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Ein Hongkong-Tagebuch Sieben Tage, sieben Millionen Köpfe

13.07.2006 ·  Hongkong ist nun seit neun Jahren wieder unter festlandchinesischer Oberherrschaft, aber noch immer eine freie Stadt, in der viel möglich ist, was im Rest Chinas auf lange Zeit hin unwahrscheinlich erscheint.

Von Marko Martin
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Erster Tag: Anflug auf den Chek-Lap-Kok-Airport im Norden der Insel Lantau. Inselchen tauchen auf. Dazwischen scheinbar bewegungslose Trawler mit weißem Schweif, dazwischen wiederum Fischerboote - das Flugzeug ist zu hoch, um Formen zu unterscheiden. Sampans, Dschunken, Schmugglerkähne: Orson Welles und Curd Jürgens auf der „Fähre nach Hongkong“?

Lantau, so ist im Reiseführer zu lesen, während der Bus über eine Schnellstraße durch eine gesichtslose Landschaft fährt, ist doppelt so groß wie die Nachbarinsel Hongkong. Als der neue Flughafen Ende der Neunziger seinen Betrieb aufnahm, wurde auch eine gigantische Hängebrücke zum Festland hinüber nach Kowloon gebaut, die im Abendlicht die Golden Gate Bridge in den Schatten stellen soll. Schneller Prüfblick vom Buch aus dem Fenster: Der Vergleich erscheint plausibel, obwohl es noch lange nicht dämmert.

Eine Stunde und zwanzig Dusch- und Kleidungswechsel-Minuten später zeigt die Glasfront vor dem Lift im neunzehnten Stock des Royal Plaza zahllose glitzernde Riesenbausteine vor dunkelblauem, violett gestricheltem Himmel. Schnell zur Star Ferry, die Kowloon und Hongkong Island miteinander verbindet. Wie der Trailer zu einem besonders guten Film ist die Überfahrt natürlich viel zu kurz. Inmitten eines disziplinierten Menschenstroms im hellen Neonlicht durch Drehkreuze und über Gänge, deren Boden irgendwann leicht zu schaukeln beginnt. „Ich nahm die Fähre in Kowloon“ - in welchem der Hongkong-Schmöker hatte das noch gestanden? Bei James Clavell, Richard Mason oder in Han Suyins „Alle Herrlichkeit auf Erden“?

Wahrscheinlich hatte der Satz in keinem der Romane gefehlt, mythisch gewordener Extrakt für ein ganz spezielles Großstadt-Gefühl, diese irre Möglichkeit, sich an einem der dichtestbevölkerten Orte der Welt frei zu bewegen, vertikal ebenso wie horizontal, modrig-benzingetränkt-würzig-salzige Hafenluft schnuppern zu können (und dazu das Armani am schlanken Hals der chinesischen Banknachbarin, die gedankenverloren mit ihren Prada-Schuhen wippt) und jetzt, da sich die Fähre in Bewegung setzt, von den Holzbänken des Unterdecks die gleichsam abgeschnittene, aus der Dunkelheit herausgemeißelte und im Lichtgefunkel zitternde Skyline von Hongkong minütlich näher kommen zu sehen: ein neuer Film. Und das erste Symbol neuer Realität, denn dieses Gebäude linkerhand, auf einem umgedrehten Dreieck ruhend, müßte das ehemalige Prince of Wales Building sein, das seit 1997 einen weniger anheimelnden Namen trägt: Hauptquartier der Volksbefreiungskräfte der Volksrepublik China. Was aber hat das mit den Holzlehnen der Sitzbänke zu tun? Sie passen sich an. Lassen sich ganz einfach von rechts nach links drücken, bleiben dann jedoch in einer leicht schrägen Position.

