09.11.2005 · Die arabischen Börsen laufen gut nach oben. Unter anderem jene in Bahrain. FAZ.NET unterhielt sich mit Rasheed Mohammed Al Maraj über die Gründe und Hintergründe für diese Entwicklung. Er ist Gouverneur der Bahrain Monetary Agency.
Während die viel beachteten Börsen der Wall Street in den vergangenen Monaten nicht sonderlich glänzen konnten, schnitten die europäische Märkte bisher deutlich besser ab. Wer allerdings überdurchschnittliche Kursgewinne erzielen wollte, mußte sich in den Schwellenländern engagieren.
Dabei sollte sich der Blick nicht nur auf die relativ bekannten Märkte wie Brasilien, Rußland, Indien oder China richten, sondern auch kleinere Märkte haben ihre Reize. So ging insbesondere an den arabischen Börsen die Post ab. Zweistellige Kursgewinne waren eher die Regel, als die Ausnahme. Unter anderem auch an der Börse des Königreichs Bahrain.
FAZ.NET unterhielt sich mit Rasheed Mohammed Al Maraj über die Gründe und Hintergründe für diese Entwicklung. Er ist Gouverneur der Bahrain Monetary Agency, der Zentralbank und Finanzmarktaufsicht des Landes.
Die arabischen Börsen legten in den vergangenen Monaten einen wahren Höhenflug an den Tag, auch jene in Bahrain. Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?
Hintergrund ist sicherlich die Entwicklung des Ölpreis und der damit zunehmenden Öleinnahmen in der Region. Sie haben das Anlegervertrauen verbessert. Gleichzeitig hat in den vergangenen drei, vier Jahren auch das Interesse daran zugenommen, in der Region selbst zu investieren. Das hat die Börsen natürlich beflügelt und teilweise zu zweistelligen Kursgewinnen geführt.
Wie erklären Sie sich dieses aufgekommene Interesse an der Region?
Es gab in den vergangenen Jahren einige wirtschaftpolitische Veränderungen. So wurden zum Beispiel in Bahrain die Märkte weitgehend liberalisiert. Der Einfluß der staatlichen Behörden ist deutlich reduziert worden. So ist es deutlich einfacher als zuvor geworden, ein Unternehmen zu führen oder Handel zu betreiben. Das gilt auch für die Finanzmärkte des Landes. Ausländische Anleger unterliegen kaum noch Restriktionen was den Kauf von Firmen oder Aktien anbelangt, solange sie einen Anteil von 49 Prozent nicht überschreiten. Sie können in Bahrain auch Land kaufen. Insgesamt stellt sich die Situation anders dar, als noch vor wenigen Jahren.
Spielt nicht auch die Tatsache eine Rolle, daß die arabischen Anleger aufgrund der politischen Veränderungen nach den Terroranschlägen und mit Blick auf mögliche Dollarrisiken lieber zuhause investieren?
Ein Währungsrisiko sehe ich nicht, denn Bahrain und die GCC-Staaten, also die Länder im Gulf Cooperation Council, haben ihre Währung mit dem Fernziel einer Währungsunion im Jahr 2010 fest an den Dollar gebunden. Vorerst dürfte sich an diesem Peg nicht viel ändern, da wir bisher damit gute Erfahrungen gemacht haben und auch wenn es zu gewissen Zielkonflikten im Handel mit Europa kommen kann.
Ich denke, wichtig sind eher die vergleichsweise hohen Renditen, die sich hier erzielen lassen. Denn nach dem Platzen der Dot.com-Bubble sind sowohl Wachstum als auch die Renditen in den Industriestaaten geringer als in der arabischen Region. In Bahrain wächst die Wirtschaft zwischen fünf und sechs Prozent. Das Land und die Region bieten weitere Wachstumsmöglichkeiten.
Wo würden Sie diese sehen, immerhin verfügt Bahrain aufgrund seiner geringen Größe nur bedingt über Ressourcen?
Es ist sicherlich richtig, daß die Ölvorkommen Bahrains relativ klein sind. Aus diesem Grund sind wir daran interessiert, wirtschaftlich zu diversifizieren. Wir konnten uns bisher schon als Finanzzentrum etablieren und eine ganze Reihe von Banken, Vermögensverwalter, Versicherungs- und Handelsunternehmen anziehen. In diesen Bereichen sehen wir auch weitere Expansions- und Wachstumsmöglichkeiten. Immerhin liegt mit Saudi Arabien ein riesiger Markt unmittelbar vor der Haustür.
Bahrain ist und war schon immer eine offene Gesellschaft und nach außen orientiert, ist gut erreichbar und verfügt über eine sehr moderne Infrastruktur. Die liberale Wirtschaftsordnung dürfte zusammen mit dem verläßlichen Rechtssystem einen komparativen Vorteil darstellen, welchen wir nutzen möchten.
Sie erwähnten, das Land und die Region böten im Versicherungsbereich interessante Chancen. Wie kommt das?
Da die Mittel des Staates sind nicht unerschöpflich sind, werden die Privatpersonen zunehmend gezwungen sein oder gar verpflichtet werden, selbst vorzusorgen. Aus diesem Grund dürfte die Nachfrage nach Lebens- und Krankenversicherungen und anderen Policen deutlich zunehmen und den Versicherungsunternehmen entsprechende Chancen bieten. Takaful, das islamische Versicherungsunterwesen nach islamischem Recht, ist schon weit entwickelt.
Das heißt, im Versicherungswesen gibt es ähnliche Regeln, wie im Islamic Banking?
Ja, denn auch hier gilt das Zinsverbot des Islam. Das heißt, in beiden Bereichen unterscheiden sich die Aktivitäten grundsätzlich kaum davon, wie sie in anderen Regionen abgewickelt werden. Allerdings müssen die rechtlichen Besonderheiten beachtet werden. Im Anleihebereich wurden beispielsweise aus diesem Grund die Sukuk entwickelt. Das sind islamische Anleihen, die bei Anlegern auch international auf sehr starkes Interesse gestoßen sind. Aus diesem Grund sehen wir hier weitere Wachstumschancen.
Kommen wir zurück auf die Börse in Bahrain. Sehen sie weiteres Kurspotential?
Die Zinsen in Bahrain sind niedrig, das Wirtschaftswachstum ist vergleichsweise hoch, die Unternehmen können die Gewinne steigern und auch die Bewertungen der Aktien sind im Vergleich mit anderen Aktienmärkten der Region noch vernünftig - das dürfte keine schlechte Ausgangslage für weitere Kursgewinne zu sein.
Wie ist die Corporate Governance, nach welchen Regeln berichten die Unternehmen des Landes?
Nach internationalen Standards.
Wie beurteilen Sie die geopolitischen Risiken, immerhin liegen Irak und Iran gerade um die Ecke?
Ach wissen Sie, wir haben in den vergangenen Jahren verschiedene Kriege erlebt und die damit verbundenen chaotischen Entwicklungen überstanden. Uns bringt so schnell nichts aus der Ruhe.