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Bernard Madoff Der Skandal erreicht deutsche Anleger

29.01.2009 ·  Ein Schaden in dreistelliger Millionenhöhe zeichnet sich allein in Deutschland ab. Vor allem Kunden kleiner Vermögensverwalter sind betroffen.

Von Steffen Uttich
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Der wahrscheinlich größte Betrugsfall in der Geschichte der Wall Street lässt auch die Wertpapierdepots einzelner deutscher Privatanleger nicht unberührt. Eine Umfrage des Bundesverbandes Investment (BVI) unter seinen Mitgliedsgesellschaften hat ergeben, dass 220 Millionen Euro in Investmentfonds nach europäischem Recht angelegt wurden, die dem 50 Milliarden Dollar umfassenden Schneeballsystem des New Yorker Börsenmaklers Bernard Madoff zuzuordnen sind. Betroffen sind dabei vor allem die Kunden kleiner Vermögensverwalter, die über ihre Dachfonds in den irischen Thema International Fund und den in Luxemburg aufgelegten Herald (Lux) US Absolute Return Funds investiert haben.

Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat schon nach dem Bekanntwerden des Betrugsskandals im Dezember das Vermögen in diesen beiden Fonds eingefroren. Daraufhin setzten die meisten der betroffenen Dachfonds den Wert der Fondsanteile vorsorglich erst einmal auf null. Einzelne Vermögensverwalter mussten wegen der hohen Gewichtung der toxischen Fonds in ihrem Portfolio die Ausgabe und Rücknahme von Anteilen sogar komplett einstellen.

Dachfondsmanager aus Mainz

Dazu gehört beispielsweise der Mainzer Dachfondsmanager Bernd Greisinger, in dessen BG-Umbrella-Fondspalette die beiden Madoff-Fonds zum Zeitpunkt der Schließung einen durchschnittlichen Portfolioanteil von 40 Prozent ausmachten. In dem derzeit geschlossenen Dachfonds des Langener Vermögensverwalters Carat liegt der Anteil bei 19 Prozent. Neben diesen beiden besonders hart getroffenen Anbietern sollen noch die Fondsgesellschaft Ampega-Gerling, die Maklervereinigung Top Ten und die deutsche UBS-Vermögensverwaltung Sauerborn nennenswerte Engagements in den beiden Madoff-Fonds eingegangen sein. Die großen deutschen Fondsanbieter sind nach den bisherigen Erkenntnissen vom Madoff-Skandal verschont geblieben.

Komplett verloren geben die betroffenen deutschen Vermögensverwalter das in den beiden europäischen Madoff-Fonds investierte Geld ihrer Kunden allerdings nicht. Derzeit wird geprüft, inwieweit die Depotbank HSBC wegen der Verletzung ihrer Pflichten in Haftung genommen werden kann. Nach einem Bericht des Finanzinformationsdienstes Bloomberg weist die britische Bank zwar jegliche Haftungsansprüche von sich, hat aber schon entsprechende Rückstellungen von einer Milliarde Dollar gebildet. Dachfondsmanager Greisinger macht seinen Anlegern diesbezüglich Mut. Anfang des Monats befasste er sich schon mit der Thematik, wie Alt- und Neukunden bei der angestrebten Wiederöffnung seiner Fonds Ende Februar voneinander zu trennen sind, damit nur die Altkunden in den Genuss von Schadensersatzzahlungen kommen.

Santander-Kunden stark betroffen

In einer Stellungnahme gegenüber seinen Kunden machte Greisinger zudem noch einmal die ungewöhnliche Vorgehensweise von Madoff deutlich. So habe dieser zeitweise kein Geld mehr angenommen, um den Erfolg des Investmentprozessen nicht zu gefährden, wie es hieß. Deshalb sei es immer schwer gewesen, an Anteile des in Irland aufgelegten Thema-Fonds zu kommen. „Meistens wurde man auf eine Warteliste gesetzt“, blickte Greisinger zurück. „Diese Vorgehensweise passt von der Logik her nicht zu einem Schneeballsystem, da in einem solchen System Auszahlungen von ausscheidenden Kunden mit Anlagegeldern von neuen Kunden gespeist werden.“

Im europäischen Vergleich kommen deutsche Anleger nach der bislang bekanntgewordenen Schadenssumme noch glimpflich davon. Besonders hart traf es Kunden der spanischen Bank Santander, die insgesamt 2,3 Milliarden Euro verloren. In dieser Woche einigte sich die Bank jedoch mit ihren betroffenen Privatanlegern darauf, den Schaden vollständig zu ersetzen, wenn dafür auf Haftungsklagen verzichtet wird. Die britische Royal Bank of Scotland befürchtet einen Verlust von bis zu 450 Millionen Euro, die franzöische Großbank BNP Paribas von 350 Millionen Euro und der spanische Santander-Konkurrent BBVA von 330 Millionen Euro.

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Jahrgang 1970, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.

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