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Geldanlage Ein Depot für Deflation und Inflation

16.03.2009 ·  Sinken bald die Preise? Oder steigen sie rasch wieder? Genau weiß das keiner. Wie können Anleger unter solchen Bedingungen ihr Depot zusammenstellen? Patrick Bernau hat sich nach guten Strategien umgehört.

Von Patrick Bernau
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In diesen Tagen fühlen sich Anleger wie Odysseus, als er mit seinem Schiff durch die Meerenge zwischen Italien und Sizilien fuhr: Auf der rechten Seite das Seeungeheuer Charybdis, das ganze Wassermassen mitsamt den Schiffen verschlingt - und auf der linken Seite das Monster Skylla, das gerne Seefahrer verspeist.

Für die Anleger ist das Monster rechts die Wirtschaftskrise. Die verschlingt die Wirtschaft, und nicht nur Öl und Nahrungsmittel werden billiger, sondern auch Aktien. Viele haben schon Angst vor einer richtigen "Deflation", einer Zeit, in der die Preise tatsächlich sinken. Davon erholt sich ein Land erfahrungsgemäß nur schwer. In solchen Fällen sind Aktien der falsche Parkplatz fürs Geld, in einer Deflation machen die Firmen nämlich bestenfalls kleine Gewinne - statt Aktien zu kaufen, könnten sich Anleger da auch mit mickrigen 2,3 Prozent Rendite auf fünfjährige Bundesanleihen zufriedengeben. Falls die Preise sinken, haben Sparer mit der Bundesanleihe leicht pro Jahr drei Prozent mehr Kaufkraft.

Das heißt aber nicht, dass Anleger ihr Geld jetzt blind vor der Deflation in Sicherheit bringen sollten. Dann nämlich liefen sie Gefahr, dem Monster auf der anderen Seite schutzlos ausgesetzt zu sein: der Inflation.

Die Angst ist groß, dass die Inflation zurückkehrt

Es hilft, einmal ein Jahr zurückzudenken ins Frühjahr 2008. Noch kurz bevor sich die Finanzkrise zur großen Wirtschaftskrise ausweitete, war die Inflation eine der größten Anlegersorgen. Die Rezession hat die Geldentwertung nun zwar für einige Monate gemildert. Aber die Angst ist groß, dass die Inflation zurückkommt, sobald sich die Wirtschaft wieder etwas erholt. Zumal die Zentralbanken derzeit riesige Summen an Geld bereitstellen, um die Banken und die Wirtschaft am Leben zu erhalten. Auch dieses Geld kann im Aufschwung eine Inflation bringen, falls die Zentralbanken es nicht rechtzeitig wieder einsammeln.

Wenn diese Situation eintritt, verlieren Anleger mit Staatsanleihen vermutlich viel Geld. Denn die 2,3 Prozent Rendite der Staatsanleihen werden dann ganz schnell von der Inflation aufgezehrt. Dazu kommt: Wenn sich das Geld schnell entwertet, erhöht die Zentralbank die Zinsen, und das drückt die Kurse der Staatsanleihen - da geht zusätzlich Geld verloren. Stattdessen bräuchten Anleger dann inflationsgeschützte Anleihen. Und Aktien. Denn Inflation gibt es erst, wenn die Firmen Preiserhöhungen durchsetzen können. In so einer Lage geht es ihnen wieder gut, also dürften dann auch die Kurse wieder klettern.

Doch wann sollten Sparer umschichten? Den richtigen Moment zu finden, ist ungeheuer schwierig. Wie am Ende dieser Woche, in der der Dax fast acht Prozent gewonnen hat. Da sind auch einige Experten unsicher: Waren das jetzt nur fünf gute Tage, der Auftakt zu einer weithin erwarteten Bärenmarktrally - einer kurzen Phase steigender Kurse in einem schlechten Aktienmarkt - oder schon die echte Trendwende?

