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Tibet Olympischer Fackellauf in Lhasa ohne Zwischenfälle

21.06.2008 ·  Die Olympische Flamme ist unter großem Polizeiaufgebot auf einer verkürzten Route durch die tibetische Hauptstadt Lhasa getragen worden. Ausgewählte Zuschauer schwenkten Fahnen und jubelten. Kontakt zu Bewohnern war den Reportern untersagt.

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Drei Monate nach den blutigen Unruhen in Tibet hat am Samstag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen der olympische Fackellauf durch die tibetische Hauptstadt Lhasa stattgefunden. Als Zuschauer wurden nur Personen mit einer speziellen Akkreditierung zugelassen. Die Ausgewählten schwenkten Fahnen und riefen „China, China“. Zahlreiche chinesische Sicherheitskräfte waren während des elf Kilometer langen Fackellaufs im Einsatz, der bereits nach knapp zwei Stunden zu Ende ging.

Die ursprünglich auf drei Tage angesetzte Tibet-Etappe war verkürzt worden und galt als heikelster Abschnitt des Fackellaufs. Augenzeugen berichteten, viele Bewohner Lhasas seien von den Behörden aufgefordert worden, ihre Häuser während des Ereignisses nicht zu verlassen und ihre Geschäfte nicht zu öffnen. Vor dem Lauf ließen die chinesischen Behörden mehr als tausend Beteiligte der anti-chinesischen Proteste in Tibet im März frei.

„Provokative Entscheidung“

Der Lauf startete vor dem Norbulingka-Palast, der früheren Sommerresidenz des Dalai Lamas. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter lebt seit 1959 im indischen Exil. Das Staatsfernsehen übertrug die ersten Minuten des Fackellaufs live. Erster Läufer war der 75 Jahre alte Bergsteiger Gonpo, ein tibetisches Idol. Etwa die Hälfte der 156 Läufer stammte aus Tibet, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Nach einer Stunde und 45 Minuten endete der Lauf vor dem hochgelegenen Potala-Palast, dem historischen Sitz der tibetischen Regierung. Zunächst waren für den Lauf drei Stunden angesetzt worden, nach ältester Planung hatte er sogar acht Stunden dauern sollen.

Reporter mussten im Konvoi reisen und durften nur über den Beginn und das Ende des Laufs berichten. Kontakt mit Bewohnern der Stadt war ihnen untersagt. Die in New York ansässige Menschenrechtsorganisation Human Rights in China kritisierte den Fackellauf durch Lhasa scharf. Die chinesische Regierung habe mit dem Segen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) eine „provokative Entscheidung“ getroffen, die die Spannungen in Tibet weiter verschärfen könne, sagte die Leiterin der Organisation, Sharon Hom, vor dem Fackellauf. Der Lauf untergrabe den Dialog mit dem Dalai Lama.

Die chinesischen Behörden hatten vor der Ankunft der Olympischen Flamme in Lhasa mehr als tausend Beteiligte an den anti-chinesischen Protesten in Tibet Mitte März freigelassen. Insgesamt seien 1157 Demonstranten wieder auf freiem Fuß, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag unter Berufung auf den tibetischen Vizepräsidenten Palma Trily. Die Freigelassenen hätten wegen kleinerer Straftaten im Zusammenhang mit den gewaltsamen Protesten in Haft gewesen.

Freilassungen und neue Verurteilungen

Wegen ihrer Beteiligung an den Ausschreitungen in der autonomen Region seien am Donnerstag und Freitag zudem zwölf Menschen verurteilt worden, sagte Trily weiter, ohne Art oder Ausmaß der Strafen zu nennen. Den Angaben nach wurden bisher insgesamt 42 mutmaßliche Teilnehmer an den Ausschreitungen gerichtlich belangt. Weitere 116 Demonstranten seien noch im Gefängnis und warteten auf ihre Prozesse. Im April hatten chinesische Behörden im Zusammenhang mit den Protesten 30 Menschen zu Gefängnisstrafen zwischen drei Jahren und lebenslang verurteilt.

Der Fackellauf anlässlich der Olympischen Spiele in Peking hatte Ende März in der chinesischen Hauptstadt begonnen und wurde vor allem im westlichen Ausland von teilweise heftigen Protesten gegen die Tibet-Politik Pekings begleitet. (Siehe auch: Interaktiv: Die Route des olympischen Feuers) Im März waren bei der Niederschlagung anti-chinesischer Proteste in der Region nach Angaben von Exiltibetern 203 Menschen ums Leben gekommen. Die chinesische Regierung spricht von etwa zwanzig Toten und wirft den Tibetern vor, mit ihren Protesten die Olympischen Spiele zu untergraben.

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