Milch, Butter und Quark werden immer teurer. Aber das ist ja noch harmlos, verglichen mit der Beitragserhöhung der privaten Krankenversicherung. Alle Jahre wieder um diese Zeit bekommen die Versicherten Post von ihrer Assekuranz - und es beschleicht sie ein mulmiges Gefühl: Wie viel wird es diesmal sein? Diesmal hat die LVM, ein kleiner Versicherungsverein, den Beitrag für eine 38-Jährige zum 1. Januar um fünf Prozent erhöht. Das sind 24 Euro mehr.
Sollte es nicht günstiger werden für Frauen? Zum Jahresende müssen die Versicherungen die Kosten für Schwangerschaft und Geburten gleichmäßig auf beide Geschlechter verteilen. Bisher schlugen die Kosten dafür nur bei den weiblichen Versicherten zu Buche, jetzt müssen auch die Männer zahlen. Deshalb steigen die Prämien für Männer um rund drei Prozent, im Gegenzug wird es für Frauen ein wenig günstiger. Das rechnet zumindest der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) vor.
Für Männer wird es bis zu 11,7 Prozent teurer
Aber das sind Durchschnittszahlen. Wie teuer es im Einzelfall wirklich wird, das hängt davon ab, wie viel die Krankenversicherung für Schwangere ausgibt - im Vergleich zu den übrigen Kosten - und davon, wie das Verhältnis von Männern zu Frauen ist. Besonders kostspielig wird der neue Unisextarif für Männer, wenn er gleichzeitig für viele junge Frauen gilt, die noch Kinder bekommen können.
Das zeigen die Zahlen des Marktführers Debeka. In der Spitze müssen Männer 11,7 Prozent mehr für ihre Krankenversicherung ausgeben. "Das trifft nur einen kleinen Teil der Kunden", beschwichtigt ein Debeka-Sprecher. "In absoluten Zahlen macht das 7,96 Euro im Monat aus." Der Grund für den großen Sprung: Es handelt sich um einen Tarif für Beamte, in dem besonders viele Frauen versichert sind.
Für gewöhnlich ist der Anteil der privat versicherten Frauen recht gering, vor allem unter den Angestellten und Selbständigen. Deshalb schlagen hier die Kosten für Schwangere nicht so zu Buche. Im Durchschnitt klettern die Beiträge für männliche Debeka-Kunden deshalb nur um 1,5 Prozent, für weibliche sinken sie um ein Prozent. Und während sich ein paar Männer über die kräftige Preiserhöhung ärgern, dürften sich einige Kundinnen über den Brief von ihrer Versicherung sogar freuen: Denn im besten Fall sinkt die Prämie um 12,1 Prozent oder knapp 20 Euro - ebenfalls ein Ausreißer.
8,5 Millionen sind in Deutschland privat versichert
Achteinhalb Millionen Menschen in Deutschland sind privat krankenversichert. Die meisten müssen künftig tiefer in die Tasche greifen, um den Versicherungsschutz zu sichern. Gründe dafür gibt es viele, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz und der dadurch erzwungene Unisextarif sind nur ein Preistreiber. Hinzu kommen die steigenden Gesundheitskosten, die wachsende Lebenserwartung der Versicherten und die oft zu niedrig kalkulierten Einstiegsprämien, die neue Kunden locken sollen. "Erhöhungen von rund zehn Prozent sind deshalb keine Seltenheit", sagt Lilo Blunck vom Bund der Versicherten.
"Die Steigerungsraten bei den Tarifen der privaten Krankenversicherungen sind exorbitant", sagt Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Er hat nachgerechnet und herausgefunden, dass die Prämien der privaten Krankenversicherungen in den vergangenen 20 Jahren fast doppelt so schnell gestiegen sind wie die Beiträge der gesetzlichen Kassen. Im Durchschnitt haben sich die Prämien der Privatversicherten zwischen 1985 und 2005 mehr als verdreifacht. Allerdings liegt die durchschnittliche Prämie, die ein Kunde an seine private Versicherung überweist, immer noch deutlich unter dem Krankenversicherungsbeitrag vergleichbarer freiwillig Versicherter der gesetzlichen Krankenversicherung.
Basistarife als Privatversicherung light
Die Frage ist nur: Wie lange noch? Denn dass die Privatpolice bald noch teurer wird, das ist gewiss. Dafür sorgen schon die Basistarife, die 2009 eingeführt werden. Es handelt sich um eine Privatversicherung light für diejenigen, die bisher gar nicht versichert sind. Die Höhe der Beiträge richtet sich nur nach dem Eintrittsalter und dem Geschlecht des Versicherungsnehmers, nicht jedoch nach seinem Gesundheitsstatus. Die Versicherungen sind wie die gesetzlichen Kassen verpflichtet, neue Kunden aufzunehmen. Die Leistungen gleichen jenen, die Kassenpatienten bekommen. Die Prämien dürfen so hoch sein wie der durchschnittliche Höchstbetrag der verschiedenen gesetzlichen Krankenversicherungen, derzeit 500 Euro.
