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Handy-Tarife Auf den richtigen Takt kommt es an

10.01.2009 ·  Handygespräche können um 40 Prozent günstiger werden. Wenn die Kunden den Sekundentakt wählen. Mit Flatrates dagegen lässt sich kaum Geld sparen.

Von Patrick Bernau
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Als würde ein Single seine Milch in Zehn-Liter-Kanistern kaufen, so zahlen die meisten Deutschen für ihre Handygespräche. Schuld ist der Takt, den die Netzbetreiber vorgeben. Einmal kurz anrufen - beim Angerufenen geht aber nur die Mobilbox ran - und wieder auflegen, das dauert drei Sekunden. Trotzdem rechnen die Netzbetreiber gleich eine komplette Minute ab. Das kostet Geld.

Ziemlich viel sogar, haben jetzt die Experten für elektronischen Handel, Bernd Skiera und Sebastian Oetzel von der Universität Frankfurt, ausgerechnet. 60 Prozent der Gespräche dauern nicht einmal eine Minute, 20 Prozent bleiben sogar unter zehn Sekunden, wie eine bislang unveröffentlichte Studie der beiden Ökonomen zeigt. Wenn der Handynutzer den falschen Takt im Vertrag stehen hat, kosten ihn Handygespräche im Durchschnitt 40 Prozent zu viel. Das bedeutet: Wer derzeit mit Minutentakt 20 Cent pro Minute zahlt, könnte beim Umstieg auf den Sekundentakt sogar 28 Cent als Minutenpreis akzeptieren und stünde am Ende trotzdem nicht schlechter da.

Auf den Takt haben die Kunden bislang kaum geachtet

Handynutzer können also viel Geld sparen, wenn sie bei der Tarifwahl auch den Takt beachten. Das ist derzeit eine der wichtigsten Möglichkeiten, das Telefonieren günstig zu halten. Mit Flatrates dagegen lässt sich kaum Geld sparen, im Gegenteil: Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass Handykunden für die unbegrenzten Redetarife deutlich zu viel bezahlen.

Auch in den Minutenpreisen steckt nur noch wenig Sparpotential. Schließlich hat die Konkurrenz bei den Netzbetreibern die Minutenpreise bereits bis an die Untergrenze dessen gedrückt, was die aktuelle Handynetz-Regulierung hergibt. So bewegen sich die Preise schon seit vielen Monaten nur noch im Kriechgang nach unten.

Der Abrechnungstakt dagegen ist noch in vielen Tarifen ungünstig. „Er ist eine der letzten Möglichkeiten der Netzbetreiber, noch richtig Geld zu verdienen“, sagt Thomas Schlenkhoff vom Handy-Tarifvergleichsdienst Telfish. Denn auf den Takt haben die Kunden bislang kaum geachtet - zumindest bestätigen das Sprecher von Handynetzbetreibern wie T-Mobile und E-Plus.

Fast jeder zweite Handykunde zahlt deshalb zu viel, haben die Frankfurter Ökonomen ausgerechnet. Sie untersuchten anonymisierte Daten von 40 000 Telefongesprächen aus rund 700 Handyrechnungen von 300 Kunden. Die Kunden hatten ihre Rechnungen für die Analyse bis Februar beim Tarifvergleichsdienst Telfish hochgeladen. Skiera und Oetzel stellten fest: Besonders wichtig ist der erste Takt. Viele Netzbetreiber räumen dem Kunden zwar einen Sekundentakt ein, berechnen aber die erste Minute immer voll. „60/1-Takt“ heißt das dann im Prospekt und ist für den Kunden immer noch 25 Prozent teurer als der Sekundentakt.

Der Sekundentakt soll von Juli an für alle Gespräche vorgeschrieben sein, die deutsche Handynutzer im Ausland führen. Ein entsprechendes Gesetz will das Europäische Parlament im Frühjahr beschließen. Um Gespräche innerhalb Deutschlands müssen sich Kunden aber selbst kümmern.

Discounter bieten meist nur den teuren Minutentakt

Die meisten Mobilfunkdiscounter bieten ohnehin nur den teuren Minutentakt. T-Mobile, Vodafone und O2 lassen ihren Kunden mit Laufzeitvertrag immerhin die Möglichkeit, für ein paar Euro im Monat in den günstigeren Zehn-Sekunden-Takt zu wechseln. Das geht in den meisten Fällen auch dann, wenn die Kunden noch mitten in der Vertragslaufzeit stecken.

Weil das aber ein paar Euro kostet, lohnt es sich nicht für Wenigtelefonierer. Wer das Handy dagegen als Ersatz fürs Festnetz nutzt, der führt zwar tendenziell längere Gespräche und verliert deshalb durch einen ungünstigen Takt weniger Geld - aber weil solche Kunden besonders viel telefonieren, sollten sie trotzdem über einen kürzeren Takt nachdenken. In Tarifen mit niedriger Grundgebühr zum Beispiel lohnt sich der Zehn-Sekunden-Takt für Durchschnitts-Telefonierer schon, wenn sie mindestens sieben Anrufe pro Woche führen (siehe Tabelle).

Sieben Anrufe allerdings sind schneller erreicht, als viele denken. Schließlich zählt nicht nur, wie viele Gespräche tatsächlich zustande kommen. Stattdessen geht jeder Druck auf den „Abheben“-Knopf in die Zählung ein. Das heißt: Auch die Annahme der eigenen Mobilbox zählt mit, genau wie die Fälle, in denen beim anderen nur die Mobilbox antwortet. Wer die bei der Tarifwahl mitzählen will, sollte die geschätzte Zahl seiner Telefonate einfach verdoppeln.

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