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Freitag, 17. Februar 2012
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Charttechnik Ist der Dollar-Verfall gestoppt?

25.04.2007 ·  Nach dem Verfall des Wertes gegenüber anderen Währungen könnte der Dollar in der Nähe einer wichtigen Chartunterstützung angelangt sein. Zahlreiche Aktienindizes sind auf neue Allzeithochs vorgestoßen, derweil sich Rohöl in einem gemäßigten Hausse-Szenario befindet.

Von Mark Arbeter, S&P
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Der S&P-500 brach vergangene Woche zu einem neuen Erholungshoch auf, während die Indizes Dow Jones Industrials, Dow Jones Transportation, Dow Jones Utilities, S&P Small Cap 600 und S&P Mid Cap 400 auf neue Allzeithochs vorstießen.

Der Neigungswinkel der seit Mitte März währenden Rally des S&P-500 ist nach wie vor relativ steil. Sollte sich dieser Kursverlauf fortsetzen, würde dies in eine Kursexplosion nach oben münden. Währenddessen signalisieren die Charts eine mittelfristige Bodenbildung des amerikanischen Dollars, während sich Rohöl in einem gemäßigten Hausse-Szenario befindet.

Für ein Top fehlt die Euphorie

Seit seinem zweiten Tief am 13. März hat der S&P-500 in 27 Handelstagen fast acht Prozent wettgemacht. Diese seit Dezember 2004 beste Wertentwicklung in einem 27-Tage-Zeitraum erfolgt in einer Zeit, in der unter anderem Gewinnzuwächse, Wirtschaftswachstum, Häusermarkt, Rohölpreise und Entwicklungen an chinesischen Börsen mit einiger Sorge beobachtet werden. Solange diese Besorgnis anhält und viele Anleger dieser Rally skeptisch gegenüberstehen, dürfte nach unserer Ansicht ein mittel- oder langfristiges Top nicht in Sicht kommen. Markt-Tops entstehen durch Euphorie, die wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch nicht sehen.

Stattdessen sehen wir in der aktuellen Kursstruktur des S&P-500 in Gestalt des Steigungswinkels der Aufwärtsbewegung sowohl bullische als auch bärische Signale. Steile Neigungswinkel gehen mit guten Gewinnen in kurzer Zeit einher, sind jedoch langfristig nicht haltbar. Manchmal, nicht immer, münden sie in rasche Abwärtsbewegungen, da auf dem Weg nach unten nur geringe Chartunterstützung vorhanden ist.

Die Art der jüngst erwähnten Kursexplosion ist allerdings nicht mit jener vergleichbar, die der Nasdaq-Index in den späten Neunzigerjahren ausbildete. Sie stellt ein eher kurzfristiges Phänomen dar, das ein oder zwei Monate lang anhält. Wir werden nachfolgend einige unserer früheren Ansätze überprüfen und den bisherigen Entwicklungsverlauf beobachten.

Verschiedene Phasen einer Hausse

Eine unsere Kernaussagen war, dass es verschiedene Phasen eines Hausse-Marktes zu geben scheint, die sich auf mittlere Sicht durch den Neigungswinkel der Aufwärtsbewegung definieren lassen. Am Anfang vieler Hausse-Märkte ist der Neigungswinkel sehr steil, beispielsweise während der Kursentwicklung zwischen März 2003 und März 2005. Von März 2004 bis Juli 2006 nahm der Anstiegswinkel dagegen ab.

Seit dem mittelfristigen Boden im vergangenen Sommer hat sich der Neigungswinkel des Hausse-Marktes jedoch zwei Mal erhöht, wobei eine Versteilung des Aufwärtstrends nach den Tiefs Mitte März einsetzte.

Es gibt einige Beispiele kleinerer Kursexplosionen, an denen wir die Geschwindigkeit von Marktanstiegen beobachten und Vergleiche mit der aktuellen Aufwärtsbewegung ziehen können. Im Jahr nach dem Tief des derzeitigen Vierjahreszyklus' kam es zu zwei kleinen Ausbrüchen nach oben. Beide traten zudem nach einer kleinen Konsolidierung auf, die nach einem Kursanstieg bei geringer Volatilität einsetzte.

