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Start des Fackellaufs Keine Spur vom „harmonischen China“

31.03.2008 ·  Während China von den Olympischen Spielen reden möchte, redet die Welt über Tibet. So wurde Präsident Hu Jintao der erste Tag des Fackellaufs verdorben. Die Regierung reagiert zunehmend gereizt auf die Kritik aus dem Ausland.

Von Petra Kolonko, Peking
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Es hätte Präsident Hu Jintaos großer Tag werden können, ein Vorgeschmack auf jenen Tag im August, an dem er die Olympischen Spiele in Peking eröffnen wird. Doch als Chinas Staatspräsident am Montag in Peking den Olympischen Fackellauf eröffnete, zeigte er weder Freude noch Genugtuung.

Mit bitter ernster Mine verfolgte er in seinem roten Sessel in der ersten Reihe der Ehrengäste die Reden. Als die olympischen Organisatoren den Staatspräsidenten wärmstens begrüßten, verzog Hu Jintao keine Miene. Nur der Schatten eines Lächelns flog über sein Gesicht, als er die Olympische Fackel ungelenk dem chinesischen Hürdensprinter Liu Xiang übergab.

Platz des Himmlischen Friedens gänzlich abgesperrt

Der große Tag ist Hu Jintao verdorben worden, dunkle Wolken hängen über den Pekinger Spielen. Vier Monate vor dem Beginn der ersten Olympischen Spiele in China sieht sich die chinesische Regierung von tibetischen Mönchen um die Früchte ihrer Bemühungen gebracht, der Welt ein „harmonisches China“ zu präsentieren. Es hagelt Kritik. Nicht mehr nur einzelne Menschenrechtsgruppen, sondern auch Politiker fordern einen Boykott der Spiele in Peking wegen Chinas Tibet-Politik. Allenthalben wird die chinesische Regierung zum Dialog mit ihrem Intim-Feind, dem Dalai Lama, aufgerufen. Während China von den Olympischen Spielen reden möchte, redet die Welt von Tibet.

Olympischer Fackellauf: Keine Spur vom „harmonischen China“

Für ausländisches Empfinden bekam die große Zeremonie auf dem Platz des Himmlischen Friedens daher einen befremdlichen Anstrich. Die Zeremonie war von Sicherheitsvorkehrungen begleitet, die selbst für chinesische Maßstäbe außergewöhnlich waren. Der Platz des Himmlischen Friedens war gänzlich abgesperrt. Der Verkehr auf der Straße des Ewigen Friedens, der wichtigsten Achse durch Pekings Innenstadt wurde angehalten. Nur ausgewählte Gäste durften teilnehmen. Einige der ursprünglich eingeladenen ausländischen Journalisten wurden wieder ausgeladen. Selbst der Zeitplan und Ablauf der Zeremonie waren bis zum Schluss geheim gehalten worden.

Allenfalls braver Beifall

Die chinesische Führung hat den Schock der vorigen Woche noch nicht verwunden, wo es einem einsamen Aktivisten gelungen war, sich bei der Entzündung der Flamme in Olympia während der Jubelrede von Pekings Bürgermeister Liu Qi in die Nähe des Redners zu schleichen und vor den Kameras der Welt ein Banner zu entfalten, das an die Pressezensur in China erinnerte. Um Ähnliches zu verhindern, aber auch aus Furcht vor Anschlägen, waren in ganz Peking die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt worden.

Während der stellvertretende Staatspräsident Xi Jinping in seiner Rede von Harmonie und den olympischen Träumen der Chinesen sprach, blieben die Ehrengäste unbewegt. IOC-Organisationschef Verbruggen erweckte den Eindruck, als sei er gern woanders. Nur die ausgesuchten normalen Bürger, Mitwirkende in Kostümen der chinesischen Minderheiten, auch denen der Tibeter, und Frauen in rosafarbenen olympischen T-Shirts waren angehalten, zu lächeln und heftig in die Kamera zu winken. Getragene Musik und die üblichen „Schönheiten“ eskortierten die Redner zum Pult. Und selbst als Staatspräsident Hu Jintao den Olympischen Fackellauf für eröffnet erklärte, erhob sich kein spontaner Jubel, allenfalls braver Beifall.

