13.02.2009 · Betrachtet man die jährliche Entwicklung des amerikanischen Aktienmarkts seit 1825 ergeben sich einige interessante Rückschlüsse für die zukünftige Entwicklung. Treibt man die Analogie auf die Spitze könnte das Schlimmste überstanden sein und ab 2013 gute Jahre bevorstehen.
Das Jahr 2008 war ein verheerendes Aktienjahr. Genauer gesagt, das zweitverheerendste Jahr der Börsengeschichte seit 1825. Nur das Jahr 1931, in dem die Weltwirtschaftskrise endgültig zur Bankenkrise mutiert und der Welthandel fast zusammengebrochen war.
Das ist insofern eine gute Nachricht, möchte man meinen, als es ja dann wohl kaum schlimmer kommen kann. Doch das könnten die Börsianer 1930 im zweiten Jahr der damaligen Baisse und dem sechstschlimmsten Aktienjahr überhaupt, auch geglaubt haben - dann kam das Jahr 1931 (siehe Infografik).
Nur neun lange Baissen
Hoffnungen könnte da eher geben, dass es in den 184 betrachteten Jahren überhaupt nur 9 mehrjährige Baissen gab, von denen sich lediglich 4 über mehr als ein Jahr erstreckten und dass 55 schlechten 129 gute Jahre gegenüber stehen, mithin also 2,35 guten nur ein schlechtes Jahr gegenüber steht.
Das ist auch recht einfach zu erklären: Es ist ungleich schwerer, mit fallenden Kursen Geld zu verdienen. Also setzen die meisten darauf, dass sie steigen. Und diese optimistische Haltung wirkt sich sehr langfristig aus. Insofern lässt sich mit Aktien durchaus Geld verdienen, wenn der Atem nur lang genug ist.
Die Zahl der Baissen verteilt sich auf die Jahrzehnte überraschend gleichmäßig (siehe Infografik). Heraus stechen allerdings die Dreißiger Jahre, in denen es ausnahmsweise mehr Baisse als Haussejahre gab. Und da die Vierziger her zu den schwächeren Jahrzehnten gehörten, waren die „Goldenen Zwanziger“ bald vergessen.
Baissen haben es in sich
Das sind allerdings dann schlechte Nachrichten, wenn man davon ausgeht, dass sich die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise tatsächlich zur „Zweiten Großen Depression“ auswächst. Denn die Achtziger und die Neunziger waren ähnlich gute Jahrzehnte wie die Zwanziger, so dass im kommenden Jahrzehnt noch mindestens vier Baissejahre folgen sollten.
Auch der genauere Block auf die mehrjährigen Baissen zeigt Warnsignale. Lediglich zwei dieser Bärenmärkte (1860/61 und 1913/14) waren rasch vergessen. Auch die dreijährige Schlechtwetterzeit zwischen 1882 und 1884 verlief nicht sehr ausgeprägt, zudem folgte 1885 das drittgrößte Haussejahr der Geschichte.
Doch nimmt man es genauer, so zogen sich die Bärenmärkte entweder länger hin oder verliefen recht heftig wie etwa 1973/74. Diese Jahre nehmen immerhin Platz 5 und 11 in der Betrachtung ein.
Chancen in der Krise
Vor allem die Weltwirtschaftskrise hat es in sich. Den Jahren 1929 bis 1932, der vierjährigen, längsten Baisse seit 1825, folgten bis 1941 fünf weitere Baissejahre, so dass zwischen 1929 und 1941 auf nur vier Haussejahre neun Baissejahre kommen. Einziger Trost: Die viert- und sechstbesten Jahre waren dabei.
Die Volatilität war seinerzeit enorm, weil die Weltwirtschaft schwer angeschlagen war. Das Weltfinanzsystem war aufgrund von strukturellen Schwächen zusammengeklappt, der Welthandel schrumpfte um 14 Prozent. Nach dem Tief von 1932 waren die Vereinigten Staaten 1937 abermals in eine Rezession gerutscht, stieg die Arbeitslosigkeit wieder deutlich an.
Das Schlimmste hinter uns?
Die aktuelle Krise hat diese Ausmaße bisher nicht angenommen. Das spricht für eine vergleichsweise geringere Volatilität und eine weniger gravierende Baisse. Es zeigt gleichzeitig, dass die Krise an der Börse nicht nach diesem Jahr nicht ausgestanden sein muss.
Andererseits könnte das Schlimmste vorbei sein. Vergleicht man den Verlauf der Entwicklung während der „Golden Zwanziger“ und der Weltwirtschaftskrise mit der seit 1990 ergibt sich ein frappierender Gleichlauf (siehe Infografik), wenn sich die Tiefpunkt 1937 und 2008 überschneiden. Demnach läge das Schlimmste hinter den Anlegern, wenngleich ihnen 2010 bis 2012 noch drei schwache Jahre bevorstünden. Aber vielleicht sollte man historische Vergleiche nicht überstrapazieren.
1937-1947
Markus Teuber (arathorn)
- 13.02.2009, 11:45 Uhr
Text-Bild-Schere
Achim Kälberer (ackermeier)
- 13.02.2009, 14:57 Uhr