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Anlage-Strategie Frühere Rezessionsjahre bescherten dem Dax kräftige Gewinne

28.11.2008 ·  In Deutschland droht 2009 das sechste Rezessionsjahr seit 1965. Doch für sich alleine betrachtet muss das für den Aktienmarkt keine Hiobsbotschaft sein. Denn in früheren Rezessionsjahren ging es mit dem Dax aufwärts.

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Die Konjunkturaussichten für 2009 sind schlecht. In Deutschland droht im kommenden Jahr das sechste Rezessionsjahr seit 1965. Alleine deswegen müssen die Anleger die Flinte aber nicht gleich ins Korn werfen. Schließlich überraschte der Dax in den früheren Rezessionsjahren 1967, 1975, 1982, 1993 und 2003 mit einer positiven Kursentwicklung (siehe Grafik). Anders als die Wirtschaft hat sich der Dax in diesen Jahren sehr positiv entwickelt. Im Verlauf von 1967 stieg der Index um 49 Prozent, 1975 um 40 Prozent, 1982 um 14 Prozent, 1993 um 47 Prozent und 2003 um 37 Prozent.

Laut Analyst Andreas Hürkamp von Commerzbank Corporate Markets ist die Erklärung hierfür einfach: Der negative Konjunkturausblick wurde von den Aktienmärkten regelmäßig vor den Rezessionsjahren verarbeitet. So sank der Dax 1966 um 20 Prozent, 2002 um 44 Prozent und 2008 um bislang 40 Prozent. Auch 1974 (+ein Prozent), 1981 (+zwei Prozent) und 1992 (-zwei Prozent) zeigte der Dax vor einem Rezessionsjahr eine unterdurchschnittliche Entwicklung.

Alles hängt von der Konjunktur im Jahr 2010 ab

Nach Einschätzung von Hürkamp wird sich 2009 ein ähnliches Performance-Muster beim Dax nur dann wiederholen, wenn es Anzeichen für eine konjunkturelle Belebung in Deutschland im Jahr 2010 gibt. Ein Blick nach Amerika zeigt dabei, dass die alles entscheidende Frage für die Aktienmärkte sein wird, ob sich die Konjunktur nach dem Rezessionsjahr 2009 im darauf folgenden Jahr wieder erholen wird. In Amerika konnte sich der S&P 500 Index in den Rezessionsjahren 1954 (+45 Prozent), 1958 (+38 Prozent), 1975 (+32 Prozent), 1980 (+26 Prozent), 1982 (+15 Prozent) und 1991 (+26 Prozent) deutlich erholen. Das Rezessionsjahr 1974 war jedoch eine wichtige Ausnahme, der S&P 500 Index fiel um 30 Prozent. Das Problem für die Aktienmärkte war, dass es mit 1974 und 1975 zwei Rezessionsjahre in Folge gab.

Das Rezessionsjahr 2009 wird daher laut Hürkamp nur dann eine Erholung an den Aktienmärkten bringen, falls 2010 tatsächlich eine Rückkehr zum Wirtschaftswachstum gelingt und sich dies im kommenden Jahr bereits abzeichnet. Die Gewinne werden im Rezessionsjahr 2009 sehr enttäuschen. Aufgrund des Einbruchs des Ifo-Index und der weiteren Verschärfung der Finanzkrise - unter anderem der erneute Einbruch der ABX-Indizes - wurden bei der Commerzbank die Gewinnerwartungen für den Dax in 2009 nochmals von 400 auf 325 Indexpunkte gekürzt (aktueller I/B/E/S-Konsensus 574). In diesem Szenario werden die Dax-Gewinnerwartungen für 2009 seit dem Hochpunkt von 725 Indexpunkten im Vorjahr um insgesamt 55 Prozent nach unten revidiert werden.

Trotz Rezession und anhaltender Gewinnenttäuschungen sind die Analysten bei Commerzbank Corporate Markets davon überzeugt, dass der Dax in dieser Krise im Bereich von 4.000 Indexpunkten seinen Boden finden wird. Zur Begründung heißt es, in diesem Bereich bewege sich das Preis-Buchwert-Verhältnis des Dax bei unter 1,0. Zudem falle auf diesem Dax-Niveau das Unternehmenswert-Umsatz-Verhältnis für einen Großteil der Dax-Unternehmen - unter anderem Adidas, BASF, Daimler, Dt. Post, Henkel, Lufthansa, Metro und Thyssen Krupp - auf oder unter das Krisenniveau von 2002/03.

Alles hängt letztendlich an Tiefe und Dauer der Konjunkturschwäche

Allerdings hängt wie schon angedeutet alles davon ob, wie schnell sich die angeschlagene Konjunktur wieder erholen kann. Die scharfen Kurseinbrüche legen dabei die Vermutung nahe, dass nicht wenige Marktteilnehmer mit einer länger andauernden Wirtschaftsschwäche oder vielleicht sogar mit einer Depression rechnen.

Beim Versuch, die Dax-Performance in früheren Rezessionen auf die aktuelle Situation zu projezieren ist auch noch zu bedenken, dass für kommendes Jahr die Konjunkturprognosen pessimistisch sind. Trifft die Prognose von Commerzbank Corporate Markets zu, wonach die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr um 1,2 Prozent schrumpfen wird, dann wäre das nämlich ein deutlich tieferer Einschnitt als früher. Den stärksten Konjunkturabschwung gab es mit -0,9 Prozent und -0,8 Prozent in den Jahren 1975 und 1993 zu verzeichnen. In den Jahren 1982, 1967 und 2003 sank das Bruttoinlandsprodukt jeweils nur um -0,4 Prozent, -0,3 Prozent und -0,2 Prozent.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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