Historischer Korrekturbedarf

Der erste Ausbruch ereignete sich 1995/96, als der S&P-500 in 23 Handelstagen um 10,5 Prozent nach oben schoss. Der zweite erfolgte Ende 2003/Anfang 2004, als der S&P-500 in 55 Handelstagen um 12 Prozent nach oben stieg. Wenn wir einen einfachen Durchschnitt dieser beiden Ereignisse bilden, würde dies einer Rally von 11,25 Prozent entsprechen. Nach Anwendung auf das Tief vom 13. März bei 1.377,95 Punkten erhielten wir als Ziel das Kursniveau von 1.533 Zählern, nur wenige Punkte über dem Allzeithoch von 1.527,46 Stellen.

Natürlich ist dies eine unwissenschaftliche Art der Ermittlung eines Zielwerts, doch wie wir bereits in der Vergangenheit ausgeführt haben, tendiert der Markt häufig zum Rückzug, nachdem er zum ersten Mal auf ein wichtiges früheres Hoch vorgestoßen ist. Daher wäre es (unter der Annahme einer Fortsetzung der Rally) sicherlich nicht überraschend, wenn der Markt nach Erreichen alter Höchststände eine Rückkehrbewegung oder Korrektur zeigt.

Ein weiteres Beispiel, das als große Kursexplosion des Marktes eingestuft werden kann und deutliche Ähnlichkeiten in punkto Kursentwicklung sowie auf Basis zyklischer Analyse aufweist, können wir im Jahr 1987 beobachten. Die damalige Zeitspanne und das seinerzeitige Chartmuster stimmen relativ genau mit der heutigen Entwicklung überein. Das Jahr 1986 war ein Tief des Vierjahreszyklus', in dem wir keinen Baissemarkt verzeichneten, genau wie 2006. Der Hausse-Markt befand sich in seinem fünften Jahr, genau wie heute. Anfang 1987 explodierte der S&P-500 um 24,5 Prozent in weniger als drei Monaten.

Wie vor zwanzig Jahren

Dies ist zweifellos ein weitaus größerer und schnellerer Zuwachs als jener der gegenwärtigen Aufwärtsbewegung seit den Tiefs im Sommer 2006. Der Index ging daraufhin relativ schnell in eine Konsolidierung über und gab in sechs Handelstagen 7,5 Prozent ab. Dies ähnelt in gewisser Weise der Entwicklung, die wir Ende Februar/Anfang März erlebten. Der Markt bildete anschließend einen Doppelboden, brach aus und startete einen neuerlichen Test der Tiefs. Schließlich explodierte der S&P-500 und stieg in 67 Tagen um 21 Prozent auf das Top des Jahres 1987.

Während sich der S&P-500 auf seinem höchsten Stand seit September 2000 befindet, sehen wir nach oben nur äußerst geringen und unspektakulären Chartwiderstand. Als nächstes tritt ein von den Hochs seit Oktober 2006 abgeleiteter Trendlinienwiderstand auf, der gegen Ende April bei 1.509 Punkten ins Spiel kommt. Der zweite mögliche Widerstand gründet sich auf die Fibonacci-Analyse und basiert auf der Spanne der letzten Rückkehrbewegung. Dieses erste Fibonacci-Ziel liegt mit 1.521,88 Zählern nur knapp unterhalb des Allzeithochs.

Auf sehr kurze Sicht, vielleicht schon in der kommenden Woche, sehen wir Potential für eine leichte Rückkehrbewegung. Der S&P-500 kletterte in sechs der jüngsten sieben Tage und in 12 der vergangenen 14 Tage nach oben und ist auf sehr kurze Sicht äußerst stark überkauft.

