12.09.2006 · Die Gebühren für Wertpapiergeschäfte sind derzeit um ein Viertel niedriger als im Jahr 2000. Hauptgrund dafür sind die günstigen Angebote der Direktbanken. Sie sind aber nur für erfahrene Anleger zu empfehlen. Mit F.A.Z.-Tabellen.
Der Transaktionskostenindex für den Aktienhandel im Internet hat im September den tiefsten Stand seiner Geschichte erreicht. Mit einem Wert von 74,67 Punkten liegt er damit deutlich unter seinem Startwert von 100 aus dem Jahr 2000. Der Aktienhandel im Internet ist damit rund ein Viertel billiger als noch vor sechs Jahren. „Wir rechnen damit, daß der Index noch weiter fallen wird“, sagt David Ernsting, Herausgeber von Broker-Test.de und Ermittler des Indexes. Broker-Test.de berechnet seinen Transaktionskostenindex monatlich seit dem Jahr 2000 auf Basis der Kosten des Aktienhandels bei Online-Brokern.
Der Kampf um den Kunden ist bei den Online-Banken in vollem Gange. Hohe Tagesgeldzinsen, Gutscheine, Geschenke und Gebührenreduzierung winken den Neukunden. Bereits zehn Millionen Deutsche sind Kunden einer Direktbank, hat das Marktforschungsinstitut Infas TTR ermittelt und rechnet bis zum Jahr 2012 mit einer Steigerung auf 18 Millionen Kunden. Direktbanken sind dadurch gekennzeichnet, daß sie alle Geschäfte nur per Internet, Telefon oder Fax anbieten. „Wer zu einem Online-Anbieter wechselt, sollte sich am Kapitalmarkt auskennen und wissen, was er will“, sagt Petra von Rhein von der Verbraucherzentrale Bayern. Denn: Die Online-Banken verzichten ganz oder teilweise auf Beratung. Der Kunde muß sich selbst heraussuchen, welche Wertpapiere er kaufen möchte, und dies dann im Internet auch durchführen. „Der erfahrene Anleger, der keine Beratung braucht, kann so viel Geld sparen“, sagt von Rhein.
Auch Depotverwaltung bei Online-Banken billiger
Gut 5 Euro kostet jeder Wertpapierhandel bei Directa, kaum 7 Euro bei Flatex und rund 10 Euro bei der Citibank. Eine Aktienorder mit einem Kurswert von 10.000 Euro würde demgegenüber bei einer großen deutschen Filialbank ein Prozent vom Kurswert kosten, also 100 Euro. „Andere Filialbanken und Sparkassen haben ähnliche Konditionen“, sagt Sigrid Herbst von der FMH-Finanzberatung. Bei mehreren Ordern im Jahr kommen so für den Bankkunden beträchtliche Gebühren zusammen. Neben dem Handel ist auch die Verwaltung des Depots bei den Online-Banken günstiger. So verzichten die meisten Anbieter komplett auf eine Depotgebühr oder bieten günstige Pauschalen. Bei den Filialbanken werden abhängig vom Depotwert mitunter deutlich mehr Gebühren fällig.
Auf eine intensive Beratung müssen die Kunden einer Online-Bank jedoch oft verzichten. „Viele wünschen sich ein komplettes Beratungsangebot, aber billig muß es trotzdem sein“, sagt Herbst. „Das ist fast die Quadratur des Kreises.“ Einen kompletten Wechsel zu einer Online-Bank vollziehen daher nur wenige Kunden. So nutzen sie noch die intensive Beratung ihrer Filialbank, erledigen die Ordergeschäfte aber bei ihrer günstigen Online-Bank. Einen kompletten Wechsel inklusive Girokonto ermöglichen ohnehin nicht alle Direktbanken.
Angebot der Direktbanken wird immer größer
„Der Anleger sollte sich vor der Depoteröffnung Gedanken machen, was er handeln will, wie oft er handelt und um welche Summen es dabei geht“, sagt David Ernsting von Broker-Test.de. Dann könne er die Angebote gut vergleichen und das beste für sich heraussuchen. „Günstiger als bei einer Filialbank ist es aber allemal.“ Neben den noch günstiger werdenden Konditionen wird auch das Angebot der Direktbanken größer. Mittlerweile bieten die meisten Broker neben Fonds auch Fondssparpläne an. Nur wenige, wie zum Beispiel die Directa, konzentrieren sich primär auf den Aktienhandel.
Bei der Suche des richtigen Anbieters sollte vorher auf den Service geachtet werden. Gibt es eine Service-Hotline, wie gut ist sie erreichbar und was kostet sie, sind Fragen, die der Anleger vor dem Wechsel klären sollte. Sonst ist möglicherweise das Depot übertragen, der Handel am eigenen Computer will aber ohne fremde Hilfe noch nicht so recht klappen. „Manchmal ist an der Hotline sofort ein kompetenter Mitarbeiter, bei anderen kostet es aber viele Versuche um überhaupt durchzukommen“, sagt Ernsting. Durch Ausprobieren vor dem Wechsel kann man sich hier schon einen ersten Eindruck verschaffen.
Hat sich der Kunde einmal zu einem Wechsel entschieden, geht dieser meist glatt. „Die Anbieter haben ja ein Interesse daran, daß neue Kunden zu ihnen kommen“, sagt Sigrid Herbst. „Daher organisieren sie den Wechsel ziemlich gut.“ Er ist meist kostenlos und vollzieht sich innerhalb weniger Tage. Auch mit Sicherheitsproblemen haben Anleger beim Online-Handel nicht zu rechnen. Schlüsseldisketten, persönliche Identifikationsnummern (PIN) und Transaktionsnummern (TAN) sorgen für die nötige Sicherheit. Wer seine Zugangsdaten nicht sorglos in der Gegend herumliegen läßt, bekommt in aller Regel keine Probleme.