Home
http://www.faz.net/-gdx-169ls
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER
Aktuelle Nachrichten online - FAZ.NET

Luftraum wieder frei Bundeskanzlerin Merkel rechtfertigt Flugverbote

 ·  Nach tagelangem Chaos und massenhaft Flugausfällen hat Bundeskanzlerin Merkel die Flugverbote verteidigt und Verkehrsminister Ramsauer den Rücken gestärkt. An diesem Donnerstag sollen wieder alle Flüge planmäßig starten. Doch noch immer sitzen Reisende auf Flughäfen in der Ferne fest.

Artikel Bilder (4) Video (2) Lesermeinungen (1)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Flugverbote wegen der Vulkanasche-Wolke gegen die Kritik der Airlines verteidigt. „Natürlich ist es ein schwerer Einschnitt für die Fluggesellschaften. Aber der Staat hat die Aufgabe, Risiken verantwortungsvoll zu bewerten und Menschen zu schützen“, sagte die CDU-Vorsitzende den Zeitungen der Essener WAZ-Mediengruppe. „Denn für das erste Flugzeug, mit dem etwas passiert, wird die Behörde - und zwar zu Recht - zur Rechenschaft gezogen, die den Luftraum trotz Aschewolke freigegeben hat.“

Die Fluggesellschaften beklagen enorme Einbußen wegen der inzwischen aufgehobenen Flugverbote. Sie hatten Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kritisiert, weil die Luftraumsperrungen ihrer Ansicht nach nicht auf ausreichenden Daten basierten.

Nach tagelangem Chaos und massenhaft Flugausfällen soll von diesem Donnerstag an ein Stück weit Normalität in die europäische Luftfahrt einkehren. In Deutschland und den meisten anderen Ländern sollen alle planmäßigen Flüge stattfinden. Am Mittwoch war die bislang einmalige Sperrung beinahe des kompletten europäischen Luftraums wegen der Vulkanasche aus Island endgültig aufgehoben worden. 80 Prozent aller planmäßigen Verbindungen wurden wieder geflogen, teilte die europäische Luftsicherheitsbehörde Eurocontrol mit. Am Donnerstag sollen es 100 Prozent sein.

Damit löst sich eine der größten und teuersten Verkehrsbehinderungen der Geschichte nach einer Woche auf. Es dauert aber noch Tage, bis die Flugpläne komplett rund laufen. Zudem warten weltweit weiterhin viele gestrandete Urlauber auf einen Flieger nach Hause. Der Schaden ist enorm: Die Einnahmeausfälle der Airlines schätzt der Internationale Flugverband IATA auf knapp 1,3 Milliarden Euro.

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) erlaubte am Mittwoch flächendeckend Luftverkehr nach Instrumentenflugregeln (IFR) - zuvor war das Fliegen nur mit Sondergenehmigungen oder im Sichtflug erlaubt gewesen. Bis Mittwochabend rechnete die DFS wieder mit rund 5000 Passagier- und Frachtmaschinen auf IFR-Flügen - normalerweise gibt es im Schnitt täglich knapp 8500. Seit Beginn der Sperrungen wurden knapp drei Millionen Passagiere nicht abgefertigt, schätzte die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen.

Viele Unternehmen litten unter den Ausfällen. Vor allem bei den deutschen Autoherstellern und Zulieferern gab es Produktionspausen und Engpässe. Am kommenden Sonntag soll deswegen das Fahrverbot für Lastwagen gelockert werden. Zusätzliche Nachtflüge - darunter am größten deutschen Flughafen Frankfurt/Main - wurden genehmigt. Der volkswirtschaftliche Schaden für Deutschland wird sich nach Einschätzung der Bundesregierung aber „in Grenzen halten“, wie Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) erklärte.

Europas größte Airline, die Lufthansa, plant für Donnerstag wieder das volle Flugprogramm. Ihr Chef, Wolfgang Mayrhuber, kritisierte abermals den Deutschen Wetterdienst (DWD). Er habe sich „sehr stark auf ein Prognosemodell aus England kapriziert“, das aber „nicht in Ordnung“ gewesen sei.

Nach Einschätzung des Deutschen Reiseverbands warteten zunächst noch 20 000 gestrandete Urlauber aus Deutschland auf ihre Rückreise. Es wurde erwartet, dass die meisten am Donnerstag bereits daheim sein würden. In den vergangenen Tagen hatte der Verband Tausende mit Schiffen, Bahn oder Bus und wo möglich auch mit Sondermaschinen nach Hause geholt. Weltweit waren Millionen Reisende betroffen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
Weitersagen