Wenig später, auf dem Weg zur Peak-Tram in der Garden Road, gleitet aus den Häuserschluchten eine Doppelstock-Straßenbahn heraus. Endstation Wanchai, die Welt der Suzie Wong. Menschen steigen ein, Menschen steigen aus, wiederum keinerlei Gedrängel - nicht einmal später im Holzgehäuse der 1885 erbauten Peak-Tram, wo die offensichtlich begehrte rechte Fensterseite den besseren Blick auf die Stadt verspricht. Auf schräger Bahn rattert sie den Berg hinauf und lässt aus dieser Perspektive die Hochhäuser in Zeitlupe nach vorn kippen, elegant wankende Vierkantgötzen, die alsbald von Villen abgelöst werden: je höher, je nobler. Und dann stehst du auf der Aussichtsplattform, unten die nächtlich zuckende und zugleich in sich ruhende Metropole. All die nun doch wüst drängelnden Touristen, westlicher und wahrscheinlich festlandchinesischer Herkunft, stören dich ebensowenig wie die Tatsache, dass du den wenigsten Gebäude-Giganten da unten einen Namen zuordnen kannst. Dafür bleiben noch sechs weitere Tage und Nächte.

Zweiter Tag

Enttäuschung in Aberdeen, abgefedert durch Miss Jeannie Hau. Was ist das für ein Hafen, in dem soviel Wasser zu sehen ist? Wo sind die Dschunken und Hausboote, durch Laufstege miteinander verbunden, auf denen Kulis mit einem Stab über den Schultern ihre Lasten transportierten? „Die meisten Fischer wohnen jetzt dort oben, in den Sozialwohnungen“, sagt Frau Jeannie und zeigt auf die Hochhäuser, die den Taifunschutzhafen wie eine Mauer umgeben. „Es sind viel weniger als früher, auch haben sie inzwischen Angestellte: Festland-Chinesen, die mehr oder minder legal in Hongkong leben.“

Die Abgesandte des Hongkonger Tourismusbüros - einssechzig groß, Turnschuhe, Jeans und wahrscheinlich kopiertes Versace-T-Shirt - erinnert mit dem kurzgeschnittenen schwarzen Haar, den lachenden Augen hinter der roten Brille an die clevere Gestalt aus einer beinahe vergessenen Kinderfibel. Das ist der kluge, stets präsente Igel Itzo, denkst du, während man sich gegenseitig vorstellt und die Peinlichkeit, dass du wieder einmal keine Visitenkarten dabeihast, sofort versenkt wird mit der Ankündigung, man verlasse auf einer Fähre jetzt Aberdeen und besuche ein schwimmendes Fischerdorf vor der Insel Lamma.

Während der Fahrt wieder grüne Hügel hinter Nebelschleiern - und nun doch einige Dschunken, deren Glöckchen-Gebimmel der Wind zusammen mit heraufwirbelnder Gischt herüberträgt, sobald die Maschinen stoppen und unser Schiff langsam vor der auf Pfählen ruhenden Ansiedlung beidreht. An Land - besser: auf Holz - gibt es im sogenannten „Discover Hongkong Year 2006“, einer Erfindung der einheimischen Tourismusmanager, allerlei zu sehen: Fischerboote mit zerfledderten Segeln und Opiumpfeifenfach im Unterdeck, ein Miniaturmuseum voller Trachten und alter Fotografien, eine Freilichtausstellung mit getrockneten Fischen und diversen Fanggeräten, dazu einen alterslosen, muskulösen Fischerdarsteller, der mit holländischen Touristen vor einem Becken ein „funny fishing“ aufführt.

Schon ist Frau Jeannie da und sagt: „Er ist wirklich ein Fischer. Früher haben diese Leute nur sehr wenig verdient, aber jetzt arbeiten sie mit den Touristen zusammen, und es geht ihnen besser. Und wissen Sie, daß ohnehin immer mehr Fisch nach Hongkong importiert wird, Lachs aus Schottland, Hummer aus Australien, Muscheln aus Island und die Jakobsmuscheln aus Japan. Die Stadt hat immer Hunger.“ Igel Itzo lächelt und murmelt etwas von Dinner.

