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Aktienanlage Chinas Boom wird langsam gefährlich

16.10.2007 ·  Chinas Wirtschaft boomt und langsam wird dieser Boom gefährlich. Die Angst vor einer Blase, die bald platzt, wächst. Jetzt drohen Maßnahmen der Regierung mit dem Ziel, den Aktienmarkt abzukühlen.

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Chinas Wirtschaft boomt und langsam wird dieser Boom gefährlich. Die Angst vor einer Blase, die bald platzt, wächst. Ein Blick auf zwei Börsenbarometer zeigt, was gemeint ist. Innerhalb von nur zwei Monaten hat der Hang-Seng-Index in Hongkong fast 50 Prozent zugelegt. Der kombinierte Index der Börsen in Shanghai und Shenzen, der CSI 300, hat sich seit Jahresanfang sogar fast verdreifacht. Solche Gewaltrallys bergen Rückschlagsrisiken - nicht nur für Aktionäre in China, sondern auch für die Kapitalmärkte außerhalb der Landesgrenzen.

Auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas in Beijing wurde Klartext geredet. Tu Guangshao, Vize-Vorsitzender der chinesischen Wertpapieraufsichtsbehörde, erklärte, die Kapitalmärkte des Landes würden noch „große Risiken“ bergen. Die Wertpapieraufsicht müsse Investoren schützen und Marktrisiken abwenden, sagte er, ohne nähere Angaben zu möglichen Maßnahmen zu machen. Was das für Anleger bedeutet, ist aber schon heute klar: In jedem Fall steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Staat erneut Maßnahmen ergreift, um den rasanten Anstieg bei den Aktienkursen zu bremsen.

Denn nach der annähernden Verdreifachung des CSI 300 in diesem Jahr befürchtet die chinesische Regierung eine Aktienblase. Um Aktieninvestments zu bremsen, hat das Land im Mai bereits die Stempelsteuer auf Aktiengeschäfte verdreifacht. Das bescherte dem CSI 300 den höchsten Tagesverlust seit drei Monaten.

China will den Aktienmarkt abkühlen

„Nach dem Parteitag wird China die makroökonomischen Maßnahmen weiter verschärfen und mehr Kapitalabflüsse ins Ausland gestatten, um den Aktienmarkt abzukühlen“, erwartet Tony Zheng, Fondsmanager bei Bank of Communications Schroders Fund Management Co. in Schanghai. „Das wird sich ab dem vierten Quartal bei den Unternehmensergebnissen und -bewertungen niederschlagen.“

Zheng rechnet allerdings nicht damit, dass die Regierung erneut Aktien direkt ins Visier nimmt. „Sie haben gesehen, wie stark sich die Steuererhöhung im Mai auf die Aktienkurse ausgewirkt hat.“ Seit Jahresbeginn hat China viermal die Zinsen angehoben, um Aktienspekulationen weniger attraktiv im Vergleich mit festverzinslichen Anlagen zu machen. Achtmal wurde außerdem die Mindestreserve, die Banken bei der Zentralbank vorhalten müssen, angehoben.

Im August kündigte die Regierung an, dass Privatanleger vom chinesischen Festland erstmals Aktien in Hongkong erwerben dürfen. Dieses Programm ist allerdings noch in Vorbereitung. An institutionelle Investoren hat die Wertpapieraufsicht mehr Lizenzen für Investments im Ausland vergeben. Chinesische Gesellschaften werden im kommenden Jahr im Rahmen des sogenannten QDII-Programms 90 Milliarden Dollar im Ausland investieren, schrieb Jing Ulrich, Leiterin Chinesische Aktien bei JPMorgan Chase & Co. in Hongkong, am Dienstag in einem Bericht.

Eine Blase, die bis Australien wirkt

Wie sich die Entwicklung in China global auswirkt, zeigt heute schon das Beispiel Australien. Der bislang stabile Kursaufschwung australischer Minen- und Rohstoffaktien ist nach Ansicht von Goldman Sachs JBwere Pty gefährdet. Zunehmend sei eine Blasenbildung bei den Titeln festzustellen, die einseitig vom wirtschaftlichen Boom in China abhängen, berichtet der australische Goldman-Analyst Chris Pidcock.

Steigende Inflation in China könnte zu einem sinkenden Bedarf an Metallen führen, warnt der Analyst. Bereits im August habe die Inflationsrate 6,5 Prozent überschritten, was einem Zehn-Jahres-Hoch entsprach. Selbst die im kommenden Monat bevorstehenden Lieferverhandlungen zwischen der chinesischen Stahlindustrie und wichtigen Welt-Produzenten könnten das Risiko grundsätzlich nicht ausgleichen, sagt Pidcock.

Entsprechend rät auch Goldman Sachs inzwischen zu einer „neutralen“ Gewichtung der Bergbau-Aktien im Portfolio. Damit schließen sich die Analysten beim Anlageurteil nun ihren Kollegen von der UBS und der Citigroup an. Die Investoren seien bei den Minenwerten inzwischen „bedingungslos bullish“ angesichts der hohen Nachfrage aus China, sagt Pidcock.

Während sich die Portfolio-Strategen weiterhin auf den Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage konzentrieren, sei der Markt aber inzwischen nahezu ausschließlich Momentum-getrieben, hieß es in der Goldman-Analyse. Es bleibe die zentrale Frage, wie weit dieser Kursanstieg noch gehen kann.

Boom im Bergbau - wie lange noch?

So ist der S&P/ASX 200 Materials Index, ein wichtiger Vergleichsmaßstab der Bergbaubranche in Australien, besetzt mit den 42 wichtigsten Minenunternehmen, unter anderem dem Marktführer BHP Billiton, im laufenden Jahr bereits 49 Prozent vorgerückt. Der breit aufgestellte Standardwerteindex S&P/ASX 200 hat zugleich 18 Prozent zugelegt und damit sämtliche asiatischen Märkte hinter sich gelassen - außer dem chinesischen CSI 300, dem Hang Seng China Enterprise und dem Dhaka Stock Exchange Index aus Bangladesch

Auch die Bewertungen haben mittlerweile ein erhöhtes Niveau erreicht. So werden australische Bergbauaktien im Durchschnitt zum 19-fachen der Gewinne gehandelt, während australische Standardwerte nur einen Wert von 16 erreichen, wie aus Daten von Bloomberg hervor geht.
So werden Aktien von BHP Billiton im September auf dem 18-fachen der Gewinne gehandelt, was dem höchsten Kurs-Gewinn-Verhältnis seit Mai 2006 entspricht. Bei Rio Tinto betrug der Wert 18, was dem höchsten Stand seit Mai 2004 entsprach.

Die Kursgewinne australischer Minenwerte sind dabei der Entwicklung der Metallpreise bereits voraus gelaufen. So sind die Preise für Kupfer seit Jahresbeginn rund 29 Prozent gestiegen. Der Zinnpreis ist 44 Prozent vorgerückt, während Zink 26 Prozent nachgegeben hat und Nickel seit Jahresbeginn 2,7 Prozent billiger wurde. „Als Sektor sind die Minenwerte deutlich vorgelaufen. Gerade, weil die Metallpreise nicht im gleichen Umfang gestiegen sind“, sagt Vermögensverwalter Jason Teh von Investors Mutual in Sydney. Sein Haus sei grundsätzlich vorsichtig, wenn sich ein Markt auf einem Allzeithoch befinde.

Quelle: @tih mit Material von Bloomberg
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