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Montag, 13. Februar 2012
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Börse Moskau In Russland stellt sich die Glaubensfrage

04.02.2009 ·  Die Kurse am russischen Aktienmarkt sind schon stark gefallen. Dank tiefer Bewertungen ist bei einer Normalisierung der Lage jederzeit eine Kursverdoppelung denkbar. Aber das politische Reizklima dürfte selbst dann manche Anleger fernhalten.

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Es ist noch gar nicht lange her, da schien Russland nur so vor Kraft zu strotzen. Das Land punktete mit Überschüssen in der Leistungsbilanz und dem Staatshaushalt, überzeugte mit den drittgrößten Währungsreserven weltweit und punktete mit einem strammen Wirtschaftswachstum.

Doch mit der Kreditkrise und dem seit Sommer drastisch eingebrochenen Ölpreis hat sich der Wind gedreht. Die russische Wirtschaft sieht sich mittlerweile einem erheblichen Sturm ausgesetzt. Ablesen lässt sich das unter anderem am Rubel, der sowohl gegenüber dem Dollar als auch zum Euro kräftig an Wert verloren hat.

Noch schlechter entwickelt haben sich die Kurse an der russischen Börse. Der RTS Index hat alleine in diesem Jahr schon wieder 19 Prozent eingebüsst. Und gemessen an dem noch am 19. Mai 2008 markierten Rekordhoch steht bei einem aktuellen Stand von 512 Punkten ein enormes Minus von 79 Prozent zu Buche.

Umfeld deutlich eingetrübt

Mit einem noch inoffiziellen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 5,6 Prozent ist Russland im Vorjahr gemessen an westeuropäischen Verhältnisse im Vorjahr zwar noch immer relativ robust gewachsen. Verglichen mit dem im Jahr 2007 verbuchten Plus war dies aber bereits ein deutlicher Einbruch. Und für dieses Jahr rechnet das Wirtschaftsministerium aktuell sogar mit einem Schrumpfen der Wirtschaft um 0,2 Prozent. Das wäre gleichbedeutend mit der ersten Kontraktion seit 1998.

Zudem stellt sich das Finanzministerium auf einen drastischen Rückgang der Haushaltseinnahmen ein. Laut Finanzminister Alexej Kudrin werden die Haushaltseinnahmen in diesem Jahr voraussichtlich um 40 Prozent auf 6,5 Billionen Rubel zurückgehen. Auf Basis der derzeitigen Planungen, die zur Erreichung eines ausgeglichenen Haushalts einen durchschnittlichen Ölpreis je Barrel von 70 Dollar zugrunde legen, droht ein Haushaltsdefizit von 6,1 Prozent gemessen am Bruttoinlandsprodukt.

Auch wenn das Öl natürlich eine sehr hohe Bedeutung hat, so lassen sich nicht alle nun auftretenden Probleme nur darauf sowie auf die Kreditkrise zurückführen. So haben sich die Unternehmen sehr stark im Ausland verschuldet . In Zeiten verstopfter Kapitalmärkte entpuppt sich dies als ernste Schwachstelle. Doch nicht nur die Unternehmen haben Fehler begangen, auch die Politik hat etliche Eigentore geschossen. Die Liste der Fehler reicht vom Krieg gegen Georgien über den Gaskonflikt mit der Ukraine bis hin zu unnötig provozierten Verstimmungen mit dem Westen.

Politik macht aus Investorensicht zu viele Fehler

Sehr fragwürdig erscheint aus Investorensicht auch das offensichtlich immer stärker werdende Eingreifen des Staates in die Wirtschaft. Immer wieder kursieren neue Gerüchte über geplante Verstaatlichungen in den als strategisch wichtig erachteten Sektoren wie etwa dem Bergbau oder der Öl-, Gas- und Stahlbranche. Hinzu kommt ein im Glauben an die Allmacht des Staates aufgebautes feindliches Klima gegen Andersdenkende. Diese Haltung bereitet zumindest geistig den Boden für Gewaltakte. Und wie die in den vergangenen Jahren begangenen Morde belegen, setzen kritische Journalisten und Anwälte mit ihrer Arbeit ihr Leben aufs Spiel.

Viele ausländische Investoren fühlen sich längst vergrault, aber auch die Russen scheinen ihrem Staat nicht wirklich zu trauen. Deutlich wird dies daran, dass nach Schätzungen der französischen Bank BNP Paribas Anleger seit August rund 290 Milliarden Dollar aus Russland abgezogen haben. Und in diesem Jahr will Kudrin eine weitere Kapitalflucht in einer Höhe von 100 bis 110 Milliarden Dollar nicht ausschließen.

Bewertungen sehen optisch sehr günstig aus

Durch den Ausverkauf russischer Vermögenswerte haben sich die Bewertungen, die den russischen Aktien zugebilligt werden, drastisch ermäßigt. So beziffert die Unicredit das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Marktes auf Basis der für 2008 erwarteten Gewinne auf sehr niedrige 2,3. Und ebenfalls sehr tief angesiedelt ist mit 0,5 das Kurs-Buchwert-Verhältnis. Diese Relationen klingen selbst dann noch außergewöhnlich niedrig, wenn für das laufende Jahr ein Gewinnrückgang von 50 Prozent unterstellt wird.

Bewertungsniveaus dieser Art, die nicht nur historisch, sondern auch im internationalen Vergleich günstig anmuten, bergen natürlich enormes Kurspotential. So ist jederzeit eine Kursverdoppelung denkbar, sofern sich entweder der Ölpreis erholt oder die Risikoaversion bei den Anlegern wieder zunimmt.

Gleichzeitig gibt es neben den vielen ungelösten Probleme einen intakten charttechnischen Abwärtstrend. Das macht die Wahl des richtigen Einstiegszeitpunktes schwierig. Manche Marktteilnehmer werden sich diese Frage aber möglicherweise aber überhaupt nicht mehr stellen wollen. Denn wer Probleme mit dem aufgezeigten politischen Reizklima hat, wird sich vermutlich auch moralisch fragen, ob das Geld langfristig wirklich gut in Russland aufgehoben ist.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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