Home
http://www.faz.net/-gdo-zok8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Olympisches Lexikon: U Autoabstinenz als nationales Projekt

08.07.2008 ·  Das U-Bahn-Streckennetz wurde in den letzten Jahren enorm erweitert. Es könnte wieder Schwung in den Pekinger Verkehr bringen, der von Jahr zu Jahr unbeweglicher wird. Und händeringend bittet die Stadtregierung die Bevölkerung, ihre teuer erworbene Mobilität wieder einzuschränken.

Von Mark Siemons, Peking
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Ditie: die wohl spürbarste Veränderung, die die Spiele im Stadtbild Pekings hinterlassen werden. Im Zuge der olympischen Vorbereitungen wurde das Streckennetz in den letzten Jahren von 114 auf 202 Kilometer erweitert.

Vier neue Linien wurden seit 2007 eingerichtet, darunter eine Direktverbindung der Innenstadt mit dem Flughafen sowie die Linie 8, die von der City in den Olympiapark führt. Gleichzeitig wird der Takt in den Hauptverkehrszeiten von drei auf zweieinhalb Minuten erhöht. Seit Juni hat ein elektronisches Ticketsystem die alten Papierfahrkarten ersetzt; der Einheitspreis ist mit zwei Yuan (knapp zwanzig Cent) niedrig geblieben.

Diese Veränderungen könnten wieder Schwung in den Pekinger Verkehr bringen, der in umgekehrter Relation zur Masse von Jahr zu Jahr unbeweglicher wird. Bei 3,5 Millionen Autos, die jeden Tag um 1200 neue Fahrzeuge vermehrt werden, beträgt die Durchschnittsgeschwindigkeit in Spitzenzeiten weniger als zwölf Kilometer pro Stunde. Für die olympische Phase sind drastische Maßnahmen geplant. Siebzig Prozent der Regierungsautos werden dann von den Straßen verdammt sein, und von den übrigen darf jeden Tag, je nach der geraden oder ungeraden Zahl des Nummernschilds, nur die Hälfte fahren.

Auch die freiwillige Autoabstinenz wird zum nationalen Projekt. „China hat der internationalen Gemeinschaft ein feierliches Versprechen gegeben“, heißt es händeringend in dem Schreiben, in dem die Stadtregierung die Bevölkerung bittet, ihre teuer erworbene Mobilität nun wieder einzuschränken.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Jahrgang 1959, Feuilletonkorrespondent in Peking.

Jüngste Beiträge