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FAZ.NET-Interview „Dividende und Wachstum müssen kein Widerspruch sein“

22.02.2006 ·  Sonja Schemmann managte einst einen der größten deutschen Aktienfonds mit fast sechs Milliarden Euro. Jetzt legt sie einen neuen Dividendenfonds auf. Im FAZ.NET-Interview verrät sie, warum Dividenden auch heute ein Thema sind - und welche Aktien sie im Portfolio hat.

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Sonja Schemmann managte einen der größten Aktienfonds Deutschlands, den „DWS Top Dividende“ der Deutschen Bank. Jetzt fängt sie noch einmal von ganz von vorne an.

Ihre Idee, auf dividendenstarke Aktien zu setzen, hatte bei Fondsauflegung im März 2003 den Nerv der Zeit getroffen - Anleger vertrauten der 31jährigen Managerin fast fünf Milliarden Euro an. Im Herbst wechselte Schemmann nach London zu Schroders. Dort verantwortet sie den neuen Fonds „Schroder ISF Global Equity Yield“, der inzwischen auch in Deutschland für den öffentlichen Vertrieb registriert ist (Isin LU0225284248). Ziel ist, langfristig höhere Erträge bei geringerer Volatilität zu erzielen als der Gesamtmarkt (siehe auch: Fondsmanagerin Schemmann fängt von vorne an).

Seit Dezember ist Schemmann außerdem für das Management des „Schroders ISF European Equity Yield“ (Isin LU0106236267) verantwortlich. Für beide Fonds verlangt das Management einen Ausgabeaufschlag von 5 Prozent und eine jährliche Verwaltungsgebühr von 1,5 Prozent. Charts, die die Kursentwicklung der Fondsanteile und einiger Einzelwerte im Portfolio zeigen, finden sich in der Bilderstrecke.

Frau Schemmann, bei der DWS haben Sie fast sechs Milliarden Euro verwaltet, jetzt fangen Sie mit einem Dividendenfonds von vorne an. Der andere Fonds, den Sie übernommen haben, verwaltet nur rund 90 Millionen Euro. Was hat Sie an dieser Aufgabe gereizt?

Vor allem die Herausforderung, etwas Neues auf die Beine zu stellen. Ich war nicht unzufrieden bei der DWS, sondern habe mich bewußt für Schroders und England entschieden. Hier in London ist der Wettbewerb unter den Bankern größer, das hat schon seinen Reiz.

Im vergangenen Jahr waren ja vor allem wachstumsstarke Titel angesagt. Sie setzen aber weiter auf dividendenstarke Titel?

Klar, ich bin auch weiterhin davon überzeugt, daß dies eine attraktive Strategie ist. Die Dividendenstrategie ist meiner Meinung nach weiter im Vormarsch. Das Thema private Altersvorsorge zeigt, daß der Bedarf da ist. Viele Anleger haben ja erst mit dem Börsengang der Telekom gelernt, daß man sein Geld in Aktien investieren kann. Sehr schnell kam der Neue Markt, jeder setzte auf Wachstumswerte.

Dann ist die Blase ist geplatzt.

Genau. Danach wollten alle nur noch Dividende haben. Inzwischen sind die Extreme vorbei. Jetzt sehen wir, daß Dividende und Wachstum kein Widerspruch sein müssen. Eon bietet mit seinem Plan, Endesa zu übernehmen, ein sehr gutes Beispiel. Es geht eben nicht nur um Dividende, sondern auch um Wachstum.

Für welche Anleger ist das Produkt interessant?

Eigentlich für alle.

Alle?

Ja, abhängig vom Alter und der individuellen Risikoneigung. Junge Anleger sollten noch einen größeren Teil ihres Vermögens in risikoreichere Aktiensegmente investieren und daher nur einen kleineren Teil in Dividendentitel. Mit steigendem Alter sollte das Risiko reduziert werden. Die Dividende bietet ein Stück Sicherheit insbesondere in Zeiten, in denen sich die Kurse nicht so gut entwickeln.

Ist es nicht besser, noch auf Wachstumswerte zu setzen, solange die Hausse intakt ist, und erst dann auf dividendenstarke Titel umzusteigen, wenn dem Bullenmarkt die Luft ausgeht?

Wenn das Timing so einfach wäre, hätte bestimmt kein Anleger während des Bärenmarktes von 2000 bis 2003 Geld verloren… Auch die Jahre 2003 bis 2005 waren sehr unterschiedlich: 2003 hätte man auf Asien setzen müssen, 2004 auf Dividenden, 2005 auf Öl. Sicher können Anleger kurzfristig auf solche Trends setzen. Sie sollten aber nicht das Gesamtprofil ihrer Geldanlage aus den Augen verlieren. Oder würden Sie derzeit alles auf Rohstoffe setzen?

Nein.

Also: Dividendenfonds sind ein Basisbaustein für jedes Portfolio.

Seit Januar sind Sie auch für den Fonds „European Equity Yield“ zuständig. Der war in den vergangenen Jahren nicht besonders gut. Was lief da falsch?

Das ist ein konvertiertes Produkt. Der Fonds setzt erst auf dividendenstarke Titel, seit ich das Management am 1. Dezember übernommen habe. Die Umstrukturierung ist seit Ende 2005 abgeschlossen.

Viele Anleger werden froh sein, schließlich blieb der Fonds hinter dem Wettbewerb zurück.

Dazu kann ich nichts sagen.

Zahlreiche Unternehmen zahlen Dividende. Wie wählen Sie Ihre Aktien aus?

Wir prüfen von 5.600 Aktien zunächst einige technische Details: Die Liquidität darf nicht zu klein sein, außerdem schauen wir auf die Dividendenrendite und die Qualität der Dividende. Das Unternehmen darf nicht alles ausschütten, sonst kann es nicht investieren. Die 400 verbleibenden Aktien unterziehen wir einer qualitativen Analyse. Die Frage ist, ob das Unternehmen gerüstet ist, in Zukunft ein überproportionales Gewinnwachstum zu leisten. Übrig bleiben 70 bis 80 Aktien.

Verraten Sie unseren Lesern, welche Werte im Portfolio liegen?

Keine Aktie hat eine Gewichtung von mehr als 3,5 Prozent, um eine breite Diversifizierung zu gewährleisten. Zu unseren größten Werten gehören Finanzwerte, etwa Société Générale aus Frankreich, Banco Santander Central aus Spanien und zwei irische Banken, Bank of Ireland und Allied Irish Banks.

Nicht nur Banken, auch Versorger zahlen hohe Dividenden.

Richtig. Der französische Versorger Suez sollte gestärkt aus der jetzt laufenden Konsolidierung der Branche hervorgehen, darum habe ich diese Aktie im Portfolio. Übrigens sind auch einige italienische und französische Medienwerte interessant. Die sind in den vergangenen Jahren zwar nicht so gut gelaufen, jetzt zieht der Markt aber an. Darum halten wir auch die Aktie des französischen Fernsehsenders M6 Métropole.

Das Gespräch führte Bernd Mikosch.

Quelle: @bemi
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