12.01.2009 · Trotz Kursverlusten an den Aktienbörsen und der Furcht vor einer Kreditklemme halten die meisten deutschen Lebensversicherer die Verzinsung stabil. Nur jede dritte Gesellschaft hat sie gesenkt. Die Renditen werden aber gering sein.
Von Stefan RuhkampDie deutschen Lebensversicherer sind bislang offenbar mit einem blauen Auge durch die Finanzkrise gekommen. Zwei von drei Gesellschaften halten in diesem Jahr ihre laufende Verzinsung konstant. Angesichts schwacher Aktienmärkte und niedriger Anlagerenditen der Anleihen hatten viele Experten mit deutlicheren Absenkungen gerechnet.
Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat auf eine vorsichtigere Zinspolitik der Assekuranz gedrängt. Doch nach Zählung der Ratingagentur Assekurata haben von 73 beobachteten Gesellschaften, die für mehr als 95 Prozent des Marktes stehen, nur 27 die laufende Verzinsung der Verträge verringert. Dadurch sinkt der Durchschnitt in dieser Gruppe laut Assekurata nur leicht von 4,35 auf 4,28 Prozent.
Versicherer reduzieren Verzinsungen neuer Policen
Ausgewertet wurde zwar nur die Verzinsung für in diesem Jahr abgeschlossene Verträge. Aus diesem Wert lässt sich allerdings ein Trend für die restlichen der rund 90 Millionen Lebensversicherungsverträge ableiten. Lebensversicherungen bilden die Grundlage für viele Betriebsrenten und für die meisten der staatlich geförderten Riester- und Rürup-Rentenpolicen. Die laufende Verzinsung enthält Garantiezinsen und Überschussbeteiligungen.
Diese Gutschriften sind in der Folge garantiert und werden mit dem Mindestsatz verzinst. Nicht enthalten sind dagegen Schlussgewinnanteile und Anteile an den Bewertungsreserven, die zur laufenden Verzinsung hinzukommen, den Kunden aber in schlechten Zeiten wieder gestrichen werden können.
Besonders deutlich hat die Provinzial Rheinland ihre laufende Verzinsung für neue Policen reduziert, von 4,65 auf 4,10 Prozent. Die Ideal senkt ihre von 4,5 auf 4,0 Prozent. Auch die Debeka und die Europa, die noch immer mit einer überdurchschnittlich hohen Verzinsung werben können, haben nun zum ersten Mal seit mehreren Jahren reduziert. Die Allianz Leben, Deutschlands größter Lebensversicherer, hat dagegen die laufende Verzinsung mit 4,5 Prozent konstant gehalten.
Versicherer brauchen hoch verzinste Staatsanleihen
Zwar haben auch die Lebensversicherer haben in der Finanzkrise Geld verloren. Die schwachen Aktienmärkte fallen im Vergleich zu Krise der Jahre 2002 und 2003 aber weitaus weniger ins Gewicht. Die durchschnittliche Aktienquote der Versicherer liege bei etwa 5 Prozent, sagt Reiner Will, geschäftsführender Gesellschafter der Bewertungsagentur Assekurata.
Auch von Verlusten mit amerikanischen Subprime-Papieren und anderen Kreditverbriefungen sind die Lebensversicherer nach eigenen Angaben und auch nach Einschätzung der Aufsichtsbehörde nur relativ geringfügig betroffen.
Dagegen bereiten die niedrigen Anlagezinsen auf den Märkten für sichere Staatsanleihen Sorgen. Denn wenn die Versicherer auf Dauer Bundesanleihen mit einer Verzinsung von 3 Prozent kaufen müssten, kämen sie spätestens in zwei bis drei Jahren in arge Schwierigkeiten. Denn im Durchschnitt aller Verträge, garantieren sie ihren Kunden gut 3,5 Prozent Verzinsung.
Versicherer können nur wenig riskieren
Viele Lebensversicherer weichen deshalb auf andere Anlageklassen aus. Pfandbriefe, die mit hochwertigen Krediten besichert sind und wegen des staatlichen Rückhalts als sicher gelten, ermöglichen Anlagerenditen von mehr als 4 Prozent. Manche Unternehmensanleihen erbringen sogar doppelt so hohe Werte. Allerdings können viele Versicherer wegen ihrer geringen Ausstattung mit Eigenkapital und anderen Sicherheitspuffern nur in Maßen riskantere Anlagen tätigen.
Dass viele Lebensversicherer trotz der Finanzkrise ihre laufende Verzinsung nicht gesenkt haben, führt Assekurata auch darauf zurück, dass ein Teil der Versicherer in den vergangenen Jahren Rücklagen aufgebaut haben.
Die frei verfügbaren Rückstellungen für Beitragsrückerstattungen und die Schlussgewinnanteile - zwei wichtige Risikopuffer - seien in den Jahren 2005 bis 2007 von gut 7 auf 8 Prozent der gesamten Verpflichtungen gestiegen. Das wirkt nicht atemberaubend viel, gibt den Versicherern aber einigen Spielraum, um Schwankungen in der Geldanlage auszugleichen und die Entwicklung der laufenden Zinsen zu glätten.