16.02.2009 · Jim Rogers gilt als einer der erfolgreichsten Spekulanten weltweit. Gegenüber FAZ.NET kritisiert er schonungslos die Krisenbekämpfungsmaßnahme. Und erklärt, warum die Landwirtschaft goldenen Boden hat.
Jim Rogers gilt als einer der erfolgreichsten Spekulanten weltweit. Sein fast schon legendärer Ruf gründet unter anderem auf den zusammen mit George Soros beim Management des Hedge-Fonds Quantum erzielten Anlageerfolgen und der frühzeitigen Vorhersage des Rohstoff-Bullenmarktes.
Bekannt und gefragt ist Rogers aber auch deshalb, weil er selten ein Blatt vor dem Mund nimmt und auch kritische Dinge mit aller Offenheit anspricht. Auch gegenüber FAZ.NET bleibt er dieser Linie mit einer schonungslosen Kritik an den Krisenbekämpfungsmaßnahmen treu. Zudem erklärt der wegen seines Optimismus für Asien inzwischen in Singapur lebende 66jährige, warum die Landwirtschaft goldenen Boden hat.
Die Rohstoffpreise haben deutlich korrigiert. Ist der Bullenmarkt aus Ihrer Sicht trotzdem noch intakt?
Ja, der Bullenmarkt bei den Rohstoffen ist intakt. Was wir unter anderem gesehen haben, waren durch die Kreditkrise bedingte Zwangsliquidationen. Dabei verbessern sich die fundamentalen Rahmendaten des Sektors stetig. Sowohl für Landwirte als auch für Minenbetreiber ist es schwierig, an neue Kredite für Expansionsvorhaben zu kommen. Dadurch sinkt das Angebot, während langfristig die Nachfrage auch aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung steigt.
Die jüngsten Preisabschläge sehe ich nur als Korrektur im Bullenmarkt. Für mich ist die Situation vergleichbar mit der Entwicklung am Aktienmarkt im Jahr 1987. Damals sind die Aktienkurse stark eingebrochen und viele Marktteilnehmer dachten, der Bullenmarkt sei zu Ende. Doch danach ging es erst richtig los und die Kurse haben sich in den Jahren danach vervielfacht.
Zuletzt war es nicht einfach, Geld an den Märkten zu verdienen. Zu welcher Anlagestrategie raten Sie?
Im Zuge der jüngsten Kurserholung an den Börsen habe ich etliche Short-Positionen eingedeckt. Zuletzt habe ich aber schon wieder damit begonnen, neue Shorts aufzubauen. Vor allem in Amerika bin ich auf der Verkäuferseite. Bei Werten wie IBM, General Electric und JPMorgan wette ich auf fallende Notierungen. Ansonsten setze ich auf steigende Rohstoffpreise, einen steigenden Yen und steigende Aktienkurse in China. Ansonsten ist es ratsam, viele Barmittel zu halten.
Während der Dollar steigt, haben viele andere Währungen in den vergangenen Monaten drastisch abgewertet. Wird dieser Trend anhalten?
Der Dollar ist gestiegen, weil viele Short-Positionen eingedeckt werden mussten. Das könnte sich noch etwas fortsetzen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass dieser Effekt in diesem Jahr noch auslaufen wird. Und dann wird der Dollar große Probleme bekommen. Auch das britische Pfund, das im Grunde schon seit Jahrzehnten abwertet, sehe ich weiter fallen. Den Euro verkaufe ich dagegen derzeit nicht leer, sondern habe einige Positionen. In 15 bis 20 Jahre könnte es allerdings sein, dass es den Euro nicht mehr gibt. Denn Währungsunionen haben sich bisher nie als dauerhaft überlebensfähig erwiesen.
Unter Druck stehen auch die osteuropäischen Volkswirtschaften und Währungen. Sie waren gerade vor Ort. Wie beurteilen Sie die Lage?