Dollar-Index nähert sich kritischen Unterstützungen

Der Dollar-Index gelangt in die Nähe einer bedeutenden langfristigen Chartunterstützung bei 80, wobei wir von der Möglichkeit einer wichtigen mittelfristigen Bodenbildung ausgehen. Die Berechnung des Dollar-Index' erfolgt unter Zugrundlegung eines handelsgewichteten geometrischen Durchschnitts von sechs Währungen. Die hierbei verwendeten Handelsgewichte betragen 57,6 Prozent für den Euro, 13,6 Prozent für den japanischen Yen, 11,9 Prozent für das britische Pfund, 9,1 Prozent für den kanadischen Dollar, 4,2 Prozent für die schwedische Krone und 3,6 Prozent für den Schweizer Franken.

Seit Jahresbeginn 2004 bewegte sich der Dollar-Index in einem Basisbereich zwischen 80 und 92. Dieser Basisbereich folgt einem Baisse-Markt, der Anfang 2002 auf dem hohen Niveau von 120 startete. Seit November 2005 befindet sich der Dollar-Index im Abwärtstrend und bildete eine Reihe niedrigerer Tiefs und niedrigerer Hochs aus, die alle innerhalb der Grenzen des weiten Basisbereichs lagen.

Gegenwärtig hält sich der Index im Bereich um 81,60 auf, und damit nahe dem früheren Tief des Baisse-Marktes vom 30. Dezember 2004 bei 80,58. Das Tief des Jahres 2004 deckt sich zudem mit dem bedeutenden Tief von 1995, das sich ebenfalls in der Zone um 80 Punkte befand. Da dieses Niveau sehr lange gehalten wurde, betrachtet man es als langfristig kritische Chartunterstützung.

Potentiell bullische Keilformation

Zusätzlich zur Chartunterstützung nähert sich der Index einer von den Tiefs seit Mai 2006 abgeleiteten Trendlinienunterstützung. Diese potentielle Unterstützungslinie liegt bei 81,30 Punkten. Der Dollar befindet sich somit genau oberhalb bedeutender Unterstützungen.

Seit Anfang 2006 bildet der Dollar-Index eine potentiell bullische Keilformation aus. Dieses Muster besteht aus einer von den jüngsten Hochs abgeleiteten steilen Trendlinie und einer von den jüngsten Tiefs abgeleiteten Trendlinie mit eher flachem Verlauf. Zur Vervollständigung dieser Formation müsste der Index nach oben drehen und die Trendlinie der jüngsten Hochs in der Zone zwischen 83 und 84 überschreiten. Die Momentum-Indikatoren auf Tages- und Wochenbasis sind überverkauft und es haben sich einige bullische Divergenzen auf den Tagesmomentum-Charts ausgebildet.

Spannendes Öl

Der Terminmarkt scheint unterdessen auf eine obere Umkehr des Dollars und einen untere Umkehr des Euros zu wetten. Die Stärke des Euros war die treibende Kraft hinter der Schwäche des Dollars. Der „Commitments of Traders Report“ zeigt, dass die kommerziellen Hedger („Smart Money“) im Dollar netto „long“ und im Euro netto „short“ positioniert sind, wohingegen Großspekulanten („Dumb Money“) im Dollar auf Netto-Short-Positionen und im Euro auf Netto-Long-Positionen sitzen. An der Wall Street geht man von einer weiteren Dollarschwäche aus, während sich Charts und Terminmarkt auf eine gewisse Stärke des Dollars einrichten.

Rohöl-Futures werden nach einer Rückkehrbewegung auf die Trendlinienunterstützung im Bereich zwischen 63 und 64 Dollar pro Barrel gehandelt. Ausgehend von den jüngsten Hochs bei 67 Dollar tritt eine Reihe von Widerständen auf den Plan. Während wir davon ausgehen, dass das Chartmuster bullische Signale aussendet, lässt die Stimmung gegenüber Rohöl keinen großen Durchbruch nach oben vermuten. Kommerzielle Hedger haben ihre größten Netto-Short-Positionen seit vergangenem August aufgebaut, während Großspekulanten die größten Netto-Long-Positionen seit vergangenem August halten. Mit dieser Konstellation auf dem Terminmarkt dürfte beim Öl nach unserer Ansicht eine spannende Zukunft bevorstehen.

Mark Arbeter ist Charttechniker und technischer Chefstratege bei Standard & Poor's.

Quelle: Business Week Online
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