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Olympisches Lexikon: T Machtvolles Volk, machtlose Polizei

08.07.2008 ·  Seit dem vergangenen Jahr scheut sich die chinesische Regierung nicht mehr, die Gefahr eines Anschlags bei den Spielen beim Namen zu nennen. Als größte Gefahr gibt sie die „separatistischen Terroristen“ aus.

Von Mark Siemons, Peking
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Kongbuzhuyi: eine Bedrohung, die umso mehr in den Vordergrund rückt, je weniger Tage bis zu den Spielen bleiben. Seit letztem Jahr scheut sich die Regierung nicht mehr, die Gefahr eines Anschlags beim Namen zu nennen. Dabei pendelt sie zwischen Dramatisierung und Beschwichtigung, um einerseits die sich verschärfenden Kontrollmaßnahmen plausibel erscheinen zu lassen und andererseits die Botschaft auszusenden, dass die Lage im Griff sei.

Bei der Dramatisierung stehen ihr neuerdings ausländische Institutionen bei: Der Generalsekretär von Interpol sprach von der „realen Möglichkeit“ einer Attacke von Al Qaida oder anderen, die die globale Medienaufmerksamkeit nutzen wollen. Und das amerikanische State Department gab wegen der Anschlagsgefahr sogar eine Reisewarnung für China heraus.

Kommando Schneewolf

Die Regierung in Peking gibt als größte Gefahr die „separatistischen Terroristen“ aus, die sie unter den turkstämmigen Muslimen in der westlichen Provinz Xinjiang am Werke sieht und die sie für Pläne von Entführungen und Bombenattentaten verantwortlich macht. Dafür, dass sich die Jugend der Welt in Peking dennoch nicht ängstigen müsse, hat sie drei Argumente. Erst einmal ihre Anti-Terror-Einheit mit hunderttausend speziell ausgebildeten Sicherheitskräften und die dreihundert Mann starke Elitetruppe „Kommando Schneewolf“.

Zweitens die höhere Technik: In der Stadt sind dreihunderttausend Überwachungskameras installiert, allein im Olympischen Park viertausend, deren Videostrom fortlaufend ausgewertet wird, genauso wie die Gesichtserkennungssoftware und eine Apparatur, anhand deren die Position jedes Handybenutzers blitzschnell erkundet werden kann. Und schließlich „die Massen“, die im Legitimationsgefüge der Kommunistischen Partei Chinas schon immer eine wichtige Rolle spielten. Die fünfhunderttausend olympischen Freiwilligen sollen die Augen offen halten, ob sich in ihrem Gesichtskreis Verdächtiges tut, denn: „Die Macht der Polizei ist begrenzt, die Macht des Volkes aber ist unbegrenzt.“ Was Sicherheitschef Ma Zhenchuan auch vermutlich weniger subversiv meinte, als es sich anhört.

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Jahrgang 1959, Feuilletonkorrespondent in Peking.

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