Die Konjunkturpropheten jedenfalls werden derzeit deutlich pessimistischer - und haben einen starken Fürsprecher: die Geschichte. Nach Finanz- und Immobilienkrisen waren die Rezessionen nämlich bisher besonders hart und lange. Die amerikanischen Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff beispielsweise haben ausgerechnet, dass die Wirtschaftsleistung nach Finanzkrisen im Durchschnitt fast zwei Jahre lang gesunken ist, in schlimmen Fällen auch mal vier Jahre. Bisher ist noch nicht mal der Durchschnitt erreicht. Die Optimisten hoffen nun, dass Wirtschaftspolitiker und Zentralbankmanager aus den schweren Zeiten der Vergangenheit gelernt haben und die Rezession jetzt besser bekämpfen als früher. Pessimisten verlassen sich darauf lieber nicht.

Den Anlegern bleibe darum nur, einen Weg zu finden, der für beide Situationen taugt, findet der Vermögensverwalter Bert Flossbach. Darum empfiehlt er ihnen, einen Teil des Geldes in Aktien zu stecken. Wie viel genau, das hänge vom Anlagestil ab: Wie viele Verluste können die Anleger in ihrem Depot aushalten, wenn die Konjunktur schlecht bleibt? Wer schnell unruhig wird, sollte es bei einem Viertel belassen. Wer auch einen zwischenzeitlichen Durchhänger ertragen kann, könne bis zur Hälfte gehen.

Wandelanleihen sind eine besondere Form der Firmenanleihen

Der andere Teil des Depots besteht nach Flossbachs Empfehlung aus Anleihen. Aber nicht aus den schlecht verzinsten Staatsanleihen, sondern aus Wandelanleihen und Unternehmensanleihen, die in zwei bis fünf Jahren fällig werden. Die Unternehmensanleihen bringen derzeit locker sechs Prozent Zins. "Damit wird man in den nächsten Jahren keine Verluste erzielen, auch nicht, wenn man die Inflation einrechnet", prophezeit Flossbach. Wandelanleihen sind eine besondere Form der Firmenanleihen: Sie bringen zwar weniger Zins, aber am Ende der Laufzeit kann sich der Besitzer aussuchen, ob er die Anleihe normal zurückgezahlt haben möchte oder ob er stattdessen eine Aktie haben will - wenn deren Kurs in der Zwischenzeit gestiegen ist, kann er die Aktie nehmen und sofort verkaufen. Das bringt ihm einen Zusatzgewinn. Auf diese Weise profitieren Anleger von Kurssteigerungen und sind dadurch vor der Inflation geschützt, sie haben aber auch einen Schutz vor schlechten Zeiten. Darum sollte ein ordentlicher Teil des Anleihen-Teils aus Wandelanleihen bestehen, findet Flossbach. Aber Vorsicht: Anleger sollten die Wandelanleihen nicht mit "Aktienanleihen" verwechseln, die sind deutlich riskanter.

Rund zehn Prozent des Geldes würde Flossbach für Gold aufbewahren. Das ist eine glänzende Anlage für Inflationszeiten, denn der Goldpreis steigt dann normalerweise wenn die übrigen Preise auch steigen. Und solange sich die Wirtschaft nicht erholt, ist Gold als Krisenwährung gefragt.

Dann besteht das Depot also aus zwei Teilen, die für Inflation wie Deflation geeignet sind: Das sind Wandelanleihen und Gold. Die Firmenanleihen und die Aktien funktionieren jeweils nur in einer der beiden Situationen richtig gut. Aber diesen Kompromiss müssten Anleger derzeit eingehen, um ihr Depot zu sichern, findet Flossbach. "In den vergangenen Monaten sollte jeder gelernt haben, dass diese Demut nötig ist", findet Flossbach. Sein Konkurrent, der Vermögensverwalter Stephan Albrech, pflichtet ihm bei: "Anleger müssen ihr Geld jetzt breiter streuen, als sie es sonst getan haben."

Auch Odysseus kam nicht ganz ohne Verluste davon. Während er mit seinem Schiff dem Wasserstrudel der Charybdis auswich, kam er der Skylla zu nahe. Sie fraß sechs seiner Seeleute.

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Jahrgang 1981, verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

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