12.05.2006 · Die deutschen Aktienanleger dürften kommende Woche ihre Wunden lecken. Denn die Kursverluste der abgelaufenen Woche haben viele Marktteilnehmer verstört: An zu vielen Fronten wurden die Parameter neu eingestellt.
Der deutschen Aktienanleger dürften die kommende Woche damit zubringen, ihre Wunden zu lecken. Denn die Entwicklungen der vergangenen fünf Börsentage haben viele Marktteilnehmer verstört: An zu vielen Fronten wurden die Parameter neu eingestellt.
Dies müsse erst zu einem neuen Gesamtbild zusammengesetzt werden, heißt es im Handel. Nach zunächst positivem Wochenstart habe der Kursverfall von Donnerstag und Freitag „in nur zwei Tagen ziemlich viel Porzellan zerschlagen“.
Die deutliche Dollarschwäche kam etwas überraschend
Namentlich der Dollar-Einbruch, oder die Hausse des Euro sei zu schnell gekommen. Da die Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank am Mittwoch weltweit erwartet worden war, sei nicht mit einer derart scharfen Reaktion gerechnet worden, meinte ein Devisenhändler. Die amerikanische Notenbank hatte den Leitzins um einen viertel Prozentpunkt auf fünf Prozent erhöht. Gleichzeitig sagte sie weder „Ja“ noch „Nein“ zu weiteren Zinsschritten.
Man werde statt dessen „zeitnah“ auf aktuelle Wirtschaftsdaten reagieren, hieß es von den Notenbankern. „Das macht die Sache für uns natürlich unberechenbarer“, erklärte ein Analyst. Händler ergänzen: „Das rückt die jeweils veröffentlichten Konjunkturdaten und ihre Bedeutung für die Inflation in den Mittelpunkt“. Damit droht die Gefahr, daß kommende Konjunkturdaten chronisch überbewertet werden.
Neben Zins- und Euro-Anstieg verunsichern zudem die Wirtschaftsprognosen: So zeigen die jüngsten Wachstumsdaten des Statistischen Bundesamtes, daß das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsproduktes den Erwartungen nicht standhalten kann. Die Wirtschaft wuchs nach 0,6 Prozent im Vorquartal nur um 0,4 Prozent. Dazu merkten die Analysten von M.M.Warburg an, es scheine, man habe sich durch „die guten Frühindikatoren aufs Glatteis führen lassen“. Eine Wachstumsrate von zwei Prozent in diesem Jahr sei „in fast unerreichbare Ferne“ gerückt.
Markt steht kurz vor der Generierung eines Verkaufssignals
Diese Aussichten scheinen Marktteilnehmern Angst zu machen. So mahnten die Analysten von Morgan Stanley im Wochenverlauf bereits vor einem überschießenden Kurs-Momentum. Und die Analysten von Credit Suisse und Bear Stearns machten am Freitag gleich Nägel mit Köpfen und empfahlen, die Gewichtung europäischer Aktien zu reduzieren.
Auch das nahende Ende der Berichtssaison in Deutschland sorgt eher für Bedenken. Zum einen fehle der Dividendenregen, der bisher die Märkte mit Liquidität überschwemmt habe. Alleine die Dax-Unternehmen schütteten nach Angaben der Analysten der Landesbank Baden-Württemberg in den vergangenen zwei Wochen etwa zwölf Milliarden Euro an ihre Anteilseigner aus. Zum anderen droht der Markt nun in ein „Berichtsloch“ zu fallen: Wichtige Unternehmenszahlen wird es erst wieder mit den Halbjahresberichten ab Mitte Juli geben. Daher hätten die Marktteilnehmer bis dahin „ausgiebig Zeit, sich den bislang ausgeblendeten Belastungsfaktoren Dollarschwäche, Zinsanstieg und Ölpreishausse zuzuwenden“, schreibt Frank Schallenberger von der LBBW.
Technische Analysten machen derzeit einen ähnlichen Stimmungsumschwung durch: Nachdem der Dax zunächst ständig neue Jahreshochs ausbilden konnte, stehe er nun kurz vor einem mittelfristigen Verkaufssignal. Auslöser seien vor allem Verkäufe angelsächsischer Anleger, nachdem der Dax auf Dollarbasis umgerechnet auf Allzeithoch gesprungen ist. „Die amerikanischen Anleger haben damit sowohl mit dem Dax als auch mit dem Euro Geld verdient“, sagte ein Händler. Dies sei „die beste aller Welten für ausländische Anleger“ gewesen: „Daher setzen sie nicht auf Wiederholung“. Der Dax sollte eine erste Unterstützung finden auf den Apriltiefs bei 5.870 Punkten. Nach oben bilde allerdings schon der Bereich um 6.000 Punkte Widerstände.