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Folgen der Finanzkrise Angst vor dem Brand bei den Versicherern

01.02.2009 ·  Sind die Lebensversicherer gegen die Folgen der Finanzkrise wirklich gefeit? Ihr Geld steckt in sicheren Papieren. Gerade die sind jetzt das Problem.

Von Nadine Oberhuber
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Manchmal reicht ein Funke für einen Großbrand. Der Funke war vor ein paar Tagen eine Analystenstudie, und ihre Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Sie schürte noch einmal die Angst, die Finanzkrise könnte von den Banken nun bald auf die Versicherungen übergreifen und auch unter den deutschen Gesellschaften ihr erstes Opfer fordern. Sofort loderten die Gerüchte, wen es wohl treffen könnte, und die Kurse von Versicherungsaktien weltweit lösten sich nahezu in Rauch auf.

Ist an den Gerüchten tatsächlich etwas dran? Wo Rauch ist, muss auch Feuer sein, raunen Marktbeobachter. Warum soll ausgerechnet die Versicherungsbranche, die viele Milliarden ihrer Kunden gewinnbringend anlegen muss, keine faulen Wertpapiere in den Depots haben? Die AIG, Amerikas Vorzeigekonzern, hat die Krise schließlich zweimal fast dahingerafft. Doch der Vergleich gilt nicht: Die AIG war stark ins Kreditgeschäft verwickelt und hat Hypotheken vergeben. Das dürfen deutsche Versicherer gar nicht.

Die Angst der Skeptiker

Die sind wohl nur wenig vom Aktiencrash betroffen. Laut Gesetz dürfen sie maximal 35 Prozent der Kundengelder in Aktien anlegen. Die tatsächliche Quote ist schon seit Monaten viel geringer, sagen die Firmen selbst. Einige - wie die Allianz - hatten zwar noch im Oktober eine Quote von gut 15 Prozent (siehe Grafik), haben sie aber inzwischen auf rund 10 Prozent gesenkt. Jetzt liegt der Aktienanteil bei fast allen unter zehn Prozent. Teils, weil die Konzerne weitere Aktien abgestoßen haben, teils, weil sich die Kurse ihrer Aktienpakete weiter zerlegt haben.

Es ist aber nicht die Aktienquote, die Analysten Sorgen macht. Spekulative Papiere wie Hybridanleihen oder ausfallgefährdete Papiere sind auch nicht das Problem. Insider schätzen, dass die Branche in strukturierten Produkten nur 1,7 Prozent ihres Kapitals hat. Tim Ockenga von der Ratingagentur Fitch sagt: „Deutsche Lebensversicherer sind sehr, sehr konservativ investiert.“ Rund 80 Prozent des Geldes sind in Festverzinsern angelegt - aber genau das macht den Skeptikern Angst.

Viel Puffer ist wohl nicht

In den Depots liegen Staatsanleihen, teils irische und spanische, bei der Allianz auch italienische, die längst nicht mehr als die sichersten Produkte gelten. Dazu kommen viele Unternehmensanleihen, insbesondere Bankanleihen. Vor allem von Landesbanken. Nun ist bekannt, wie es um Bayern LB, West LB und Co. steht. Der Geschäftsführer des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV) Peter Schwark aber beruhigt: Die Anleihen der Landesbanken seien sicher, sie stammten noch aus der Zeit bis 2005, als die „Gewährträgerhaftung“ galt. Das heißt, die Länder müssen zwingend für sie geradestehen. Viele Marktkenner hatten sich gefragt, warum der Staat die Verlustbringer Landesbanken so unterstützt, wo doch an ihnen keine Privatkunden hängen. Die Versicherer hängen an ihnen - das ist die Antwort.

Wie viel Geld genau nun in welchen Anleihen steckt? Dazu sagt der GDV: „Wir haben keine Statistiken.“ Das mag man glauben oder nicht. Auch die BaFin sagt, sie wisse es nicht. Also rätseln alle, wie hoch wohl der Abschreibungsbedarf wäre, wenn einige Anleihen an Wert verlieren würden. Viel Puffer ist wohl nicht. Die stillen Reserven in den Bilanzen waren schon im guten Aktienjahr 2007 (trotz 22 Prozent Dax-Plus) um 5 Milliarden geschrumpft, auf 20 Milliarden. Durch die jüngsten Zinssenkungen und Renditeanstiege bei den Staatsanleihen sind die Reserven teils wieder gestiegen. Doch das Endergebnis der Rechnung legt noch keiner offen.

Kein schlechtes Geschäft

„Es mag die ein oder andere große Abschreibung geben“, sagen Analysten. Doch werde es wohl keinen Lebensversicherer dahinraffen, meint Ockenga von Fitch: „Aber es scheint wahr zu sein, dass einzelne schwächere Versicherer jüngst unter erhöhter Aufmerksamkeit der Finanzaufsicht standen.“ Die BaFin selbst kommentiert das nicht. Sie sagt, die Situation sei stabil, bisher habe sich kein Verdacht bestätigt. Andere Stellen winken ab: An dem Gerücht sei nichts dran. Zudem bestätigte Branchenprimus Allianz gerade, dass er gute Zahlen für 2008 verkünden will. Die große Angst vor der Pleite scheint da ziemlich unbegründet.

Zumal für die Kunden selbst eine Pleite kein schlechtes Geschäft sein muss, so merkwürdig das klingt: Die Kunden der Mannheimer, die im New-Economy-Crash umkippte, bekommen bis heute vier Prozent Zinsen.

Die Lebensversicherung verliert Kunden

Grund zum Aufatmen ist das nicht. Denn etwas anderes macht der Branche schwer zu schaffen: die Leitzinsen. Die Notenbanken senken sie zur Rettung von Banken und Konjunktur stetig. „Mit diesem Löschwasser richten sie mehr Schaden an als der Brand“, kritisiert Branchenkenner Manfred Poweleit. Die Zinsen bestimmen die Rendite der Anleihen. Der langfristige Durchschnittszins liegt jetzt bei drei Prozent. Dabei müssen die Versicherer die Verträge der Kunden im Schnitt mit 3,4 Prozent verzinsen. Bald wird das zum Negativgeschäft. „Wie beim Japan-Debakel nach 1990“, sagt Poweleit, „die Zinsen sanken auf null. Jahre später waren sieben Versicherer pleite.“

Zu allem Überfluss weiß die Branche: Die Beitragseinnahmen werden 2009 ohnehin sinken. Auch ohne Krise verliert die Lebensversicherung nämlich Kunden, weil es immer weniger junge, solvente Kunden gibt, die sie sich noch lebenslang leisten.

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