11.05.2008 · Olympia erscheint unbeschadet der Tatsache, dass China erst unlängst den westlichen Sport für sich entdeckt hat, als „Erfüllung des großen Traums des chinesischen Volks“. Die Nation sei auf Verkennung und Spott vorbereitet.
Von Mark Siemons, PekingMinzu, zentraler Fluchtpunkt der Pekinger Spiele, bei denen laut offiziellen Verlautbarungen „fünftausend Jahre chinesischer Zivilisation und Geschichte“ kulminieren sollen. Olympia erscheint da unbeschadet der Tatsache, dass China erst unlängst den westlichen Sport für sich entdeckt hat, als Eckstein der nationalen Teleologie, als „Erfüllung des großen Traums des chinesischen Volks“.
Zugleich soll das nationale Projekt auf Frieden und Entwicklung ausgerichtet sein, also auf die Begegnung mit den vielen anderen großartigen Kulturen der Welt. „Himmel und Erde begegnen sich, wenn die Harmonie verwirklicht ist“, lautet das in den Dokumenten des lokalen Organisationskomitees dazu angeführte Zitat aus der kosmologischen Tradition. Dieses Programm wird als nichtpolitisch definiert, insofern sich die Volksrepublik mit ihrem kommunistischen Herrschaftsmonopol umstandslos mit „China“ identifiziert, also mit dessen Nation, Reich und Kultur als solchen.
Nachdem die mit wachsender Gereiztheit vorgetragene Ablehnung jeglicher „Politisierung“ der Spiele sich international nicht durchsetzen konnte, weicht der ursprünglich enthusiastische Ton einem eher desillusionierten Trotz. Die chinesische Nation sei psychologisch darauf vorbereitet, heißt es nun in der „Volkszeitung“, dass ihre Entwicklung durch „Verkennung, Spott und Flüche“ geprüft werden müsse; im August werde sie sich der Welt mit „Fassung und Zuversicht“ stellen.