Das stellt ein Prinzip der privaten Versicherung auf den Kopf. Denn private und gesetzliche Krankenversicherung sind zwei völlig verschiedene Welten. So garantieren die privaten Assekuranzen - im Gegensatz zu den gesetzlichen Krankenkassen - ihren Kunden bis ans Lebensende gleichbleibende Leistungen. Wie hoch die Prämie dafür ist, kalkulieren die Versicherungsmathematiker nach dem persönlichen Risiko ihres Kunden. Während die Leistung also festgeschrieben ist, darf die Prämie steigen.
Noch schneller zu noch höheren Steigerungen
Die gesetzlichen Kassen arbeiten dagegen nach dem Solidarprinzip. Das bedeutet: Die Beiträge richten sich nach der Lohnhöhe des Einzelnen. Alter, Geschlecht oder das gesundheitliche Risiko haben im Gegensatz zur privaten Krankenversicherung keinen Einfluss auf die Beitragshöhe, genauso wenig wie auf den Umfang der Leistungen im Krankheitsfall. Der große Nachteil der gesetzlichen Kassen: Die Leistungen unterliegen dem politischen Wandel. Der Haken der Privaten: Die Prämien steigen seit Jahren kräftig.
DIW-Experte Grabka glaubt, dass es künftig "noch schneller zu noch höheren Steigerungen" kommen wird, weil immer weniger Versicherte von der gesetzlichen in die private Versicherung wechseln: Die schnell wachsenden Beiträge wirken abschreckend und die hohe Versicherungspflichtgrenze auch: Nur wer drei Jahre lang mehr als 47.700 Euro im Jahr oder 3.975 Euro im Monat verdient, darf wechseln. Der Weg zurück ist den meisten versperrt.
„Privat versichert ist schlimmer als verheiratet“
Angesichts der hohen Prämien fragen sich mehr und mehr Privatversicherte: "Bin ich hier noch richtig?" Viel tun können sie nicht. "Privat versichert zu sein ist schlimmer, als verheiratet zu sein", warnt Grabka. "Paare können sich scheiden lassen, mit der privaten Krankenversicherung muss man leben und im Alter sehr hohe Beiträge zahlen."
Es gibt zwar die Möglichkeit, den Vertrag zu kündigen und zu einer anderen, preiswerteren Privatversicherung zu wechseln. Aber das ist nur selten ratsam. Ein höherer Selbstbehalt oder der Verzicht auf Leistungen können die Beiträge wenigstens drücken. Und zur Not bleibt noch der Wechsel in den Standardtarif.
So wehren Sie sich gegen höhere Prämien
1. In einen günstigeren Tarif wechseln. „Privat Krankenversicherte sollten Beitragserhöhungen nicht widerstandslos hinnehmen“, rät Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Wer in einem Tarif versichert ist, der bereits für Neukunden geschlossen wurde, könne laut Versicherungsvertragsgesetz verlangen, in aktuell angebotene, günstigere Tarife mit gleichen Leistungen aufgenommen zu werden. Erworbene Altersrückstellungen dürfen mitgenommen werden. Vorsicht: Wer später wieder in den besseren Tarif zurück will, muss sich einer Gesundheitsprüfung unterziehen.
2. Selbstbehalt erhöhen. Es kann sich lohnen, einen Selbstbehalt zu vereinbaren oder einen bestehenden zu erhöhen. Zahlt ein Versicherter einen bestimmten Teil der jährlich anfallenden Behandlungskosten aus eigener Tasche, senkt die Versicherung im Gegenzug den Beitrag. Die Beitragsersparnis ist in der Regel erheblich größer als der Selbstbehalt.
3. Auf Leistungen verzichten. Versicherte können auf Wahlleistungen verzichten. Wer ohne Chefarztbehandlung und die Unterbringung im Ein- oder Zwei-Bett-Zimmer auskommt, kann seine Prämie schon mal um ein Drittel senken.
4. Standardtarif wählen. In diesem Tarif stehen privat Versicherten künftig nur noch die Leistungen zu, die auch die gesetzlich Krankenversicherten erhalten. Der Arzt behandelt die betroffenen Privatpatienten im Standardtarif zum Satz der gesetzlichen Krankenversicherung. Aber nicht jeder darf wechseln: Versicherte müssen zehn Jahre in der PKV sein, müssen mindestens 55 Jahre alt sein und dürfen nicht mehr als 43.200 Euro Bruttojahreseinkommen (2008) erzielen. Der Standardtarif gilt zudem für alle, die mindestens 65 Jahre alt sind.
Für Männer wird es bis zu 11,7 Prozent teurer
Thomas Braun (thomas-c.braun)
- 17.12.2007, 15:35 Uhr
Private KV schlagen zu
Michael Rohr (piper5)
- 17.12.2007, 16:04 Uhr
Unisex
Tom Urban (tomwu)
- 17.12.2007, 17:35 Uhr
Sind die Privaten im Alter wirklich teuer?
Michael Beyer (sammy-fzn)
- 17.12.2007, 17:39 Uhr
PKV Beiträge steigen, GKV Beiträge bleiben stabil - wirklich?
Michael Beyer (sammy-fzn)
- 17.12.2007, 17:51 Uhr