Mit einem Glas Champagner in der Hand auf den schwarzen Marmorfliesen am Rand des von einem japanischen Designer entworfenen Separat-Pools der Präsidenten-Suite im Intercontinental, vormals Regency, stehen und von hier aus der abendlichen Licht-Show zusehen, bei der sich Kowloon fünfzehn Minuten lang per Laserstrahl mit Hongkong-Island mißt. Es erstrahlen perfekt choreographiert zuerst die Umrisse, dann ausgewählte Details der jeweils gegenüberliegenden Skyline: Sony, Siemens, Hitachi, Panasonic. Das Licht springt, kreist, marschiert, pirscht sich heran - da wispert die Stimme der Nemesis, freilich äußerst feinfühlig aus dem Munde der Managerin, die kleine Hotelführung sei beendet, das Dinner im hauseigenen Panorama-Restaurant Spoon von Alain Ducasse warte bereits.

Die Verwandlung der Lichtstrahlen in Miniaturleckereien der Nouvelle cuisine, von einem dezenten, sich in Englisch versuchenden Franzosen zuvor angekündigt wie ein von Debussy vertontes Mallarmé-Gedicht. (Kurzer Blick hinüber zu Jeannie, die signalisiert: Der Mann ist kein Schauspieler, sondern der Meisterkoch.) Später das Angebot des Hoteltransfers mit entschiedener Freundlichkeit abgelehnt und bis weit nach Mitternacht durch die vielgerüchigen Straßenschluchten von Mongkok gestrolcht. Flanieren käme hier keinem in den Sinn.

Dritter Tag

Neunzig Prozent der Bewohner von Mongkok sind entweder aus der Volksrepublik China geflohen oder haben Eltern, die geflohen sind: Sie alle waren durch die Kommunistische Partei an Körper oder Seele verletzt (John Burdett, „Die letzten Tage von Hongkong“).

Auf dem Jade-Markt in der Kansu Street verkauft man inmitten all der roten, grünen und blauen Perlenketten, Armbänder, Schmuckkästchen und Buddha-Figuren auch kleine Mao-Bibeln und Anstecker, dazu Intarsienarbeiten mit dem Konterfei des Großen Vorsitzenden. Eine holzgerahmte Tischuhr zeigt Mao gar mit ausgestrecktem Arm, der sich im Sekundenrhythmus bewegt - auf und ab, auf und ab. Ist dies die Rache der einst aus der Volksrepublik Geflüchteten, die Merkantilisierung des einstigen Schreckens?

Die gefühlte Temperatur liegt heute erstmals unter fünfundzwanzig Grad, dazu gibt es Wolken und - auf dem Weg zum WongTaiSin-Tempel - vereinzelt Regenschauer. Direkt vor dir zwei sympathisch aussehende deutsche Frauen Mitte Dreißig, die ihre Schirme aufspannen und sich über Guantánamo und „die Amis“ unterhalten. Die Plakate an den Zäunen des Tempelwegs übersehen sie: Fotos der Studenten vom Tiananmen Square im Juni 1989, blutüberströmt und von Panzern überrollt. Ein alter Mann drückt dir eine Broschüre in die Hand: „Is the value of human life equal only to the sum of it's parts?“

Es ist keine spirituelle Handreichung für den Taoisten-Tempel, sondern eine faktensatte Auflistung der festlandchinesischen Praxis, die Körperteile Hingerichteter oder in den zahllosen Arbeitslagern Zutodegekommener weltweit an Interessenten zu verschachern: eine Leber für zehntausend Dollar, ein intaktes Herz ab dreizehntausend. „Erzählen Sie den Menschen im Westen davon“, ruft der alte Mann, der sich nicht geräuschlos verschieben lässt wie die Sitzbank auf der Fähre. Du nickst ihm zu und fühlst dich dabei sekundenlang sogar sehr mutig, ehe dich die Scham packt angesichts seines verzweifelten, in der Menschenmenge bald wieder verschwindenden Gesichts.

