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Bilanzregeln Mangelnde Transparenz in der Zeitwert-Bilanzierung

26.03.2009 ·  Die Finanzkrise stellt die internationalen Bilanzierungsregeln auf den Prüfstand. Die unterschiedlichen Regeln in Amerika und Europa machen einen Vergleich jedoch unmöglich

Von Markus Frühauf
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Ein wichtiges Thema des G-20-Gipfels in London werden die Bilanzierungsregeln sein. Denn das Dogma der Bewertung zum aktuellen Zeitwert, dem so- genannten Fair Value, ist durch die Finanzkrise auf den Prüfstand gestellt worden. Zum einen ist die Fair-Value-Bilanzierung prozyklisch: Nach Kursverlusten müssen die Banken ihre Wertpapierbestände abwerten. Dem können sie entfliehen, wenn sie die Wertpapiere verkaufen. Dies beschleunigt aber den Kursverfall.

Zum anderen wird die durch die Zeitwert-Bilanzierung erhoffte Transparenz in Frage gestellt, wenn für bestimmte Wertpapierkategorien keine Preise mehr an den Märkten festgestellt werden können. Dies ist beispielsweise der Fall bei Wertpapieren, die mit Forderungen besichert sind. Die Investoren haben diesen Kreditverbriefungen ihr Vertrauen entzogen. Nun sollen Bewertungsmodelle wie etwa das Verfahren der abdiskontierten Zahlungsströme einen Ausweg bieten. Doch diese Modelle basieren auf Annahmen: So muss etwa der Zins festgelegt werden, mit dem die in Zukunft aus einem Wertpapier erwarteten Zahlungsströme abdiskontiert werden. Dadurch eröffnen sich für die Bilanzierenden Bewertungsspielräume.

Von einheitlichen Regeln für die bilanzierenden Unternehmen kann auch auf anderer Ebene nicht die Rede sein. Zwar gilt das Dogma der Fair-Value-Bilanzierung sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten, doch der Teufel steckt im Detail - und die Unterschiede können gravierend sein: Bei der Deutschen Bank sind es 1,2 Billionen Euro Bilanzsumme.

Nach den internationalen Bilanzregeln IFRS, die für europäische Unternehmen verbindlich sind, hat die Deutsche Bank eine Bilanzsumme von 2,2 Billionen Euro. Setzt sie aber die amerikanischen US-GAAP an, schmilzt die Bilanzsumme auf nur noch eine Billion Euro. Die unvorstellbar große Differenz resultiert aus der zwischen den beiden Bilanzierungssprachen unterschiedlichen Behandlung von Derivaten. Diese können gemäß US-GAAP mit Gegenpositionen verrechnet werden, wodurch die Bilanzsumme deutlich geringer wird.

Der Transparenz stehen darüber hinaus die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Bewertung eigener Schulden entgegen. Amerikanische Banken können dann einen positiven Ergebniseffekt ausweisen, wenn der Marktwert ihrer Schulden gesunken ist. In diesem Fall sinkt der Rückkaufswert der eigenen Verbindlichkeiten, wodurch sich ein positiver Ergebniseffekt ergibt. Dieser Ergebniseffekt kann mehrere Milliarden Euro ausmachen. Am höchsten müsste er sein, wenn die eigenen Schulden einen Marktwert von nahe null haben. Das wäre bei der Insolvenz der Fall. Dies verdeutlicht, wie realitätsfern diese Regel ist.

Neue Lösungen für die Schwächen in der Zeitwert-Bilanzierung werden die Regierungen auf dem Londoner Gipfel kaum vorstellen können. Dazu ist die Thematik zu komplex. Doch wären Leitplanken wünschenswert: Die Divergenzen zwischen US-GAAP und IFRS sollen abgebaut werden. Die Reform der Fair-Value-Bilanzierung muss darüber hinaus auf eine weltweit einheitliche Bilanzierungssprache zielen. Denn einen Vorteil haben die durch die Finanzkrise aufgedeckten Schwächen in der Bilanzierung: Es gibt sie auf beiden Seiten des Atlantiks. Ein gemeinsamer Lösungsansatz kann die Grundlage für die Konvergenz der beiden Bilanzierungsstandards sein. maf.

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