In Osteuropa sieht es derzeit überhaupt nicht gut aus. Viele Länder werden schlecht geführt, die hohen Leistungsbilanzdefizite sind eine schwere Bürde. Viele Erwartungen der Bevölkerung dort dürften sich nicht erfüllen. Das damit verbundene Enttäuschungspotential birgt im schlimmsten Fall sogar die Gefahr von Unruhen. Das droht übrigens auch in anderen Weltregionen. Die Währungen dürften deshalb unter Druck bleiben. Wir müssen uns auf weitere Währungskrisen einstellen.
Rechnen Sie mit einer Währungsreform?
Probleme in dieser Hinsicht könnte es dann geben, sobald der Dollar anfängt, deutlich abzuwerten. Das aber lässt sich zeitlich nicht genau vorhersagen. Aber mit einer echten Währungsreform rechne ich derzeit nicht. Zumindest nicht in absehbarer Zeit.
Weltweit werden Konjunkturprogramme gestrickt und die Zinsen gesenkt. Wie viel Erfolg versprechen diese Maßnahmen?
Die meisten der Krisenpakete verschlechtern die Ausgangslage statt sie zu verbessern. Das gilt insbesondere für Amerika. Die gleichen Leute, die uns die Probleme eingebrockt haben, machen jetzt wieder die gleichen Fehler, die sie schon in der Vergangenheit begangen haben. Die Probleme werden dadurch vielmehr sogar noch verschärft.
Das ist alles eine große Schweinerei. Auch das Modell der „Bad Bank“ wird nicht funktionieren. 2009 wird ein sehr schwieriges Jahr für die Weltwirtschaft. Da führt kein Weg daran vorbei. Verglichen mit Amerika befindet sich aber China in einer vergleichsweise guten Lage. Denn dort hat man das Geld für Konjunkturprogramme und diese werden vermutlich auch bald Wirkung zeigen.
Was würden Sie im Kampf gegen die Krise unternehmen, wenn Sie amerikanischer Wirtschaftsminister wären?
Ich hätte einfach alles bankrott gehen lassen, was rein rechnerisch pleite ist. Es wurde lange Zeit einfach zu viel konsumiert und in diesem Kaufrausch zu viele Schulden aufgebaut. Für diese Fehler muss die Zeche gezahlt werden. Bei einem derart rigorosen Vorgehen, hätten uns zwei bis drei schlimme Jahre bevorgestanden. So besteht aber die Gefahr, dass sich die Probleme noch verschärfen und in die Länge ziehen. Dann drohen uns zehn bis fünfzehn schreckliche Jahre. Dass dies keine Utopie ist, zeigt das Beispiel Japan.
Welche Region wird aus Ihrer Sicht als Gewinner aus der Krise hervorgehen?
Asien bleibt für mich in der besten Ausgangsposition. Verglichen mit dem Westen bewegt sich dort die Verschuldung auf einem deutlich tieferen Niveau. Das wird dieser Region sehr stark helfen. Amerika befindet sich dagegen auf dem absteigenden Ast. Man hat einfach zu viele Fehler begangen. Nun droht ein ähnliches Schicksal wie Großbritannien nach dem zweiten Weltkrieg.
Wegen vieler eigener Fehler hat sich damals die Macht von Großbritannien nach Amerika verlagert. Und nun wird sich das Machtgefüge von Amerika nach Asien verschieben, obwohl natürlich auch Asien mit Problemen zu kämpfen hat.
Haben Sie einen neuen Anlagetrend identifiziert, der sich über die nächsten Jahre spielen lässt?
Am zuversichtlichsten bin ich für den Agrarbereich. Mit der Landwirtschaft und den Agrarprodukten dürfte es für die nächsten Jahrzehnte aufwärts gehen. Farmer zu werden ist für uns alle eine sehr gute Idee. Das rate ich übrigens auch allen Bankern. Die Zeiten, mit denen durch das Umherschieben von Kapital leichtes Geld zu verdienen war, sind vorbei. Jetzt ist die Zeit gekommen, in denen es darum geht, wieder etwas zu produzieren. Was die Agrarrohstoffe angeht, bin ich jedenfalls querbeet engagiert. Denn der Landwirtschaft gehört die Zukunft.