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Contra Realpolitik spricht dagegen

15.05.2008 ·  Diplomatie mit Peking, wo die Machthaber in Jahrzehnten denken, ist zäh, aber auch empfindlich. Dem Dalai Lama ständig Haus und Hof zu öffnen, würde den besonderen deutschen Draht zu China gefährden.

Von Wulf Schmiese
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Der Dalai Lama wirkt zweifellos sympathisch. Kein anderer Religionsführer auf der Welt kommt so menschlich, locker und uneitel daher wie dieser charismatische Tibeter. Seine augenzwinkernde Art macht ihn zu einem der global erfolgreichsten Werber - seiner selbst, seiner Religion und seines Tibet, aus dem er 1959 von Maos Schergen vertrieben wurde. Sollte die deutsche Politik diesem friedliebendem Mönch nicht ständig Haus und Hof öffnen? Was spricht dagegen?

Es ist die Realpolitik, die dagegen spricht, der deutsche Draht zu China. Diplomatie mit Peking, wo die Machthaber in Jahrzehnten denken, ist zäh, aber auch empfindlich. Die chinesische Führung fürchtet, teils durchaus hysterisch, den Dalai Lama als Staatsfeind. Unbestreitbar ist er eine hochpolitische Symbolfigur. Anders als Politiker behaupten, wird er von ihnen doch nicht empfangen, weil er den Vajrayana repräsentiert. So heißt die Form des tibetischen Buddhismus, die er vertritt. 1989 bekam er nicht den Friedensnobelpreis wegen seiner buddhistischen Lehre, sondern wegen seines gewaltfreien Widerstands gegen die Politik Chinas.

Das macht ihn für Politiker attraktiv - zu Recht. Dennoch werden nun Begegnungen mit dem Dalai Lama überbewertet, der über zwanzig Mal in Deutschland war. Jeder, der ihn trifft, will damit ein Zeichen setzen, erst recht nachdem die Bundeskanzlerin es längst getan hat. Jeder Politiker will damit vor allem ein Zeichen des eigenen Muts setzen, so auch Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), was wohlfeil ist in der freien Welt.

Es war außenpolitisch mutig von Angela Merkel, als sie den Dalai Lama im September im Bundeskanzleramt empfing. Innenpolitisch war es bewusst populär. Deshalb ist es ebenfalls mutig von Außenminister Steinmeier, den Dalai Lama nicht treffen zu wollen. Denn er sieht ja, wie das seinem Image daheim schadet. Doch Steinmeier handelt als Fachmann, als Deutschlands oberster Diplomat, dessen Pflicht es ist, so viel Einfluss wie möglich auf die Weltmacht China zu haben.

Denn China wiederum kann mäßigend wirken, nicht nur auf die starrsinnige Junta in Burma, wo es um das Leben von Millionen Menschen geht. Gespräche erleichtert es nicht, dass China eben keine Demokratie ist. Es hat immer wieder brutal zugeschlagen in Tibet, das es seit dem 13. Jahrhundert beansprucht. Es gibt zu viele Regionen auf der Welt, wo ähnliches Unrecht geschah und geschieht. Zu wenige aber haben einen so erfolgreichen Vertriebenenfunktionär wie den Dalai Lama. Er sagt selbst, er stehe für Dialog - auch mit China. Dann wird er einsehen, dass dieser Dialog nicht gefährdet werden darf.

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