Rascheln unterm Regenschirm: Im Vorhof des Tempels stehen Gläubige und schütteln einen Strauß millimeterdünner, mit Zahlen beschrifteter Bambusstäbchen, bis eines zu Boden fällt. Die Gläubigen bücken sich, lesen die Zahl und marschieren zu Läden, wo in länglichen Nischen von der Tiefe eines Einbauschranks würdig dreinblickende, graubärtige Herren vor einem Regal mit winzigen Kästchen sitzen, nach hinten greifen - zu jeder Zahl ein Kästchen und ein Zettel mit Interpretation - und Weißsagungen verkaufen. „Und wenn Unglück prophezeit wird?“ „Dann kaufen die Leute nebenan Blumen aus Glanzpapier, um das Pech wegzublasen“, sagt Jeannie mit ernsthafter Miene.

Vierter Tag

Mit dem Bus nach Stanley. Die Metropole im Rücken, jedoch nicht die Hochhäuser. Eher lang als breit, stehen sie in den Hügeln der Repulse Bay, den hohen Grundstückspreis durch ein Maximum von Appartments mit Meerblick amortisierend. Wie in der Stadt haben auch hier etliche der Gebäude ein Loch in der Mitte. Der Verlust möglicher Mieteinnahmen wird kompensiert durch die Besänftigung der Drachen, die durch ebenjenes Loch zum Meer fliegen können und somit das Gebäude nicht mit ihrem Zorn behelligen. „Feng Shui“, sagt Jeannie, „Geomantik. Unternehmen, die es ignorierten, gingen fast immer pleite.“

Der Straßenmarkt von Stanley: Kaufwütigen, schwitzenden Europäern dabei zusehen, wie sie in engen, sich auf und ab schlängelnden Gassen um gefälschte Vuitton-Taschen, Adidas-Schuhe und Lacoste-Hemden feilschen. Doch hier ist der Reißverschluß zu grob, da die Sohlen zu dünn und das Krokodil nicht grün genug - discount, discount! Auf der Rückfahrt immerhin das gratis, was auf dem Markt als gerahmtes Kitschbild einiges kostet: Hügel und Täler, rötliche Erde und weißgefiederte Vögel, jadegrüne, dampfende Wälder und kristallblaues Wasser - die idyllische Rückseite einer Megastadt.

Als Kompensation zur Butterfahrt kurz vor Mitternacht noch über den Nachtmarkt in der Temple Street geschlendert, dass heißt, mich im Garküchengeruch in einer von Neontafeln und Verkaufsstand-Leuchten zurückgestoßenen Dunkelheit vom konsumvereinten Ost und West vorwärts schieben lassend. Und da plötzlich vor mir (die Stadtwelt ist klein) die zwei charmanten deutschen Frauen, zwischen enthusiastischen Erörterungen über den Preisvorteil des Nachtmarkts gegenüber dem Lady's Market bittere Spottworte über den tumben Materialismus der Amerikaner austauschend. Von der Neugierde in die offenen Eingänge zwanzigstöckiger, etwas heruntergekommener Gebäude getrieben, Karaokebars und Saunen in den stickigen oberen Etagen, öde Nepp- und Abzockhöhlen, von denen du nie verstanden hast, weshalb ihre merkantile Mechanik mit dem schönen Adjektiv „verrucht“ veredelt wird. Im Lift eines weiteren Gebäudes irgendwann wieder hinunter auf die Straße, in der jetzt die Stände abgebaut sind und zottelige Katzen um den faulig-süßen Inhalt aufgeplatzter Plastiksäcke kämpfen.

Fünfter Tag

Dies ist ein Ausflug, bei dem es nichts zu kaufen gibt: die als Teufelsaustreibung gedachte Bun-Festparade auf der Fischerinsel Cheung Chau. Auf der Straße tanzende Einhörner und überdimensionale Drachenköpfe, seidene Banner und Ebenholz-Sänften mit Miniaturthronen, Schellenklänge und Trommeln. Auf einer Tribüne sitzen unter den Einheimischen verstreut westliche Konsulatsbeamte mit ihren Begleiterinnen, soignierte Herren und somnambul lächelnde Damen, als wäre dies nicht das „Discover Hongkong Year 2006“, sondern irgendein Zeitpunkt in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts, Illustration zu einem Kasimir Edschmid-, Evelyn-Waugh- oder Paul-Morand-Roman.

