17.06.2008 · Das verbesserte politische Klima zwischen China und Japan trägt anscheinend erste Früchte: Eine Einigung über die gemeinsame Nutzung mehrerer Gasfelder scheint zum Greifen nahe. Damit wäre einer der wichtigsten Streitpunkte zwischen den Ländern ausgeräumt.
Von Patrick Welter, TokioJapan und China stehen kurz vor einer Einigung über die gemeinsame Ausbeutung von Gasfeldern im ostchinesischen Meer. Ein Ergebnis werde „in sehr kurzer Zeit“ vorliegen, heißt es im japanischen Außenministerium. Die Übereinkunft sei auf jeden Fall vor dem Weltwirtschaftsgipfel der G-8-Staaten Anfang Juli auf der nordjapanischen Insel Hokkaido zu erwarten. China bestätigt einen „bemerkenswerten Fortschritt“ der Verhandlungen. Mit der Einigung trage die Verbesserung des politischen Klimas zwischen Japan und China erste Früchte.
Der Disput um die Erdgaslagerstätten gehört seit einiger Zeit zu den wichtigsten Streitpunkten zwischen beiden Ländern, berührt er doch neben rein wirtschaftlichen Interessen die Frage der Grenzziehung im ostchinesischen Meer. Japan trennt die „exklusiven wirtschaftlichen Einflussbereiche“ anhand einer „Medianlinie“, die mehr oder weniger die räumliche Mitte zwischen beiden Ländern abbildet. Japans Anspruch auf kleine unbewohnte Inselgruppen in der Nähe von Taiwan, die Senkaku Inseln, dehnt den Einflussbereich dabei spürbar nach Westen aus.
Zeit der Annäherung
Auch China beruft sich auf die Geographie. Das Land blickt indes auf die Ausdehnung seines Festlandsockels, der nach chinesischer Auffassung viel weiter östlich an der Okinawa-Tiefe endet - und damit weit näher an der japanischen südlichen Inselpräfektur Okinawa. Die umstrittenen Erdgasfelder liegen nahe der von Japan gezogenen Medianlinie, zum Teil erstrecken sie sich unter der Linie gen Osten.
Nach Berichten japanischer Medien haben die Regierungen die heikle Frage der Grenzziehung nun ausgeklammert, um eine Einigung über die Nutzung der Erdgasfelder zu ermöglichen. Sowohl das japanische Außen- als auch das Wirtschaftsministerium verweigerten jeglichen Kommentar zu Einzelheiten der Gespräche mit China.
Der Streit um die Rechte an den Gasfeldern schwelt seit Jahren. Seit 2004 laufen die Verhandlungen, die sich lange dahinschleppten. Als damals beide Länder zu Probebohrungen ansetzten, trug die Unstimmigkeit mit zu den antijapanischen Ausschreitungen in China und zu den vergifteten Beziehungen zwischen beiden Ländern bei. Spätestens mit dem Staatsbesuch von Ministerpräsident Wen Jiabao im April vergangenen Jahres in Tokio aber hat zwischen den beiden großen Wirtschaftsmächten in Ostasien die Zeit der Annäherung begonnen. Damals vereinbarten die Regierungen im Grundsatz eine gemeinsame Ausbeutung der Gasressourcen.
Erträge sollen geteilt werden
Erschwert wurden die seither intensiver geführten Gespräche indes dadurch, dass Peking mit der Ausbeutung des Gasfeldes Chunxiao, das die Japaner Shirakaba nennen, schon begonnen hat. Wiederholt wurde in den vergangenen Monaten eine baldige Einigung bei den Verhandlungen angekündigt; nun scheint sie zum Greifen nahe. Dabei mag eine Rolle spielen, dass Japan vor dem Weltwirtschaftsgipfel, zu dem auch China als Gast eingeladen ist, das Problem beseitigt haben möchte.
Im Mittelpunkt der Verhandlungen stehen neben Shirakaba drei weitere Gasfelder nahe der Medianlinie: Kashi, Kusunoki und Asunaro, auf chinesisch Tianwaitian, Duangiao und Longjing. Über die Größe der Lagerstätten herrscht Unklarheit, die Schätzungen gehen deutlich auseinander. Nach den Medienberichten soll Japan das geforderte Recht erhalten, sich an den Investitionen im Shirakaba-Feld zu beteiligen. Die Erträge sollen gemäß der Investitionen geteilt werden, wobei die Details noch verhandelt werden.
Über die gemeinsame Förderung in den anderen Feldern scheint noch keine Einigung erzielt worden zu sein. Bevor die japanisch-chinesische Arbeit an Ort und Stelle beginnen kann, müssen die Absprachen ohnehin noch als Vertrag zwischen beiden Ländern von den entsprechenden Gremien ratifiziert werden.