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Energie Dient der Terminmarkt zur Ölpreisprognose?

06.02.2007 ·  Einer Regierungsstudie zufolge könnte der Terminmarkt ein guter Indikator für die zukünftiger Preisentwicklungen bei Öl sein. Die aktuelle Indikation zeigt nach oben.

Von Peter Coy
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Da dachte man eben noch, die Ölpreise legten eine Verschnaufpause ein, da preschten sie schon wieder vor und schlossen am 1. Februar bei über 57 Dollar pro Barrel, nachdem sie erst zwei Wochen zuvor kurzzeitig unter die Marke von 50 Dollar gefallen waren.

Doch es gibt noch weitere schlechte Nachrichten. Eine von vier Volkswirten im Dienste der Regierung durchgeführte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass einem altgedienten, bislang jedoch kaum verwendeten Indikator für die Ölpreisentwicklung mehr Beachtung geschenkt werden sollte: dem Terminmarkt. Und dieser Indikator - so unvollkommen er auch ist - prophezeit, dass die Preise voraussichtlich auf etwas über 60 Dollar pro Barrel ansteigen und anschließend mehrere Jahre auf diesem Niveau verharren werden.

Eine Vorabversion der bislang unveröffentlichten Studie wurde BusinessWeek.com von deren Autoren zur Verfügung gestellt, die für die amerikanische Terminmarkt-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) tätig sind. Die Studie spiegelt die Meinungen der CFTC-Mitarbeiter, nicht jedoch zwangläufig jene der Aufsichtsbeamten wider. Nach Angaben der Autoren soll diese Studie in der kommenden Woche auf der CFTC-Website veröffentlicht werden.

Die von den Mitarbeitern durchgeführte Studie widmet sich einer zentralen Frage: Wie sieht die langfristige Entwicklung der Ölpreise aus? Zwischen Geologen, Ökonomen, Managern von Ölunternehmen und anderen Akteuren herrschen gewaltige Meinungsunterschiede. Einige Experten prophezeien einen baldigen Anstieg der Ölpreise auf 200 Dollar pro Barrel, da die weltweite Produktion ihren Höhepunkt überschritten habe und einer rückläufigen Entwicklung Platz mache, während andere wiederum einen Preisverfall auf 20 Dollar prognostizieren und dies mit einer massiven Überproduktion begründen. Nichts Genaues weiß man nicht, und obwohl auch die Preise auf dem Terminmarkt in der Vergangenheit heftige Schwankungen zeigten, lässt sich nicht leugnen, dass Rohstoffmärkte die kollektive Einschätzung zahlreicher kluger Köpfe widerspiegeln, die mit ihrem eigenen Geld direkt involviert sind.

Gefragt sind präzise Prognosen

Die Ölpreisschwankungen 2006 bescherten der amerikanischen Unternehmenswelt große Gewinner, aber auch große Verlierer. So gab Exxon Mobil am 1. Februar einen Jahresüberschuss für 2006 in Höhe von 39,5 Milliarden Dollar bekannt - der größte Unternehmensgewinn aller Zeiten, und das, obwohl der fallende Ölpreis in der zweiten Jahreshälfte für sinkende Erlöse im vierten Quartal sorgte. Royal Dutch Shell verzeichnete einen Jahresüberschuss von 25,6 Milliarden Dollar. Auf der anderen Seite dämpfte der hohe Ölpreis die Popularität von Geländewagen (SUVs) und Pick-Ups zum Leidwesen von Automobilherstellern wie Ford, der im vergangenen Jahr ein Minus von 12,7 Milliarden Dollar einfuhr - der größte Verlust in der Firmengeschichte. Ford-Vorstandschef Alan Mulally zufolge vollzieht das Unternehmen eine Wende hin zu sparsameren Fahrzeugen: „Wir sind uns unserer geschäftlichen Realität voll bewusst und handeln entsprechend.“

Ford hätte 2006 erheblich weniger Geld verloren oder vielleicht sogar einen Gewinn erzielt, wenn seine langfristigen Benzinpreisprognosen präziser gewesen wären. Auch Unternehmen des Alternativenergiesektors sind auf genaue Vorhersagen angewiesen, da bei zu niedrigen Ölpreisen Geld verloren geht und die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte leidet. Aus diesem Grund, so erzählt CFTC-Chefvolkswirt James Overdahl, wurde er unter anderem vom Internationalen Währungsfonds mit der Frage konfrontiert, was Regierungen unternehmen könnten, um die Entwicklung des aktiven Handels mit länger laufenden Futures zu fördern. Overdahl ist jedoch davon überzeugt, „dass das auf die eine oder andere Weise von selbst geschehen wird.“

Im Mittelpunkt der CFTC-Studie steht die Terminbörse New York Mercantile Exchange (Nymex) und der Rohölhandel mit Öl-Futures, also Kontrakte zum Kauf oder Verkauf von Öl zu einem festgelegten Preis an einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft. Viele Händler nutzen die Preise der Nymex als Barometer für die weltweiten Erwartungen der zukünftigen Ölpreisentwicklung. Jahrelang erschöpfte sich der Handel auf diesem Markt fast ausschließlich in kurz- oder mittelfristigen Terminkontrakten. Das Handelsvolumen bei Futures-Kontrakten zur Öllieferung nach mehr als drei Jahren war derart gering, dass die Signale des Marktes unzuverlässig waren und weitestgehend vernachlässigt wurden. Aufgrund des dünnen Marktes führte bereits ein einziger großer Handelsabschluss zu deutlichen Preisausschlägen nach oben oder unten.

