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Olympisches Lexikon: Ö Das Blaue vom Himmel

24.06.2008 ·  Es sollen „grüne Spiele“ werden, und das lassen sich die Verantwortlichen etwas kosten: Viele Milliarden Euro investiert die chinesische Regierung in Bäume, öffentliche Verkehrsmittel und industrielle Sanierung. Der Himmel über Peking soll tatsächlich schon etwas blauer geworden sein.

Von Mark Siemons, Peking
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Schengtai: das größte Versprechen Pekings, als ihm 2001 die Olympischen Spiele zugewiesen wurden. Nicht ohne Grund: Die Stadt hat mehr als siebzehn Millionen Einwohner, täglich gleiten 1200 neue Autos auf die Straßen, die Luft weist ein spezielles Mischungsverhältnis aus Kohlensmog, Betonstaub und Auspuffgasen auf, das im feuchtheißen Sommer in einen undurchdringlich milchigen Dunst diffundiert oder sonst durch die Sandstürme aus der Wüste nebenan in einer bräunlichen Düsternis aufgeht. Ohne Regen und Wind erreicht die Ozon- und Feinstaubkonzentration Werte, die zwei- bis dreimal höher sind, als die Weltgesundheitsbehörde für medizinisch unbedenklich hält.

Je näher die Spiele rücken, desto nervöser werden die Verlautbarungen. Immer wenn aus Gesundheitsgründen ein Sportler seine Teilnahme absagt oder eine Mannschaft der Eröffnungsfeier fernbleiben will, gibt das chinesische Außenministerium bekannt, solche Bedenken seien unnötig: Die Stadtregierung habe bereits zweihundert Maßnahmen ergriffen. Tatsächlich haben sich die Verantwortlichen das Ziel von „Grünen Spielen“ viele Milliarden Euro kosten lassen. Millionen Bäume wurden gepflanzt, neue U-Bahn-Linien gebaut, alte Taxis und Busse durch neue, schadstoffärmere ersetzt, Hochöfen geschlossen, Chemie- und Stahlfabriken verlegt, mit Hilfe öffentlicher Zuschüsse private Kohleöfen entsorgt. Und die Hälfte der 3,5 Millionen Autos wird in der entscheidenden Zeit Fahrverbot bekommen.

Die offiziellen Statistiken sind schon voller Erfolgsmeldungen: Im ersten Drittel dieses Jahres soll es 86 Tage mit „blauem Himmel“ gegeben haben, elf mehr als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Tatsächlich sieht der Himmel über Peking oft weit blauer aus, als es die üblich dunstigen oder dunkel-dräuenden Fotos vermuten lassen. Die Endverbraucher der Luft aber bleiben skeptisch. So naiv sind sie schon lange nicht mehr, dass das Blaue vom Himmel für sie Beweiskraft hätte.

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Jahrgang 1959, Feuilletonkorrespondent in Peking.

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