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China Geldanlage gegen den Dreck

08.08.2008 ·  In China kann das Wasser aus den Flüssen nicht getrunken werden. Die Luft in den Großstädten ist verpestet. 16 der 20 schmutzigsten Orte der Welt liegen in dem Land. Das verleitet manche Fondsgesellschaften, in Anbieter von Umwelttechnik in China und anderen Schwellenländern zu investieren.

Von Daniel Mohr
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Chinas Machthaber hoffen derzeit auf Wind. Sind die Luftströmungen nämlich günstig, wird der hässliche Smog über Peking Richtung Meer getrieben. Die Welt bekäme so ein besseres Bild von Chinas Hauptstadt. Beim Ansehen der Fernsehbilder von den Olympischen Spielen soll nicht der Eindruck entstehen, die Sportler und Zuschauer erstickten fast an den Abgaswolken. Fabriken wurden extra stillgelegt für die Spiele, weitgehende Fahrverbote für Autos erlassen. Trotz aller Bemühungen sind die Luftwerte schlechter, als es das Olympische Komitee gerne hätte, und Sportler denken über spezielle Atemmasken und Kontaktlinsen nach.

Umweltprobleme ähnlicher Art gibt es auch in einigen anderen chinesischen Regionen und Städten. Im einwohnerreichsten Land der Erde liegen 16 der 20 schmutzigsten Orte der Welt. „Die lokale Umweltverschmutzung in China erreicht derzeit einen Punkt, der die Lebensqualität der Menschen stark beeinträchtigt“, sagt Laura Würtenberger. Sie verwaltet für UBS Global Asset Management den Fonds UBS Emerging Markets Innovators, der in Unternehmen investiert, die von zunehmenden Bemühungen in Schwellenländern um ein umweltgerechtes Wirtschaftswachstum profitieren.

Verdreckte Flüsse, schmutzige Luft, unzufriedene Bevölkerung

„In China führen die Hälfte der Flüsse kein Trinkwasser mehr, die Luft ist verschmutzt und die Bevölkerung deshalb immer unzufriedener“, sagt Würtenberger. „Es gibt in China mittlerweile eine Mittelschicht, die bereit ist, für mehr Umweltschutz auch zu zahlen.“ Der politische Druck auf China werde zudem größer, sich auf eine Begrenzung des Wachstums der Treibhausgasemissionen einzulassen. Mittlerweile ist China einer der größten Emittenten. Der Ausstoß der Industriestaaten ist aber je Einwohner noch weit höher.

„Eine umfassende Klimastrategie gibt es in China bisher allerdings nicht“, sagt Würtenberger. „Wir suchen daher nach Unternehmen, die auch ohne ein Staatsprogramm im Klimaschutz bereits Geld verdienen.“ In China ist dies der Solarzellenhersteller Suntech, der vor allem für westliche Märkte produziert. Im lokalen Umweltschutz beobachtet Würtenberger, dass Gesetze, zum Beispiel zum Wasserschutz, heute besser umgesetzt werden. Mit China Everbright International befindet sich ein Unternehmen im Fonds, das Wasseraufbereitungs- und Müllverbrennungsanlagen betreibt.

50 bis 70 Unternehmen im Fokus

Wegen der besonders ausgeprägten Umweltprobleme machen chinesische Unternehmen derzeit etwa rund ein Viertel des Fonds aus. Insgesamt investiert der Fonds in 50 bis 70 Aktiengesellschaften weltweit. „Schwerpunktmäßig sind dies kleinere und mittlere Unternehmen mit einem Börsenwert zwischen 500 Millionen und 5 Milliarden Dollar“, sagt Würtenberger. Ein Viertel der Werte sind dem Thema Wasser, ein Viertel dem Thema Klimawandel und die Hälfte dem Oberbegriff „nachhaltige Entwicklung“ zugeordnet.

In den Bereich nachhaltige Entwicklung fallen zum Beispiel die indonesische Bank Rakyat, die mit Kleinstkrediten das Finanzsystem des Inselstaates entwickelt. Die Bank hat mittlerweile 30 Millionen Kunden und bedient vor allem Kunden auf dem Land. Im Fonds befinden sich aber auch Unternehmen wie die brasilianische Sistema Educacional Brasileiro, die unter anderem öffentliche Schulen mit Büchern, computerbasierten Lernsystemen und Weiterbildung für Lehrer unterstützt.

Auch Bildung bietet sich als Anlagethema an

„Bildung hat in den Schwellenländern einen kulturell hohen Stellenwert. Die meisten Regierungen tun sich aber schwer damit, ein vernünftiges Bildungssystem auf die Beine zu stellen“, sagt Würtenberger. Mit Raffles Education hat sie ein weiteres Bildungsunternehmen im Fonds, das Berufsschulen vor allem in China betreibt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Wasserwerte in Südamerika oder auch auf den Philippinen. „Manila Water hat es geschafft, in den Armenvierteln ein Wasserversorgungssystem aufzubauen. Früher mussten die Leute sich ihr Wasser auf der Straße kaufen, ein Leitungssystem gab es nicht“, sagt Würtenberger.

Bei all ihren Anlageentscheidungen, die sie von ihrem Büro in Singapur aus trifft, achtet die Fondsmanagerin streng auf die Profitabilität der Unternehmen. Nur Firmen, die bereits heute Geld verdienen, finden ihre Berücksichtigung. „Generell ist das Thema natürlich langfristig interessant. Viele Länder stehen in Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen erst am Anfang der Entwicklung, wie sie in Industrieländern schon seit vielen Jahren im Gang ist“, sagt Würtenberger.

Der UBS-Fonds ist seit Juni im Handel. Seither hat er gut 10 Prozent an Wert verloren und liegt damit im Trend der allgemeinen Aktienkursentwicklung. Er wird in Dollar gehandelt. Der Ausgabeaufschlag beträgt 5 Prozent, die jährliche Verwaltungsgebühr 2,3 Prozent. Damit ist der Fonds, der derzeit ein Volumen von rund 20 Millionen Dollar hat, vergleichsweise teuer.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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