An jeder Station Proteste?

Von Peking aus wird jetzt die Olympische Fackel auf eine Reise durch die Welt gehen und dann am 4. Mai wieder China erreichen. Dann soll sie auch auf den Mount Everest in Tibet getragen werden, ein Vorhaben, das angesichts der jüngsten Ereignisse noch zusätzliche Kritik hervorgerufen hat. Es soll ein Fackellauf der Superlative werden, der längste der Geschichte mit insgesamt 135 Stationen in 19 Ländern. Die chinesische Regierung muss jetzt an jeder Station Proteste fürchten. Und außerhalb ihres Staatsgebietes wird sie noch nicht einmal die Möglichkeit haben, diese zu unterbinden oder die Medien daran zu hindern, über sie zu berichten, wie sie das beim Protest in Olympia gemacht hat. Der wurde in der Berichterstattung des chinesischen Fernsehens einfach weggeschnitten.

Nicht nur wollen Tibet-Aktivisten während des Fackellaufes auf die Unterdrückung der Tibeter in China aufmerksam machen. Andere Gruppen wollen die Einschränkungen der Presse und die Verletzungen von Menschenrechten in China zum Thema machen. Und auch die Darfur-Lobby will während des Fackellaufes daran erinnern, dass Chinas Regierung als Verbündeter des Sudan nicht genug tut, um die Lage in Darfur zu befrieden.

Falsche Berichte und feindliche Kräfte

In den Reden zur Eröffnung des Fackellaufs konnte man mit etwas Wohlwollen Hinweise auf Tibet finden. Die Erklärung von IOC-Präsident Jaques Rogge, die von Verbruggen verlesen wurde, sprach davon, dass das Olympische Feuer eine Gelegenheit für die Menschen Chinas und der Welt, mehr voneinander zu lernen. Die Flamme werde die olympische Botschaft von Frieden, Freundschaft und Respekt in die Welt tragen. Der stellvertretende Staatspräsident Xi Jinping sprach von einem Jahrhunderte alten Traum des chinesischen Volks, endlich die Olympischen Spiele ausrichten zu können. Die Olympischen Spiele würden die nationale Entwicklung, den sozialen Fortschritt und das Leben des Volkes verbessern.

Aber ohnehin richtete sich die Fackel-Zeremonie mehr an das einheimische Publikum, das wenig von den Ereignissen in Tibet weiß und für das Tibet kein großes Thema ist. Man kennt in China nur die Regierungsversion der Dinge. Es wird aber ausführlich darüber berichtet, dass die ausländische Presse falsche Berichte verbreite und feindliche Kräfte im Ausland den Chinesen „ihre“ Spiele verderben wollen. Das Außenministerium nannte mögliche Proteste beim Fackellauf „schändlich“.

Dalai Lama als „Scharlatan“ beschimpft

Die chinesische Führung ist sich der Tragweite der Ereignisse mittlerweile bewusst geworden. Sie versucht sich nach außen in einer propagandistischen Gegenoffensive. Nachdem eine Gruppe ausländischer Journalisten Lhasa besuchen durfte, wurden auch noch ausländische Diplomaten wohlbewacht nach Lhasa geschickt, doch auch diese zeigten sich enttäuscht über die mangelhafte Aufklärung durch die Chinesen.

Gleichzeitig versucht die chinesische Regierung, vor allem den Dalai Lama zu diskreditieren. Am Montag veröffentlichte die Nachrichtenagentur Xinhua einen Bericht eines Beteiligten aus Tibet, der der Polizei gestanden habe, dass er im Auftrag der „Dalai Lama-Clique“ Flugblätter verteilt habe, die die Tibeter zum Protest aufgerufen hätten. Der Bericht führt dann aus, wie die weiteren Proteste in Tibet und anderen Provinzen von der „Dalai Lama-Clique“ gelenkt worden seien. In einem Kommentar der Zeitung „China Daily“ wird der Dalai Lama als „Scharlatan“ beschimpft.

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Politische Korrespondentin für Ostasien.

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