In zwei Meter Höhe tauchen plötzlich geschminkte kleine Mädchen mit Reispapierfächern und in durchaus bedenklich aufreizender Montur auf, in der Balance gehalten von Metallverstrebungen, die gekonnt unter der fragil wirkenden Hülle von Bambus und Seide versteckt sind. Diese Härte hinter der lächelnden Sanftheit. Vielleicht aber auch nur die Stärke und der Erfindungsreichtum jener, die nicht über Banken- und Panzermacht verfügen? Die Botschaft scheint verstanden zu werden, den unsichtbar festgezurrten Kindern da oben in den Lüften braust Applaus entgegen, der sich noch steigert, als eine Band in weißen Uniformen und Helmen mit Federbusch britische Militärmusik zum besten gibt. Es sind die Hongkonger selbst, die in Jubel ausbrechen - wohl kaum als Hommage an den Kolonialismus als vielmehr an ein Rechtssystem, das sie von 1997 an vertraglich für ein halbes Jahrhundert vor staatsparteilicher Willkür schützen soll.

Sechster Tag

Morgens um sechs ein Rascheln an der Tür: die „South China Morning Post“. Das Bild eines blaubekittelten, spritzenbewehrten Jungen bei der gestrigen Bun-Festprozession wird als nachgeholte Kritik an den zögernden Anti-Sars-Aktivitäten der Regierung interpretiert, daneben ein Artikel über neue Insider-Dokumente zum Pekinger Massaker 1989. Hongkong ohne Angst und allzu eilfertige Anpassung. Von gestern nacht bis in die frühen Morgenstunden hinein Club-Hopping in Lan Kwai Fong. Dabei die unerwartete Wiederbegegnung mit den beiden gutgelaunten deutschen Frauen. Der Versuchung zum Mithören gerade inmitten des Gedrängels nicht wiederstehen können, und siehe da: Reflexionen über die Prüderie der Amerikaner.

Am Nachmittag in Mongkok in die U-Bahn nach Hongkong Island gestiegen: Schnell, hypermodern und reinlich, ohne steril zu sein. Vom gläsernen und doch undurchdringlich wirkenden Bankenviertel im Central-District per Doppelstock-Straßenbahn noch einmal zur Hollywood Road gefahren. Schmale Seitenstraßen voll kleiner Läden, steile Treppen wie ein asiatisches Montmartre; Erinnerung an Alain Robbe-Grillets „Die blaue Villa in Hongkong“. Bei der Rückkehr der melancholische Abschiedsritus: Ich nahm die Fähre nach Kowloon.

Siebter Tag

Vor dem Abflug eine Liste des Nicht-gesehenen erstellt: die New Territories und die Gondelbahn in Lantau, Disneyland und die Panorama-Bar im Hotel Peninsula, Bird Market sowie diverse von Jeannie empfohlene Einkaufszentren. (Der Abschied vom Igel Itzo als herzliche Umarmung fern jeglicher Floskeln.) Immerhin aber hast auch du - ohne auf Amerikaner zu schimpfen - bei Bossini ein Jackett gekauft und in einer Nebenstraße der Nathan Road hundert Hongkong-Dollar, etwa zehn Euro, für drei in separaten Schachteln steckende Krawatten ausgegeben - allein wegen der Karton-Aufschrift: Dolce et Gabbena. Die leise, sprachspielerische Ironie der Fälscher. (Am liebsten hättest du mit Dillar bezahlt.) Aber was ist dieser Schnickschnack angesichts der entscheidenderen Zahl: neun Jahre unter festlandchinesischer Oberherrschaft, denkst du beim Abschied - und denkst an den alten Mann vor dem Tempel -, aber noch immer eine freie Stadt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. Juli 2006
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