20.04.2010 · An den Messstationen auf der Zugspitze und auf dem Schauinsland hat das Umweltbundesamt deutlich erhöhte Feinstaubwerte festgestellt. Weiter unten hat sich die Luftsituation dagegen nicht verändert, aufgrund des Flugverbots auch nicht zum Positiven. Eine Gesundheitsgefahr besteht nicht.
Die Asche des Vulkans Eyjafjalla ist in einigen, höheren Regionen Deutschlands inzwischen niedergegangen. Schon am Wochenende konnte das Umweltbundesamt auf der Forschungsstation Schneefernerhaus auf der Zugspitze in 2650 Metern Höhe eine Feinstaub-Konzentration ermitteln, die achtmal so hoch war wie der langjährige Mittelwert. Bei sauberer Luft werden auf dem höchsten Gipfel Deutschlands normalerweise weniger als vier bis fünf Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter (µg/m³) gemessen. Nun erreichte der Wert 35 µg/m³.
Seit 2005 sollen nach einer EU-Richtlinie in einem Kubikmeter Luft höchstens 50 Mikrogramm sogenannter PM10-Partikel vorkommen. PM steht für „particulate matter“. Von Feinstaub spricht man, wenn Kleinstbestandsteile weniger als zehn Mikrometer (µm), also 0,01 Millimeter groß sind. An höchstens 35 Tagen im Jahr darf der Grenzwert von 50 µg/m³ überschritten werden.
Asthmatiker sollen Medikamente regelmäßig einnehmen
Woraus die Aschewolke des Eyjafjallas genau besteht, wissen die Wissenschaftler noch nicht. Allerdings enthält sie Schwefeldioxid (SO2), der ebenfalls in erhöhter Konzentration gemessen wurde - unter anderem in der Messstation Schauinsland nahe Freiburg (1205 Meter hoch). Das, so das Umweltbundesamt, stütze die Hypothese, dass die Aerosole vom Vulkanausbruch stammen. Die bei Freiburg gemessenen SO2-Werte, die sonst bei etwa einem µg/m³ liegen, erreichten schon am Sonntag zehn µg/m³ mit leicht steigender Tendenz. Eine Gesundheitsgefährdung geht von den bislang gemessenen Konzentrationen allerdings nicht aus.
Feinstaub dringt bis tief in die Lungen vor. Asthmatikern und Menschen mit Erkrankungen der Atemwege rät das Umweltbundesamt darum, die verschriebenen Medikamente regelmäßig einzunehmen und die Bedarfsmedikation bei sich zu tragen. Grundsätzlich zählt Vulkanasche, genauso wie etwa Saharastaub, Pflanzenpollen oder auch Seesalz (durch Gischt), zu den Hauptverursachern der natürlichen Staubbelastung. Besonders gesundheitsgefährdend indes ist der vom Menschen produzierte Feinstaub, etwa beim Verbrennen von Kohle und Erdöl. Die dabei freigesetzten polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe sind krebserregend.
Flughafensperrung „ein schöner Großversuch“
In Frankfurt war dagegen die Konzentration von Luftschadstoffen in Bodennähe „nicht signifikant anders“ als sonst, wie das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie in Wiesbaden auf Anfrage mitteilte. Das heißt auch: Der Stillstand auf dem Flughafen hat die Luft nicht sauberer gemacht. Die Sperrung des Flughafens „ist für uns an den Messstationen nicht nachweisbar“, berichtete Stefan Jacobi, Leiter der Abteilung für Luftreinhaltung und Immissionen beim Landesamt. Weder beim Feinstaub noch beim Stickstoffdioxid gebe es spürbare Unterschiede.
Der Fachmann zeigt sich von diesem Befund wenig überrascht. Der Flugverkehr sei höchstens für ein bis vier Prozent der Schadstoffbelastung verantwortlich, die an den Luftmessstationen in den Städten gemessen würden, sagte Jacobi. Darüber hinaus überdecke die Wetterlage häufig alle anderen Einflüsse. Dennoch bezeichnete Jacobi die Sperrung des Frankfurter Flughafens als „schönen Großversuch“.
Dass sich die isländische Aschewolke in irgendeiner Form an den hessischen Messstationen direkt bemerkbar macht, ist nach Jacobis Worten nicht zu erwarten: Die Partikel befänden sich in sechs bis elf Kilometern Höhe. An den Messstationen würden nur die bodennahen Konzentrationen von Luftschadstoffen ermittelt, die Einfluss auf die menschliche Gesundheit haben könnten.