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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Lohnkosten steigen In China werden die Arbeitskräfte knapp

 ·  Die Zahl der Arbeitskräfte in China galt bislang als schier unerschöpflich. Die Folge: niedrige Lohnkosten - ein Paradies für ausländische Investoren. Jetzt sagt aber ein Forschungsinstitut: Die Zahl neuer chinesischer Arbeitskräfte geht zur Neige - und die Lohnkosten steigen. Ähnliche Tendenzen gibt es auch in Indien.

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Die bislang schier unerschöpfliche Zahl neuer chinesischer Arbeitskräfte geht langsam zur Neige. Wie ein führendes Forschungsinstitut des Landes am Mittwoch erklärte, müssen Firmen in China deshalb in den kommenden Jahren mit rasant steigenden Lohnkosten rechnen.

Die riesige Zahl von Chinesen, die auf der Suche nach Arbeit vom Land in die Städte gezogen sind, garantierte bislang niedrige Löhne. Sie war damit eine Grundlage für das chinesische Wirtschaftswunder der vergangenen Jahrzehnte. Das Überangebot von Arbeitskräften in ländlichen Gegenden ist dem Institut zufolge jedoch bereits von 200 Millionen Menschen in den 90er Jahren auf 50 Millionen geschrumpft.

Unter anderem die Ein-Kind-Politik verantwortlich

„Die Tage des riesigen Überangebots an Arbeitskräften sind vorbei“, erklärte der zuständige Experte der chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften, Cai Fang. Für den Rückgang sei unter anderem die chinesische Ein-Kind-Politik verantwortlich.

Schon in den vergangenen Jahren habe die schrumpfende Zahl der Wanderarbeiter für rasante Lohnsteigerungen gesorgt. Die Löhne seien 2004 um knapp drei Prozent, 2005 um fast sieben Prozent, 2006 um fast zwölf Prozent und 2007 bereits um 20 Prozent gestiegen.

In Indien ist die Lage ähnlich

Das Phänomen beschränkt sich jedoch nicht allein auf China. Auch Indien, das noch bis vor kurzem als das Mekka der günstigen und gut ausgebildeten Arbeitskräfte in Asien galt, hat zunehmend mit steigenden Gehältern und einer hohen Mitarbeiterfluktuation zu kämpfen, wie die Bundesagentur für Außenwirtschaft (BFAI) festgestellt hat. Seit 2005 legten die Personalkosten der großen Unternehmen um durchschnittlich 25 Prozent pro Jahr zu, heißt es in einem Länderbericht der BFAI.

Insbesondere die beschäftigungsintensiven Branchen des Dienstleistungssektors litten unter dieser Entwicklung. Aber auch in der verarbeitenden Industrie treibt der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern die Gehälter nach oben. Einer Prognose zufolge werde Indien 2008 bei den Gehaltssteigerungen weltweit den ersten Platz belegen.

„In manchen Branchen erreichen die Gehälter für hochqualifizierte Arbeitskräfte mit mehrjähriger Berufserfahrung durchaus das Niveau der Industrieländer“, schreibt der BFAI-Indien-Fachmann Boris Alex. Der Wettbewerb um die besten Köpfe werde sich in den nächsten Jahren zudem weiter verschärfen.

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