dürfte nur dann riskant werden, wenn die Konsumenten überschuldet werden sollten. Im Moment haben sie allerdings noch Nettovermögen auf der hohen Kante.

Erwarten Sie weitere Privatisierungen - und muß man sich für sie interessieren?

Wir rechnen damit, daß im laufenden Jahr etwa 60 Unternehmen an die Börse kommen. Wir versuchen sie alle zu haben, denn gewöhnlich steigen ihre Kurse. Im Ernst, wir halten einige Beteiligungen, die wir an die Börse bringen werden. Zum Beispiel ein Broker und ein Bauunternehmen namens Prebuild.

Sind diese Unternehmen nachhaltig profitabel?

Ja, sie müssen mindestens drei Jahre lang Gewinne erzielt haben.

Thailands Wachstum wird im laufenden Jahr auf 5,25 bis 6,25 Prozent geschätzt. Wie sieht es aus mit der Inflation?

Es gab gewisse Preissteigerungen, weil der Ölpreis durch die Decke ging. Ich denke, die Inflationsrate wird bei etwa 2,5 Prozent liegen. Das Land importiert alles im Transportbereich benötigte Öl. Auf der Industrieseite spielte das Öl keine so große Rolle, da vor allem Gas aus dem thailändischen Golf und Kohle aus Indonesien verwandt wird.

Gibt es wirtschaftliche Effekte des Tsunamis?

Der Tsunami war eine schreckliche Sache und ich mache mir Sorgen, daß noch einmal einer kommen wird. Es kann den Tourismus für einige Monate belasten, allerdings beginnt sich das Geschäft jetzt schon langsam wieder zu normalisieren. Ich denke nicht, daß er zu einer Dauerbelastung für das Land werden wird. Wenn die Leute sehen, daß alles aufgeräumt ist, werden sie wiederkommen.

An der Gesamtwirtschaft ist der Tourismus nur mit etwa sechs Prozent beteiligt. Phouket hat daran nur einen geringen Anteil. Insgesamt rechne ich damit, daß der Tsunami des Wachstum um einen halben Prozentpunkt reduzieren könnte.

Abschlußfrage: Was ist der Hintergrund Ihres Erfolges und haben sie den Fonds geschlossen oder nehmen sie noch neu Mittel auf?

Wir verfolgen grundsätzlich das Prinzip der „Portfolio Insurance“. Wenn der Markt fällt, aus welchem Grund auch immer, verkaufen wir ebenfalls und gehen zusätzlich „short“ und umgekehrt. Auf diese Weise sind wir nach unten immer nur etwa mit 40 Prozent „dabei“ und nach oben die vollen hundert Prozent.

Wir verwalten etwa 250 Millionen Dollar und könnten weitere 100 bis 150 Millionen unterbringen. Europäische Anleger wären willkommen. Das Minimalinvestment liegt bei 100.000 Dollar.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: @cri
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