Zusammenhang mit dem Öl-Swap-Markt

Der Terminmarkt hat sich seit 2000 jedoch weiterentwickelt, das Volumen der offenen langfristigen Kontrakte ist gestiegen und die Preise für langlaufende Futures werden von den Marktteilnehmern mittlerweile als verlässlicherer Indikator für die zukünftige Entwicklung des Ölpreises angesehen, so das Ergebnis der CFTC-Studie der Autoren Michael Haigh (assoziierter Chefvolkswirt), Jeffrey Harris (beratender Volkswirt und Professor an der University of Delaware), James Overdahl und Michel Robe (beratender Volkswirt und Professor an der American University).

Wie lauten nun also die Prognosen des Terminmarktes? Am 1. Februar beliefen sich die Preise an der Nymex zur Lieferung im März 2007 auf 57 Dollar. Die Preise zur Lieferung im März 2008 betrugen 63 Dollar und etwa 62 Dollar für die darauffolgenden Monate bis Ende 2012. Der Handel mit vielen der länger laufenden Kontrakte ist auch gegenwärtig noch dünn bis nicht vorhanden, es finden jedoch zahlreiche Aktivitäten bei dem längsten Kontrakt mit Fälligkeit im Dezember 2012 statt.

Die Nymex ist indes bei weitem nicht der einzige Ort, an dem langfristige Ölpreisvereinbarungen getroffen werden. Das Handelsvolumen an der Nymex scheint sogar vor allem aufgrund des Zusammenhangs der Terminbörse mit dem großen Öl-Swap-Markt zu wachsen. Dieser globale Markt ist keine Börse, sondern ein Over-the-Counter-Markt, der von einigen der weltgrößten Banken betrieben wird. In einem typischen Swap-Geschäft legt eine Partei den Preis für Öl zu einem bestimmten Datum in der Zukunft fest, während sich die Gegenpartei verpflichtet, diesen Preis unabhängig von dem an diesem Datum herrschenden Marktpreis zu zahlen.

Nützliche Langfristprognosen

Der CFTC-Studie zufolge ist der größte Zuwachs bei offenen langfristigen Positionen von Öl-Swap-Händlern an der Nymex zu verzeichnen, die Futures-Kontrakte vermutlich zur Absicherung der Risiken ihrer Swap-Geschäfte einsetzen. Nach Angaben der CFTC stieg die Anzahl ihrer offenen Positionen zwischen 2000 und 2006 um 481 Prozent auf durchschnittlich 14.600 Kontrakte. Die offenen Hedge-Fonds-Positionen nahmen im gleichen Zeitraum um 999 Prozent auf durchschnittlich 11.200 Kontrakte zu. Da jeder Kontrakt für 1.000 Barrel steht, entsprechen 14.600 Kontrakte einem Ölvolumen im Wert von mehr als 800 Millionen Dollar. Die Studie ergab, dass Händler von Hedge-Fonds und Swaps im vergangenen Jahr gemeinsam über 40 Prozent der offenen Positionen bei langlaufenden Futures stellten.
Aufgrund des Zusammenhangs des Termin- und des Swap-Marktes ist es wenig verwunderlich, dass die Preise auf dem Swap-Markt die selben Preiserwartungen widerspiegeln. Nach Angaben des Finanzdienstleisters Bloomberg Financial Markets, der Händler zu ihren Preisen befragt, wurde Rohöl der Sorte West Texas Intermediate auf dem Swap-Markt für den Zeitraum 2008 bis 2011 zu 61 oder 62 Dollar gehandelt.

ußerhalb der CFTC wird die Entwicklung auf dem Markt für langlaufende Öl-Futures vorsichtig positiv aufgenommen. Jan Stuart, ein auf Öl spezialisierter Volkswirt für die Aktienanalyse der Investmentbank UBS, sagt, dass sich die Nymex als Quelle nützlicher langfristiger Preisprognosen „zu entwickeln beginnt“. Sollte diese Entwicklung anhalten, „wäre dies für mich sehr wertvoll“, so Stuart.
Philip K. Verleger Jr., Volkswirt mit Schwerpunkt auf Energiemärkte und Chef des amerikanischen Beratungsunternehmens PKVerleger, ist noch skeptisch über die Prognosekraft der Nymex-Futures. Er räumt einem anderen Marktindikator größeres Gewicht ein: dem 1989 aufgelegten und an der New Yorker Börse gehandelten BP Prudhoe Bay Royalty Trust. Die auf Lizenzeinnahmen basierende Struktur dieses Fonds macht ihn bei Anlegern zum Objekt für Spekulationen über die zukünftige Entwicklung des Ölmarktes. Wie sich jedoch herausstellt, sendet der BP-Fonds ähnliche Signale aus. Verleger zufolge deuten die aktuellen Preise auf Erwartungen hin, dass die Ölpreise ausgehend vom gegenwärtigen Niveau drei Prozent pro Jahr ansteigen werden.

ie Termin- und Swap-Märkte sind sicherlich keine perfekten Propheten der zukünftigen Ölpreisentwicklung. Letztlich zeigten die Preise für langlaufende Futures im vergangenen Jahr zumindest ebenso starke Schwankungen wie die Kassapreise, und signalisieren damit enorme Unsicherheit. Die kollektive Weisheit des Marktes liefert indes vielleicht die besten verfügbaren Prognosen. Deshalb ist die Vertiefung langfristiger Märkte eine gute Nachricht, unabhängig davon, in welche Richtung der Preisindikator zeigt.

Peter Coy ist Wirtschaftsredakteur bei BusinessWeek.

Quelle: Businessweek Online
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